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Ostseepipeline Riesenrohre im Rollmops-Revier

Foto: vTI

2. Teil: Verwaltungsrichter müssen entscheiden

Lissek beschreibt, wie riesige Verlegeschiffe schon bald die geschweißten Leitungen zum Grund der Ostsee herablassen. In diesem Jahr soll der erste Strang verlegt werden, im kommenden Jahr dann der zweite. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Dort wo die Pipeline ans Land kommt - also bei Wyborg in Russland und im deutschen Lubmin (siehe Kasten links) - werden beide Stränge zugleich verlegt. So soll die Umweltbelastung möglichst minimiert werden.

Trotzdem bleibt ein Problem: In Küstennähe wird die Pipeline metertief eingegraben. Sonst würde sie im schlechtesten Fall an den Ankerpunkten am Land abreißen, wenn sich die Leitung am Grund der Ostsee hin- und herbewegt.

Das Eingraben ist freilich nicht ohne Probleme - unter anderem für den Hering. Die Fische legen ihre Eier auf Pflanzen im flachen Boddenwasser ab. Nach zwei Wochen entwickeln sich daraus die Laiche. Die Bauarbeiten könnten aber große Mengen Sediment aufwirbeln. Und wenn die sich auf den Laich legen, drohen die Larven zu wenig Sauerstoff zu bekommen - und damit zu ersticken. Sicher weiß das niemand, doch die Forscher mahnen zur Vorsicht: "Wir sind aus wissenschaftlicher Sicht dagegen, dass ab 15. Mai gebaut wird. Er wäre besser, wenn man erst ab Juni oder Juli bauen würde", sagt der Rostocker Heringsexperte von Dorrien.

Derzeit ist der Greifswalder Bodden noch dick mit Eis bedeckt. Wegen des harten Winters könnte sich die Laichsaison der Heringe deswegen in diesem Jahr nach hinten verschieben. Dann würden die Bauarbeiten in der Hochphase der Reproduktion beginnen.

Wenn sie denn überhaupt beginnen dürfen.

Zwar haben die Pipelinebauer längst alle nötigen Genehmigungen der betroffenen Ostseestaaten, doch liegt beim Oberverwaltungsgericht in Greifswald derzeit eine Klage der Umweltschutzorganisationen WWF und BUND zur Entscheidung. Der Planfeststellungsbeschluss für die Rohrleitung sehe zu wenige Kompensationsmaßnahmen für die Umweltzerstörungen in der Boddenlandschaft vor, monieren die Umweltschützer.

Nur 40 Prozent der Umwelteingriffe werden kompensiert

Mit dem Bagger-Sediment würden große Mengen Stickstoff und Phosphor aus Düngemittelrückständen vom Meeresgrund aufgewirbelt. Dem Ökosystem Ostsee drohe dadurch große Gefahr, zumal das Nord-Stream-Konsortium gerade einmal 40 Prozent der Eingriffe kompensieren würde. Firmensprecher Lissek bestätigt diese Zahl - und verweist darauf, dass das Unternehmen außerdem Ausgleichszahlungen von 3,6 Millionen Euro leiste. Genauso wie im Planfeststellungsbeschluss gefordert.

Den Umweltschützern ist diese Summe jedoch zu niedrig. Sie kritisieren auch, dass das Riff an der Schwelle zwischen Greifswalder Bodden und der Ostsee teilweise abgebaggert werden muss. So soll eine Schneise geschlagen werden, durch die die Verlegeschiffe fahren können. Der abgetragene Meeresboden soll vor Usedom wieder versenkt werden.

Wann die Richter entscheiden, lässt sich in Greifswald derzeit nicht herausfinden. Doch es wird bald sein müssen, schließlich steht der geplante Baustart unmittelbar bevor. Sollten die Richter den Argumenten der Umweltschützer folgen, könnte sich das ändern.

Wenn dann Ende des Jahres der Hering zum Laichen wiederkommt, wären die Arbeiten im Bodden möglicherweise noch nicht abgeschlossen. Von Anfang 2011 bis Mitte Mai müsste dann wieder Ruhe herrschen. Bei Nord Stream sieht man diese Gefahr aber nicht. "Wir werden fertig", gibt sich Firmensprecher Lissek sicher.

Schon Ende des Monats will das Pipelinekonsortium die ersten Rohre versenken. In der Nordsee und nur zur Probe.

