Ozeane: Wetterumschwung senkt globalen Meeresspiegel

Von Axel Bojanowski

Forscher beobachten ein merkwürdiges Phänomen: Im vergangenen Jahrhundert sind die Ozeane angeschwollen - doch seit zwölf Monaten sinkt der globale Meeresspiegel. Satelliten haben das verschwundene Wasser in Australien und Südamerika aufgespürt.

Überraschung beim Meeresspiegel: Prompter Absturz, plötzliche Fluten Fotos
REUTERS

Hamburg - Der Meeresspiegel ist im weltweiten Durchschnitt in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als einen halben Zentimeter gefallen. Nie zuvor seit Beginn der Satellitenmessungen vor 18 Jahren ist der Wasserstand so deutlich gesunken. Das zeigen globale Daten der University of Colorado in den USA. Ursache seien die Klimaphänomene El Niño und La Niña, erläutert der Nasa-Forscher Josh Willis.

Der Meeresspiegel kennt seit Jahrzehnten meist nur eine Richtung: Einen bis drei Millimeter pro Jahr hoben sich die Pegel, unterbrochen lediglich von einigen Monaten des leichten Absinkens. Hauptursache ist die Erwärmung der Meere: Das Wasser dehnt sich aus. Auch Schmelzwasser tauender Gletscher hebt die Pegel. Die Frage, wie stark die Ozeane noch anschwellen werden, gilt als eine der wichtigsten der Klimaforschung - denn viele Milliarden Euro stehen auf dem Spiel: Die Prognose bestimmt, wie viele Steuergelder die Staaten in den Küstenschutz pumpen müssen.

Die neuen Daten befeuern die Debatte, wie sich der Anstieg der Meere entwickelt: Bis zum Jahr 1993 schwollen die Meeresspiegel pro Jahr um durchschnittlich 1,7 Millimeter an - die Daten beruhten bis dahin auf Küstenpegeln. Seit 1993 jedoch vermessen Satelliten die Ozeane. Sie stellten zunächst eine Erhöhung von gut drei Millimetern pro Jahr fest. In den letzten acht Jahren jedoch schwächte sich der Anstieg wieder ab.

"Ob wir seit 1993 eine Beschleunigung haben, ist nicht klar", sagt John Church vom australischen Klimaforschungsinstitut CSIRO. "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich der Meeresspiegel-Anstieg ausgerechnet in dem Jahr beschleunigt haben sollte, als Satelliten in Dienst gestellt wurden", ergänzt Simon Holgate, Meeresspiegel-Forscher am National Oceanography Centre in Liverpool. Seiner Studie zufolge wären die Anstiegsraten seit 1993 nichts Außergewöhnliches. Im 20. Jahrhundert habe sich der Meeresspiegel-Anstieg zuvor schon mal ähnlich beschleunigt; doch dann verlangsamte er sich wieder. Viele andere Forscher jedoch lesen aus den Daten einen beschleunigten Meeresspiegel-Anstieg, mit Ausreißern nach unten und oben.

Gigantische Mengen Wasser verdunsten

Doch insbesondere das Rätsel der "fehlenden Wärme" sorgt für Zweifel: Die Ozeane haben sich seit acht Jahren offenbar nicht mehr erwärmt. Experten können sich das Phänomen nicht erklären, schließlich müssten sich im Zuge der Klimaerwärmung vor allem die Meere aufheizen - und in der Folge anschwellen. Schwankungen nach unten seien jedoch zu erwarten, sie gehörten zum normalen Klimazyklus, erläutern Caroline Katsman und Geert Jan van Oldenborgh vom Royal Netherlands Meteorological Institute nun im Fachblatt "Geophysical Research Letters.

Auch die neueste Beobachtung vom Absinken des Meeresspiegels lasse sich mit natürlichen Wetterwechseln erklären, meinen Experten: El Niño, ein besonders einflussreiches Klimaphänomen, und La Niña änderten über Monate die Witterung. Der Ostpazifik heizte sich um bis zu zehn Grad auf, gigantische Mengen Wasser verdunsteten - über Südamerika und später, während La Niña, über Australien zog fielen die Wassermassen bei zahlreichen Unwettern wieder zu Boden.

Mit Hilfe der deutsch-amerikanischen "Grace"-Satelliten konnten die Wissenschaftler die Wassermassen auf den Kontinenten aufspüren. Die Satelliten messen kleinste Unterschiede der Erdbeschleunigung, also der Anziehungskraft der Erde. Nach den starken Regenfällen wurden die Satelliten über Australien und über dem Nordosten Südamerikas stärker abgelenkt als zuvor. In den Gebieten hätte sich das Wasser gesammelt, sagt Nasa-Forscherin Carmen Böning.

Letztlich jedoch bleibe das Regenwasser nicht auf den Kontinenten, betonen die Forscher - es fließe langsam zurück ins Meer. Und somit werde sich der Trend voraussichtlich bald wieder umkehren, sagt Willis: "Der Anstieg der Meere wird weitergehen." Zahlreiche Forschungsprojekte sollen derzeit ermitteln, wie schnell die Pegel steigen.

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insgesamt 1190 Beiträge
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1. wundert mich aber
cbe 25.08.2011
Tja das Wetter bereitet denen Schwierigkeiten aber das Klima wollen sie auf Hunderte Jahre vorhersagen. Ich halte das alles für heiße Luft. Angeblich müssten wir ja schon einen auf Atlantis gemacht haben. Die Südseeinsulaner sitzen auch noch auf dem trockenen. Naja so ein gutbezahlter Klimatolüge kann sich schonmal irren. ne.
2. Deichkind
ogniflow 25.08.2011
Vor 6 Monaten war Holland nicht mehr zu retten, vor 10 Jahren wurde vor der nächsten Eiszeit gewarnt. Klimaforscher sollten aufpassen, sonst werden sie wie Börsenanalysten auf "Ramschstatus" gerankt.
3. Neues aus dem Klimakaffeesatz
gunman 25.08.2011
Zitat von sysopForscher beobachten ein merkwürdiges Phänomen: Im vergangenen Jahrhundert*sind die Ozeane angeschwollen - doch seit zwölf Monaten sinkt der globale Meeresspiegel. Satelliten haben das verschwundene Wasser in Australien und Südamerika aufgespürt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,782324,00.html
Neues aus dem Klimakaffeesatz.
4. Grüne Katastrophen
Palmstroem 25.08.2011
Zitat von cbeTja das Wetter bereitet denen Schwierigkeiten aber das Klima wollen sie auf Hunderte Jahre vorhersagen. Ich halte das alles für heiße Luft. Angeblich müssten wir ja schon einen auf Atlantis gemacht haben. Die Südseeinsulaner sitzen auch noch auf dem trockenen. Naja so ein gutbezahlter Klimatolüge kann sich schonmal irren. ne.
Waldsterben, BSE, Klimakatastrophe, Atomkatatstrophe - alles im Grünen Bereich. Nur die Hungerkatastrophe ist real - interessiert aber nicht!
5. Klimaangst
caraya 25.08.2011
Danke cbe, Ich halte das alles fuer geplante Angstmacherei, um am gegebenen Zeitpunkt fuer die rechten Leute mal wieder ein paar Milliarden melken zu koennen. Ohne Angst zu verbreiten fuehlen sich viele maechtige unsicher, weil die menschen eventuell ueber tatsaechliche Probleme gruebeln wuerden. Alles heisse Luft! Nicht die Atmosphaere aber deren Geschnacke
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