Infografik zur Ostsee-Fischerei Dorsche in Gefahr

Wie viel Fisch darf 2016 in der Ostsee gefangen werden? Um das zu beschließen, treffen sich derzeit die EU-Landwirtschaftsminister in Brüssel. Die Infografik der Woche zeigt, wie es den Beständen geht.


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Wenn etwas aus der westlichen Ostsee gefischt wird, dann ist es höchstwahrscheinlich eine Sprotte, ein Dorsch oder ein Hering. Wie viele es maximal sein dürfen, legt die EU einmal jährlich fest - und richtet sich dabei mittlerweile maßgeblich nach einer Empfehlung aus der Wissenschaft, vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES).

Dafür untersucht der ICES, wie sich die Bestände in unterschiedlichen Fanggebieten entwickeln. Kleine Schwarmfische wie Heringe und Sprotten kommen dabei in diesem Jahr gut weg, Plattfische wie Schollen und Flundern sogar sehr gut. Sorgen macht den Meeresforschern der Dorsch. Die Bestände wachsen zwar wieder, sind aber noch immer zu klein und werden zu stark genutzt.

Die ICES-Empfehlung lautet daher, die Fangmengen deutlich zu reduzieren - zumindest vorübergehend. Wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, wurden aus der westlichen Ostsee über Jahre fast konstant viele Dorsche gefischt. Zuletzt fingen die Fischer rund 11.440 Tonnen im Jahr 2014.

Gemessen am Dorschbestand ist das viel, jedoch wenig im Vergleich zu den anderen beiden Arten. Mehr als 37.300 Tonnen Hering wurden 2014 in der Ostsee gefangen und rund 244.000 Tonnen Sprotte. 2013 war es noch deutlich mehr gewesen.

Gesunder Bestand: Frisch gefangene Heringe an der Ostsee
AP

Gesunder Bestand: Frisch gefangene Heringe an der Ostsee

Wie stark die Fangmengen den Beständen zusetzen, hängt von vielen Faktoren ab. Wissenschaftler fassen diese in zwei zentralen Größen zusammen: Wie groß muss die Biomasse des Bestands mindestens sein, damit er nachhaltig genutzt werden kann? Und wie viele Fische dürfen dafür höchstens jährlich gefangen werden?

Wie sich diese sogenannte Sterblichkeit seit 1994 entwickelt hat, zeigt die folgende Grafik für Dorsch, Hering und Sprotte. In fast allen Jahren wurden die Bestände zu stark genutzt, insbesondere der Dorsch in der westlichen Ostsee. Für Hering und Sprotte in dieser Fangregion besserte sich die Lage immerhin ab 2010.

Auch die Bestandsgröße ist beim Dorsch kritisch, wie die folgende Grafik verdeutlicht. Seit 1994 erreichte sie noch in keinem Jahr den Mindestwert, während sich die Heringsbestände in den vergangenen Jahren erholt haben. Um die Bestandsgröße zu bewerten, schauen die Forscher auf die "Laicherbiomasse" - also das Gewicht der erwachsenen Tiere, die für Nachwuchs sorgen können.

Für den Dorsch in der westlichen Ostsee wäre eine Reduzierung der Fangquoten also überlebenswichtig. Schon eine um zehn Prozent geringere Höchstfangmenge könnte ausreichen, rechnet der ICES in seiner Empfehlung für 2016 vor. Dann wäre der Dorschbestand womöglich bereits 2017 wieder im grünen Bereich.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

agr/che

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