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insgesamt 8 Beiträge
guertelr 12.03.2010
... was unsere werten Umweltschützer machen, wenn ihre Heizung aufgrund von Gasmangel bei solchen Temperaturen wie wir sie in Moment haben einfach mal kalt bleibt oder sie einen Großteil ihres *hart* erarbeiteten Geldes für [...]
... was unsere werten Umweltschützer machen, wenn ihre Heizung aufgrund von Gasmangel bei solchen Temperaturen wie wir sie in Moment haben einfach mal kalt bleibt oder sie einen Großteil ihres *hart* erarbeiteten Geldes für Energiekosten aufwenden müssen, wenn solche Projekte wie diese Pipeline nicht durchgezogen wird... ... warscheinlich gegen die Bundesregierung klagen, weil man das ja hätte kommen sehen können und nichts gemacht hat...
idealist100 12.03.2010
Die lieben Fischlein leichen neben und unter den Rohren, da können Sie nicht gefangen werden und vermehren sich prächtig. Wenn dann das Netz kommt verstecken sich die Bösen auch noch darunter wie z.B. in den versunkenen [...]
Zitat von sysopDie Vorbereitung läuft mit der Wucht einer ungeheuren Maschine: Bald soll die Ostseepipeline im Greifswalder Bodden verlegt werden. Das aber könnte das Laichen der Heringe bedrohen. Wissenschaftler plädieren für einen Aufschub, Umweltschützer ziehen wegen der Belastung der Ökosysteme vor Gericht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,682039,00.html
Die lieben Fischlein leichen neben und unter den Rohren, da können Sie nicht gefangen werden und vermehren sich prächtig. Wenn dann das Netz kommt verstecken sich die Bösen auch noch darunter wie z.B. in den versunkenen Schiffwracks.
maipiu 12.03.2010
Deine Tage sind wohl gezählt. Mir ist es nicht egal obwohl ich mit Gas heize. Lieber würde ich ein wenig frieren als auf die unterschiedlichsten Heringsspezialitäten zu verzichten. Aber diese Frage stellt sich ja gar nicht. [...]
Deine Tage sind wohl gezählt. Mir ist es nicht egal obwohl ich mit Gas heize. Lieber würde ich ein wenig frieren als auf die unterschiedlichsten Heringsspezialitäten zu verzichten. Aber diese Frage stellt sich ja gar nicht. Würde man etwas Rücksicht nehmen auf die Viecher, dann könnte man beides haben. Aber MV (was nicht Mayer-Vorfelder heißt) ist ein Bundesland mit extrem wenig Arbeitsplätzen. Darum wird das Projekt durchgezogen, auch wenn diese Arbeitsplätze sich dann wieder selbst vernichten und überwiegend Wessi-Firmen dran verdienen. Wenn die Ossis in MV dann wieder arbeitslos sind, die Umwelt versaut ist und die Enkel fragen: "Opi, was ist denn ein Hering", dann kann der wahrscheinlich noch nicht mal sagen ob es an der Pipeline lag, dass es den nicht mehr gibt oder an dem Endlager für Atommüll. Schade um diese ungeheuer schöne Gegend!
tommm 14.03.2010
... 6, setzen! Wenn Sie den Artikel gelesen UND VERSTANDEN hätten müsste doch durchgedrungen sein dass nicht die Existenz einer Pipeline den Laicherfolg bedroht sondern die Verlegearbeiten.
Zitat von idealist100Die lieben Fischlein leichen neben und unter den Rohren, da können Sie nicht gefangen werden und vermehren sich prächtig. Wenn dann das Netz kommt verstecken sich die Bösen auch noch darunter wie z.B. in den versunkenen Schiffwracks.
... 6, setzen! Wenn Sie den Artikel gelesen UND VERSTANDEN hätten müsste doch durchgedrungen sein dass nicht die Existenz einer Pipeline den Laicherfolg bedroht sondern die Verlegearbeiten.
Celegorm 14.03.2010
Solche fiktiven Entweder-oder-Situationen sind letztlich argumentative Nötigung und damit so unlauter wie sinnlos. Die Gesamtenergieversorung Deutschlands hängt schliesslich nicht von dieser Pipeline ab und erst recht nicht von [...]
Zitat von guertelr... was unsere werten Umweltschützer machen, wenn ihre Heizung aufgrund von Gasmangel bei solchen Temperaturen wie wir sie in Moment haben einfach mal kalt bleibt oder sie einen Großteil ihres *hart* erarbeiteten Geldes für Energiekosten aufwenden müssen, wenn solche Projekte wie diese Pipeline nicht durchgezogen wird...
Solche fiktiven Entweder-oder-Situationen sind letztlich argumentative Nötigung und damit so unlauter wie sinnlos. Die Gesamtenergieversorung Deutschlands hängt schliesslich nicht von dieser Pipeline ab und erst recht nicht von deren spezifischen Verlaufs. Ausserdem sind steigende Energiekosten eine normale Entwicklung und letztlich auch ökonomisch wünschenswert, was aber logischerweise nicht bedeutet, dass dafür letztlich mehr ausgegeben wird, da in die Gleichung natürlich auch die Marktreaktion gehört. Im übrigen, auch der betroffene Heringbestand hat einen Nutz- wie auch Existenzwert, der an der Stelle nicht einfach negiert werden kann. Eine solche erneuerbare Ressource für temporäre Projekte zu opfern erscheint deshalb ziemlich ignorant.
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Megaprojekt in der Ostsee
Zwei Leitungen sollen Erdgas am Boden der Ostsee vom russischen Wyborg nach Lubmin bei Greifswald in Deutschland bringen. Der Abstand zwischen beiden Strängen soll bei etwa 100 Metern liegen, zum Teil sind es aber auch beinahe doppelt so viel. Die Leitung wird rund 1224 Kilometer lang und führt durch finnische, schwedische, dänische und deutsche Gewässer. Der Anteil im deutschen Bereich der Ostsee liegt bei 81 Kilometern.






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