Ordnungszahl 117 Physiker erzeugen neues chemisches Element

Superschwer und völlig instabil: Forscher in Russland haben ein neues chemisches Element hergestellt. Es hat 117 Protonen im Atomkern und gilt paradoxerweise als wichtiger Schritt auf der jahrzehntelangen Suche nach stabilen Atomen, ganz am Rand unseres Periodensystems.

Superschwere Elemente: Schneller Zerfall bis zur Insel der Stabilität (rechts oben)
American Physical Society

Superschwere Elemente: Schneller Zerfall bis zur Insel der Stabilität (rechts oben)


Noch hat die Neuentdeckung keinen offiziellen Namen - und nach wenigen Sekundenbruchteilen zerfällt sie auch schon wieder. Und doch sind Wissenschaftler begeistert vom neu gefundenen Element mit der Ordnungszahl 117, das einstweilen wohl als Ununseptium firmieren wird. Ganze sechs Atome der Substanz, die 117 Protonen im Kern hat, konnte ein russisch-amerikanisches Gemeinschaftsprojekt am Vereinigten Institut für Kernforschung Dubna bei Moskau herstellen.

Die Ergebnisse sollen demnächst im Fachmagazin "Physical Review Letters" veröffentlicht werden. Die Forscher hatten in einem sogenannten Zyklotron das radioaktive Element Berkelium (mit 97 Protonen pro Atomkern) mit Kalziumatomen (20 Protonen pro Atomkern) beschossen. Die hochreine Berkelium-Probe, gerade einmal 22 Milligramm, war zuvor am Oak Ridge National Laboratory im US-Bundesstaat Tennessee hergestellt worden.

Nach dem Beschuss zerfiel das neu geschaffene Element jedoch schnell wieder. Erst durch die Analyse der Zerfallsprodukte konnten die Forscher auf die Spur der Substanz kommen. Dabei fanden sie gleich zwei verschiedene Isotope: Fünf der sechs hergestellten Atome hätten über 176 Neutronen verfügt, sagte der US-Forscher Jim Roberto vom Oak Ridge National Laboratory der "New York Times", in einem Fall sei aber ein zusätzliches Neutron im Kern enthalten gewesen.

Obwohl das neue Element so schnell zerfällt (die schwerere Variante nach 78 Millisekunden, die leichtere nach 14 Millisekunden), so hoffen Forscher doch darauf, dass es ihnen bei der Suche nach der sogenannten Insel der Stabilität hilft. Nach dieser Theorie nimmt die Lebenszeit besonders schwerer Elemente wieder zu. Das Element 117 könnte ein Zwischenschritt dorthin sein. Sein schwererer Nachbar mit der Ordnungszahl 118 war bereits 2006 entdeckt worden. Forscher gehen davon aus, dass Elemente mit 184 Neutronen und 114, 120 beziehungsweise 126 Protonen vergleichsweise stabil sein könnten.

Bevor das neu entdeckte Element einen offiziellen Namen bekommt, muss es noch in einem anderen Labor hergestellt werden. Dann haben die Entdecker das Recht, dem Chemikerverband IUPAC einen Namen vorzuschlagen. Bis der dann auch noch offiziell verabschiedet wird, dürfte noch einige Zeit vergehen. Zuletzt hatte die IUPAC im Februar dem Element mit der Ordnungszahl 112 den Namen Copernicium gegeben. Es war schon 1996 am Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt entdeckt worden.

chs



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.