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Vogelattacke auf Friedenstauben des Vatikans: "Ein erstaunlicher Angriff"

Vatikan: Attacke auf Friedenstauben Fotos
AP

Warum haben sich Möwen und Krähen auf die weißen Tauben gestürzt, die der Papst kürzlich aufsteigen ließ? Experten erklären die überraschende Attacke. Die Friedenstiere des Vatikans sind demnach dem Tode geweiht.

SPIEGEL ONLINE: Frau Fähnders, Herr Mitschke - wie haben Sie als Experten die Attacken der Möwen und Krähen auf die Friedenstauben im Vatikan gesehen? Zeigte sich dort eine Art Rassismus gegen weiße Tiere, wie in Internetforen spekuliert wird?

Mechthild Fähnders: Das halte ich für Unsinn, Tiere haben keine Abneigung gegen Andersfarbige. Die Natur kennt keine Symbolik wie "dunkle Tiere sind böse, helle sind gut". Das ist eine traditionelle Symbolik der katholischen Kirche, für die weiße Tauben Botschafter des Friedens sind.

Zu den Personen
Mechthild Fähnders, Ornithologin vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu)

Alexander Mitschke, Ornithologe beim Arbeitskreis Staatliche Vogelschutzwarte

Alexander Mitschke: Weiße Tauben werden einfach schneller zum Ziel von Attacken, weil sie besser zu sehen sind als ihre Artgenossen.

Fähnders: Bessere Überlebenschancen haben Vögel mit ihren arttypischen Farben, mit denen sie gewöhnlich gut getarnt sind. Tiere mit weißen Fehlfarben gibt es viel häufiger unter Haustieren, weil sie dann weitergezüchtet werden und sich so vermehren können.

SPIEGEL ONLINE: Die Angreifer waren eindeutig weniger friedlich als die Tauben. Was ging da vor?

Fähnders: Es handelte sich hier um Nebelkrähe und Mittelmeermöwe, die ernähren sich mitunter auch räuberisch, gehen schon mal auf Kleinsäuger oder Vögel. Insbesondere im Winter, wenn Nahrungsmangel herrscht.

Mitschke: Das ist unglücklich gelaufen für die Tauben. Als sie aus dem Fenster des Papstes geworfen wurden, waren ausgerechnet Möwe und Krähe zugegen. Und dann flatterten die Tauben auch noch eher unbeholfen, was ja kein Wunder ist, es waren ja Zuchtvögel, die das erste Mal in Freiheit kamen. Die Unbeholfenheit hat die Angreifer wohl gereizt.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Mitschke: Krähen gehen auf hilflose, verletzte und sich stark abweichend verhaltende Tiere los.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, sie wollten die Tauben erlegen?

Fähnders: Das finde ich eindeutig. Recht erstaunlich fand ich aber den Angriff der Möwe auf die weißen Tauben, denn Möwen nehmen Vögel eigentlich eher vom Boden.

Mitschke: Manche greifen sich ja auch Tauben von Felsklippen. Die Gebäude in Rom wirken für sie vermutlich wie eine Felslandschaft, in der sie sich wohlfühlen.

SPIEGEL ONLINE: Die Tauben hingegen sind Körnerfresser. Wie sind ihre Überlebenschancen jetzt in der freien Natur?

Mitschke: Sie haben keine guten Perspektiven. Sie müssen sich nun ihre Nahrung selber suchen und sich an die freie Natur erst gewöhnen. Vielleicht finden sie einen Taubenschwarm, dem sie sich anschließen. Aber als weiße Tiere sind sie selbst in der Gruppe am meisten gefährdet.

Fähnders: Insbesondere Habicht und Wanderfalke machen Jagd auf Tauben. Bei den Tauben des Papstes handelt es sich vielleicht um Brieftauben. Sie können weite Strecken fliegen, haben eine gute Orientierung. Wenn man bedenkt, dass in der Literatur manche von ihnen freundliche Nachrichten oder Liebeslieder überbringen, sind es doch irgendwie Botschafter des Friedens.

Das Interview führte Axel Bojanowski

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Mittelmeermöwen greifen sehr ...
Thorkh@n 28.01.2014
... wohl Vögel in der Luft an. Sie jagen sich ja auch in der Luft mit akrobatischen Manövern Futter ab bzw. bringen das Opfer zum Hervorwürgen verschluckter Nahrung. Über dem Meer sind Angriffe auf ziehende Singvögel und auch Brieftauben (Wettbewerbsvögel) vollkommen üblich. Prüter & Vauk schrieben sogar, dass die größten Zugvogel-Verluste über See Möwen geschuldet seien. Eine Mittelmeermöwe ist übrigens in der Lage, eine Taube im Ganzen zu verschlucken: http://www.youtube.com/watch?v=CMrHGF4Pbfo
2. Das waren Rachekrähen...
kilroy-was-here 28.01.2014
die medienwirksam auf die velogene Sexualmoral der Kirche aufmerksam machen wollten... :-)
3. Laßt das mit den weißen Tauben bleiben
hartmannulrich 28.01.2014
Ich habe auch schon einmal die Attacke einer Krähe auf eine weiße Taube beobachtet; gezielt hat sie diese aus einem Schwarm Stadttauben ausgesucht. Das lag nicht nur an der mangenden Tarnung; weiße Tauben sind als Zuchtvögel in freier Wildbahn generell weniger lebensfähig, und ihre Federn sind wegen fehlender Pigmente schwächer. Eine fitte Taube kann einer Krähe oder Möwe ohne weiteres entkommen. Weiße Tauben fliegen zu lassen - wie man es ja auch bei Hochzeiten gerne macht - ist daher nur Tierquälerei.
4. Tauben brauchen Schutz
alex_white 28.01.2014
Mit dieser symbolischen Tat tut man den Tauben nichts Gutes. Für Feierlichkeiten werden die weißen Tauben fliegen gelassen, für den Sport die grauen Tiere. Und das zu Millionen. Dabei können die Distanzen bis zu 1.200 km gehen. Allein von deutschen Taubensportlern werden pro Jahr 3 Millionen Tiere "aufgelassen". Die Hälfte davon bleibt erschöpft auf der Strecke. Leider sind sie für das Leben in Freiheit nicht gemacht. Sie verhungern und verdursten. Wenn sie Glück haben, können sie sich bestehenden Schwärmen anschließen. Dann teilen sie das Los der Stadttauben, vom Straßendreck leben zu müssen. Aber vielleicht ist der Papst mit den Tauben vom Markusplatz ja gnädiger und lässt zu, dass diese Tiere versorgt werden.
5. ohje mine
Stabhalter 28.01.2014
Zitat von sysopAPWarum haben sich Möwen und Krähen auf die weiße Tauben gestürzt, die der Papst mit zwei Kinder aufsteigen ließ? Experten erklären die überraschende Attacke - die Friedenstiere des Vatikans scheinen dem Tode geweiht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/ornithologen-zu-angriff-moewe-und-kraehe-auf-friedenstauben-des-vatikans-a-946014.html
wenn das mal kein schlechtes Omen ist für den Pontifex,der keinen leichten Stand bei den Klerikern hat wo es Meuchler geben soll.
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