Ostsee-Pipeline: Natur erobert ehemalige Baustelle zurück

Flohkrebse, Wattschnecken, Meeresringelwürmer: Wo die Bauarbeiten für die Ostsee-Pipeline die Ökosysteme durcheinandergebracht haben, siedelt sich offenbar langsam wieder Leben an. Auch Seepocken und Algenwälder haben Forscher schon wieder sehen können.

Ostsee-Pipeline: Neues Leben im Meer Fotos
DPA

Lubmin - Der Bau der deutsch-russischen Ostsee-Pipeline war ein massiver Eingriff in die Ökosysteme im Meer. Nun, ein halbes Jahr nach der Verlegung des zweiten Strangs Leitung erobert offenbar die Natur die verfüllten Rohrgräben zurück. Auch die mit Steinpackungen restaurierten Riffe in der Pommerschen Bucht und im Greifswalder Bodden würden allmählich wieder von Pflanzen und Tieren besiedelt, sagte ein Sprecher des Betreiberkonsortiums Nord Stream.

Der Trassenverlauf war während der Verlegung und nach Bauabschluss mit einem Tauchroboter untersucht worden. Nach einem im Juli erstellten Bericht haben zudem Sedimentproben ergeben, dass in den Schutzgebieten keine nennenswerten Mengen abgelagerter Schadstoffe freigesetzt wurden. Störungen rastender Seevögel und Schweinswale seien nicht festgestellt worden.

Seit 2011 sind Forscher des Rostocker Instituts für Angewandte Ökosystemforschung im deutschen Küstenmeer unterwegs, um die ökologischen Auswirkungen des Trassenbaus zu untersuchen. An Bord deutscher und schwedischer Forschungsschiffe haben sie im Greifswalder Bodden und in der Pommerschen Bucht Sedimentproben von jenen Stellen genommen, an denen die Leitung metertief im Boden vergraben und mit neuem Stein- und Sandmaterial abgedeckt wurde.

Seit einigen Monaten finden sich in den ausgesiebten Proben auch schon wieder erste Kleinstlebewesen. Flohkrebse, Wattschnecken und Meeresringelwürmer haben sich auf der früheren Unterwasser-Baustelle wieder eingerichtet. "In einigen Monaten werden auch die ersten Muscheln zurückkehren, die derzeit noch im sommerlichen Larvenstadium durch das offene Wasser treiben", sagt Forscherin Anja Schanz. Die Forscher haben mit einem Tauchroboter auch Seepocken und rötlich schimmernde Algenwälder sehen können.

Auf drei Quadratkilometer Gesamtfläche summiere sich die Eingriffsfläche der Gasleitung vor der deutschen Küste, sagt Jan Kube, Umweltmanager des Betreiberkonsortiums, von dem auch das Geld für das Umweltmonitoring-Programm kommt. "Schon jetzt sei absehbar, dass die Vorgabe eingehalten wird: Spätestens 2014 wird der Trassenkorridor wieder in jenem Zustand sein, wie wir den Greifswalder Bodden vor vier Jahren vorgefunden hatten."

Inzwischen seien bereits 50 Prozent der im Bodden vorkommenden Lebewesen wieder im Trassenverlauf nachgewiesen worden. Nach Angaben der von Nord Stream finanzierten Forscher wurden während der Bauphase alle staatlich vorgegebenen Richtwerte eingehalten. Demnach sollen auch die Rammarbeiten am Anlandepunkt in Lubmin und der Lärm des seinerzeit um die Hälfte angestiegenen Schiffsverkehrs keine akustischen Beeinträchtigungen für Kegelrobben und Schweinswale zur Folge gehabt haben. Hinzu seien Ersatzmaßnahmen gekommen, etwa der Bau einer Robbenbank vor der Insel Ruden, sagt Kube.

