Neu entdeckte Art Der Milbenwurm von nebenan

Manche Biologen reisen ans andere Ende der Welt, um neue Tierarten zu entdecken. Ein US-Doktorand buddelte dagegen einfach um die Ecke von seinem Labor - und wurde fündig.

USDA

Wenn Forscher heutzutage neue Arten entdecken, haben sie sich oft an sehr abgelegenen Orten herumgetrieben. Oder sie haben festgestellt, dass ein paar der Tiere, die sich dort draußen tummeln, gar nicht zu einer schon bekannten Spezies gehören, sondern eine eigene bilden - wie etwa die kürzlich beschriebenen Araguaia-Delfine im Amazonasbecken. Oder aber die Wissenschaftler haben gezielt nach etwas Ausschau gehalten, was mit bloßem Auge gar nicht zu sehen ist: Die vielfältigen Winzlinge, die sich überall tummeln und wissenschaftlich oft noch nicht erfasst sind.

Samuel Bolton, Doktorand an der Ohio State University in Columbus, ist solch eine Neuentdeckung geglückt, worüber er gemeinsam mit Kollegen im "Journal of Natural History" berichtet. Osperalycus tenerphagus haben die Wissenschaftler die Art genannt. Nur gut einen halben Millimeter lang sind die Milben.

Die Spezies ist durchaus ungewöhnlich. Denn die Tierchen sind zwar Milben, sehen mit ihrem langgezogenem Körperbau aber aus wie Würmer. Ihr Körper funktioniere im Prinzip wie ein Miniatur-Akkordeon, sagt Bolton; wie Würmer schlängeln sie sich durch den Boden.

Komplexes Mundwerk

Bolton entdeckte die Spezies, nachdem er im Erdreich um die Ecke des Milbenkunde-Labors gegraben und sich die Bodenproben samt ihrer winzigen Bewohner unterm Mikroskop angesehen hatte. Dabei erkannte er Milben, die ungewöhnliche Borsten, sogenannte Setae, am gesamten Körper hatten, was sie von anderen Milben unterscheidet.

Beim US-Landwirtschaftsministerium in Maryland untersuchte Bolton die Milben unter einem speziellen Elektronenmikroskop, bei dem die Proben stark gekühlt werden, aber nicht einem Hochvakuum ausgesetzt werden müssen. So bleiben die Tierchen in Gänze erhalten und die Forscher konnten ihren Körperbau studieren.

Besonders begeistert ist Bolton vom komplexen Mundwerk der Milben, zu dem eine vorgelagerte, taschenähnliche Struktur gehört. Die Biologen vermuten, dass Osperalycus noch kleinere Tiere mittels dieser Tasche festhält, um sie dann mit innenliegenden Scheren anzustechen und auszusaugen. Was die Milben fressen, wissen Bolton und Kollegen jedoch noch nicht.

Nach Angaben der Forscher ist es die fünfte bekannte Art in der Familie der sogenannten Nematalycidae, die alle eher Würmern als Milben ähneln. Das ist ein typischer Fall von konvergenter Evolution: Nicht enger verwandte Tiere haben sich an dieselben Umweltbedingungen angepasst und so frappierende Ähnlichkeiten entwickelt.

"Obwohl sie so klein sind wie manche Einzeller, sind sie unglaublich komplex", schwärmt Bolton über die Milben. Sie hätten die gleichen Anlagen wie Insekten, Krebse, Spinnen - aber alles sei im Laufe der Zeit zusammengeschrumpft. Natürlich gibt es auch Insekten, die diesen Weg eingeschlagen haben. Anlässlich der Entdeckung einer nur einen Viertelmillimeter großen Zwergwespe stellten Forscher kürzlich die Rechnung auf, wie klein ein noch flugfähiges Insekt eigentlich sein kann.

wbr



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insgesamt 7 Beiträge
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susiwolf 02.03.2014
1. Verfolgungswahn ...
"Fressen ... und gefressen werden ..." en miniature ... Sähen diese possierlichen 'Harmonikas' nicht so appetitanregend aus, man könnte meinen, sie wären aus lauter Scham so unentdeckt geblieben. Nun sind sie in der Falle ... entdeckt ! Der zukünftige Weg ist vorgezeichnet: Einfangen, dressieren und ... einen Osperalycus tenerphagus - Zirkus einrichten: Zielpersonen: Riesengrosse Zuschauer ! Dressurreiten der Zwergwespe auf eben diesen edlen Nemaltacydaen ... Elektronenmikroskope für den Zuschauer sind natürlich im Eintrittspreis enthalten. Einziges Geschäftsrisiko wäre das Ausbüxen dieser Miniaturwespe. Wie sollte d i e auch verfolgt werden können ...
californium 02.03.2014
2. um die ecke VON SEINEM LABOR???
wie schon der kollege sick einst sagte: "der Dativ ist dem Genetiv sein Tod"
lies.das 02.03.2014
3. Milben sind Menschenfresser
Ist der Mensch wirklich die Krone der Schöpfung. wie die Evolutionslehre glaubt? Falsch! An der Spitze der Nahrungskette steht die Milbe. Der Mensch steht - unter ihr - maximal nur an zweiter Stelle der Nahrungskette. Die Milbe ernährt sich von menschlichen Überresten, Hautschuppen etc. Die Milbe bespringt uns im Bett, benutzt den Menschen als technisch intelligentes Wirts-Tier, um auf ihm durch die Welt zu reisen - sogar mit modernen Verkehrsmittel wie Flugzeugen. Die Milbe ist tausend mal fruchtbarer als der Mensch: Ein Federkopfkissen enthält (trotz gewaschenem Bezug) praeter propter 400.000 Milben. Abertrillionen Milben werden weltweit als Gen-Mutanten weiterleben, wenn die intelligente Menschheit längst ausgestorben ist. Also noch jenseits des Jüngsten Tages...
susiwolf 03.03.2014
4. D-e-r Milbentod ... um die Ecke buddeln.
Zitat von californiumwie schon der kollege sick einst sagte: "der Dativ ist dem Genetiv sein Tod"
"Er grub also an seines Labors Ecke ..." ? Ganz schön eckig ... @californium ! Da gehen manche sicherlich lieber in den genetiv'schen (oder dativ'schen) Heldentod ?
cassandros 03.03.2014
5. Schöpfkelle
Zitat von lies.dasIst der Mensch wirklich die Krone der Schöpfung. wie die Evolutionslehre glaubt? Falsch! An der Spitze der Nahrungskette steht die Milbe. Der Mensch steht - unter ihr - maximal nur an zweiter Stelle der Nahrungskette. Die Milbe ernährt sich von menschlichen Überresten, Hautschuppen etc. Die Milbe bespringt uns im Bett, benutzt den Menschen als technisch intelligentes Wirts-Tier, um auf ihm durch die Welt zu reisen - sogar mit modernen Verkehrsmittel wie Flugzeugen. Die Milbe ist tausend mal fruchtbarer als der Mensch: Ein Federkopfkissen enthält (trotz gewaschenem Bezug) praeter propter 400.000 Milben. Abertrillionen Milben werden weltweit als Gen-Mutanten weiterleben, wenn die intelligente Menschheit längst ausgestorben ist. Also noch jenseits des Jüngsten Tages...
ja, falsch! Die Religion (!) kennt die Vorstellung von der "Krone der Schöpfung". Die Evolutionslehre "glaubt" das gerade nicht. Die Evolutionslehre kennt auch keine "Schöpfung".
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