WWF-Bericht Für Palmöl gibt es kaum umweltfreundliche Alternativen

Regenwald wird abgeholzt, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen. Umweltfreundliche Alternativen sind rar, berichtet der WWF. Verbraucher können trotzdem etwas tun.

Palmölplantage in Indonesien im Jahr 2013: Der Lebensraum schwindet
Bagus Indahono/EPA

Palmölplantage in Indonesien im Jahr 2013: Der Lebensraum schwindet


Palmöl steht seit Jahren bei Umweltschützern in der Kritik, weil für die Plantagen Regenwald geopfert wird und Monokulturen die biologische Vielfalt einschränken. Ein Ersatz durch andere Pflanzenöle ist allerdings schwierig. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Beratungsfirma Agripol im Auftrag der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) .

"Der simple Austausch von Palmöl durch andere Pflanzenöle löst die Probleme nicht, sondern kann sie sogar verschlimmern", sagte WWF-Studienleiterin Ilka Petersen in Berlin.

Für Kokos-, Soja- und Rapsöl benötige man noch weitaus größere Anbauflächen als für Ölpalmen, heißt es in dem Bericht. Zum Vergleich: Während die Ausbeute bei Ölpalmen bei durchschnittlich 3,3 Tonnen je Hektar liege, seien es bei Raps, Kokos und Sonnenblumen nur etwa rund 0,7 Tonnen. Die Öl-Ausbeute bei Sojapflanzungen liegt bei nur 0,4 Tonnen.

Besonders für Soja- und Kokosöl müsste in den Tropen noch viel mehr Regenwald gerodet werden, weil die Pflanzen in erster Linie dort angebaut werden. So würden wiederum große Mengen an Kohlendioxid (CO2) zusätzlich freigesetzt und der Treibhauseffekt verstärkt.

Palmöl in Biodiesel

"Es führt daher kein Weg daran vorbei, den Anbau von Ölpflanzen ausnahmslos umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten", stellte Petersen fest. Zugleich müssten die Konsumenten ihr Verhalten ändern: Weniger Fertiggerichte, Eiscreme, Schokolade, Süß- und Knabberwaren führe auch zu einem geringen Palmölverbrauch. Palmöl dürfe auch nicht mehr in Biokraftstoffen verwendet werden, forderte sie.

Palmöl wird aus den Früchten der tropischen Ölpalme gewonnen
Hotli Simanjuntak/EPA

Palmöl wird aus den Früchten der tropischen Ölpalme gewonnen

In Deutschland werden nach der WWF-Studie jährlich rund 1,8 Millionen Tonnen Palmöl verbraucht. Davon gingen 41 Prozent in Biodiesel und 40 Prozent in Nahrungs- und Futtermittel. Weitere 17 Prozent werden den Angaben zufolge von der Industrie für Reinigungsmittel, Kosmetika und Pharmaprodukte verwendet.

Auch andere Naturschutzorganisationen raten davon ab, verstärkt auf alternative Pflanzenöle, etwa aus Raps oder Sonnenblumen, umzusteigen. So schreibt Greenpeace auf seiner Webseite, eine Verlagerung auf Sojaöl, das zweitwichtigste Pflanzenöl weltweit, werde die ohnehin bestehenden Probleme in Anbauländern wie Brasilien und Argentinien verschärfen. Auch die Organisation fordert einen nachhaltigeren Anbau.

Der Biologe Holger Kreft von der Universität Göttingen, der nicht an der WWF-Studie beteiligt war, hält die Ergebnisse ebenfalls für richtig. Er plädiert dafür, Produktionsstandards festzuschreiben, wie sie etwa beim vom WWF gegründeten Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) diskutiert werden. Dazu gehöre, dass kein Regenwald mehr in Palmölplantagen umgewandelt werden dürfe.

Bedrohte Tierwelt

Der schwindende Regenwald hat unmittelbar Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Erst kürzlich hat die Weltnaturschutzunion IUCN Borneo-Orang-Utans (Pongo pygmaeus) auf ihrer Roten Liste als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Ein wichtiger Grund für die Entwicklung ist den Naturschützern zufolge, dass der Lebensraum der Menschenaffen immer weiter zerstört wird.

Wissenschaftler warnten in einer Studie nach Auswertung von Anbaulizenzen vor ähnlichen Gefahren für Gorillas, Schimpansen und Bonobos in Teilen Afrikas. Forscher aus Singapur und der Schweiz konnten nachweisen, dass durch solche Plantagen viele Vogelarten in Südostasien ausgestorben sind.

jme/dpa/AFP



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