Umstrittene Erweiterungspläne: Ostsee-Pipeline durch Naturschutzgebiet geplant

Von , Moskau

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Ostsee-Pipeline (Archiv) : Protest gegen geplante Erweiterung

Seit September 2011 fließt russisches Erdgas per Pipeline direkt von den Lagerstätten in Sibirien nach Deutschland. Die Betreiber wollen die Kapazität nun bis 2018 verdoppeln. Die neue Trasse führt durch ein Naturschutzgebiet.

Moskau - Offenbar ist es ein lohnendes Geschäft: Das Betreiberkonsortium Nord Stream, an dem unter anderem E.on und die BASF-Tochter Wintershall beteiligt sind und dessen Aufsichtsrat Ex-Kanzler Gerhard Schröder vorsitzt, treibt Planungen für eine Verdopplung der Pipeline-Kapazität voran. Ab 2018 könnten dann durch zwei weitere Röhren jährlich insgesamt 100 Milliarden Kubikmeter nach Deutschland transportiert werden.

Umweltschützer in Russland fordern einen Stopp dieser Planungen. Grund für den Protest von Greenpeace, dem WWF und russischen Umweltschutzorganisationen ist der geplante Verlauf der Pipeline. Nord Stream will die beiden zusätzlichen Leitungsstränge nicht parallel zu den bereits bestehenden Röhren verlegen. Stattdessen favorisiert das Konsortium eine Route, die durch ein russisches Naturschutzgebiet führt.

Das Kurgalski-Schutzgebiet liegt nahe der Grenze zu Estland. Es gilt als Rastplatz für Zugvögel und ist ein Rückzugsort von Kegel- und Ringelrobben. "Die Zone wurde eingerichtet, um die Plätze zu schützen, an denen Robben ihren Nachwuchs großziehen", sagt Michail Kreindlin von Greenpeace Russland. "Jetzt droht dem Schutzgebiet die Zerstörung."

Verlegung der Segmente auf dem Meeresgrund

Das Kurgalski-Gebiet fällt unter die internationale Ramsar-Konvention zum Schutz von Feuchtgebieten. Greenpeace befürchtet, dass die Verlegung der 1,4 Meter dicken und 24 Tonnen schweren Pipeline-Segmente auf dem Meeresgrund die Tiere aufschrecken und verscheuchen könnte. Während der Arbeiten könne es zudem zu Havarien und dem Austreten von Treibstoff oder Chemikalien kommen. Die Routenführung von Nord Stream sei "inakzeptabel", sagt Wiktor Subakin von der Russland Vogelschutz-Union.

Die beiden bereits fertiggestellten Pipelinestränge führen vom russischen Wyborg durch die Ostsee nach Deutschland. Wyborg liegt am Nordufer des finnischen Meerbusens, nahe der Grenze zu Finnland. Das Kurgalski-Gebiet liegt rund 150 Kilometer davon entfernt am Südufer der Ostsee.

Nord Stream will vom Südufer bauen, weil dort auch die "zuliefernden Landleitungen von den Gasfeldern" liegen. Ein Umweg über Wyborg sei schwierig wegen "der hohen Besiedlungsdichte und der Flussquerung der Newa" - und vor allem teuer.

Alternativ prüft Nord Stream eine Route etwas östlich der Kurgalski-Halbinsel. Das Pipeline-Konsortium tendiert aber zu einem Bau durch das Naturschutzgebiet, aus Kostengründen. Die Kurgalski-Option sei insgesamt deutlich kürzer, "offshore circa 51 Kilometer und onshore circa 20 Kilometer", sagt Nord-Stream-Sprecher Jens Müller. Schutzmaßnahmen für Tiere und Pflanzen will das Unternehmen "in enger Abstimmung mit den Behörden" festlegen.

Mit Schützenhilfe der Provinzregierung können die Umweltschützer nicht rechnen. Alexander Drosdenko, Gouverneur des Gebiets Leningrad, will den Bau der Pipeline "mit offenen Armen begrüßen, selbst im Kurgalski-Naturschutzgebiet".

Greenpeace hofft nun auf Unterstützung aus dem Ausland. Die ausländischen Nord-Stream-Partner sollten "kein Projekt unterstützen, das dieses einzigartige Stück Natur zu zerstören droht", sagt Greenpeace-Mann Kreindlin.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Wie üblich ...
stefanbodensee 10.06.2013
Schutzmaßnahmen für Tiere und Pflanzen will das Unternehmen "in enger Abstimmung mit den Behörden" festlegen..... wenn ich diesen Satz schon höre - und dann noch in Verbindung mit Russland (dort, wo lupenreine Demokraten regieren) - dann kommt vmir das kalte Grausen. Wenn die Koghle winkt, dann siegt die gier - und so wirds wohl auch diesem schönen Schutzgebiet wie vielen anderen Schutzgebieten gehen. Wirtschaft vor Natur ... Grüße aus Chinas etc.
2. optional
eliotness 10.06.2013
Naja, Greenpeace macht jetzt ein bischen laerm, sammelt Spenden ein, kann dann aber nichts machen. Cui bono?
3. Kein Problem
outsider-realist 10.06.2013
Na das dürfte doch bald kein Problem sein.Die Politiker sind ja gerade dabei, die Bürgerrechte einzuschränken, indem sie Umweltschutzgruppen und Bürgerinitiativen die Schuld für das Hochwasser geben. Somit werden auch solche Projekte bald nur noch durchgewunken werden und jeder Einwand zwecklos werden. Aber vielen Bürgern scheint es ja zu gefallen.
4.
Flari 10.06.2013
Zitat von eliotnessGreenpeace hofft nun auf Unterstützung aus dem Ausland. Die ausländischen Nord-Stream-Partner sollten "kein Projekt unterstützen, dass dieses einzigartige Stück Natur zu zerstören droht", sagt Greenpeace-Mann Kreindlin.
Greenpeace möchte auch, dass die bösen AKW und Kohlekraftwerke abgeschaltet und durch Gas-KW ersetzt werden. Da kann das Gas ruhig teurer werden. Schliesslich liegt das Geld für Greenpeace und die Grünen auf der Strasse, auf den Dächern und in der Geldbörse ihrer Anhänger..
5. Greenpeace
u.loose 10.06.2013
denkt sicher, die Robben sind genau so blöde wie die Menschen die ihnen auf den Leim gehen... Wenn die Rohre versenkt sind, interessiert sich keine Robbe oder Sonstiger mehr dafür...
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