chs/dapd

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1.
Joachim Baum 01.08.2012
Zitat von sysopdapdFlohkrebse, Wattschnecken, Meeresringelwürmer: Wo die Bauarbeiten für die Ostsee-Pipeline die Ökosysteme durcheinandergebracht haben, siedelt sich offenbar langsam wieder Leben an. Auch Seepocken und Algenwälder haben Forscher schon wieder sehen können. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,847616,00.html
Sollte nicht zu sehr verwundern, auch "oberirdisch" werden durch Menschen geschaffene Infrastrukturen von der Natur "zurückerobert", wenn diese Bauwerke sich selbst überlassen werden.
2. BIG surprise!!!
atair 01.08.2012
Zitat von sysopdapdFlohkrebse, Wattschnecken, Meeresringelwürmer: Wo die Bauarbeiten für die Ostsee-Pipeline die Ökosysteme durcheinandergebracht haben, siedelt sich offenbar langsam wieder Leben an. Auch Seepocken und Algenwälder haben Forscher schon wieder sehen können. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,847616,00.html
Man muss wohl schon ein deutscher Medienfuzzi, Grüner oder wenigstes Greenp.....-Mitglied sein um das überraschend zu finden. Wie, um alles in der Welt, glaubt ihr armen Tröpfe denn dass sich zu Lande und zu Wasser seit gut 3.000.000.000 Jahren Biotope - Lebensgemeinschaften - haben erhalten können wenn nicht durch solche ausgeprägte Regenerationskraft??? Nein, also wirklich!!
3. Yoooh
geotie 01.08.2012
Die Natur hilft sich selbst. Das Eingreifen des Menschen kann von der Natur nur als störend empfunden werden. Auch wenn ein Ralf Schumacher und andere anderer Meinung sind, die Natur hat auch Kometeneinschläge überstanden, wobei zwar die Dinosaurier bis auf wenige Überbleibsel vernichtet wurden, aber die Menschheit eine Chance bekam. Ich hoffe, die Natur überlebt, obwohl wir DA sind!
4. Geschlafen?
nervmann 01.08.2012
Welche Naturschutzbehörde hat es versäumt, so eine subversive Information vor der Veröffentlichung zu bewahren?:-)
5. Was ist denn hier los?
srothe 01.08.2012
Nun mal immer langsam mit die Pferde :-) Zunaechst mal ist es sehr zu begruessen dass solch ein Langzeitmonitoring stattfindet, so etwas gibt es noch nicht so oft, speziell im marinen Bereich. Im uebrigen ist das Thema nicht ganz so trivial wie es sich anhoert. Es geht naemlich im Kern gar nicht darum, was die Natur aushaelt und reparieren kann, sondern darum, was das fuer uns bedeutet. Als Geologe sage ich natuerlich: Die Welt kommt prima allein zurecht und ueberlebt uns problemlos. Als Mensch kann es nicht mein Ziel sein, ueberlebt zu werden. Also tue ich gut daran, mich mit den Folgen meines Handelns zu beschaeftigen und abzuwaegen, welche Eingriffe die Natur so reparieren kann dass ich dabei auch noch ueberlebe, und welche nicht. Gerade das Dinosaurierbeispiel ist dafuer ein gutes, denn den Meteoriteneinschlag (so die These denn stimmt) hat die Welt zwar verdaut, aber eben um den Preis eines schnellen Klimawandels, dem die Dinos nicht folgen konnte n, also ausstarben. Nun muessen wir unter dem Aspekt nur mal die aktuelle Klimadiskussion verfolgen und werden feststellen: Es geht nicht um die Natur (der ist das egal), sondern um uns! Um die Frage, welche sozialen Unruhen/Kriege ausgeloest werden, wenn ganze Staaten unbewohnbar werden und deshalb Voelkerwanderungen einsetzen. Nur ein kleines Beispiel, vermutlich. Hier noch ein kliener Literaturtip, fuer die Frage, was die Natur aus unserer Technik macht: /http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welt_ohne_uns Ein interessantes Buch, das der Frage nachgeht, was mit unserer Technik passiert wenn die Menschen von heute auf morgen verschwinden.
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