Parasiten Läuse befielen schon die Dinosaurier

Läuse sind unter Vögeln und Säugetieren allgegenwärtig: Tausende Arten plagen ihre Wirte. Forscher haben jetzt die Ursprünge der Parasiten studiert - und herausgefunden, dass offenbar schon die Dinosaurier von den Krabbeltieren befallen wurden.

Kopflaus (Pediculus humanus): Ursprünge der Parasiten liegen in der Kreidezeit
DPA

Kopflaus (Pediculus humanus): Ursprünge der Parasiten liegen in der Kreidezeit


Das Massenaussterben am Ende Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren war eine der größten Katastrophen der Erdgeschichte: Rund die Hälfte aller Tierarten verschwand, darunter die Dinosaurier. Säugetiere und Vögel nahmen ihren Platz ein. Wissenschaftler beschäftigt dabei ein entscheidendes Detail: Bildete nur eine Handvoll von Spezies die Basis der neuen Vielfalt, oder standen nach der schwierigen Phase viele verschiedene Vogel- und Säugetierarten bereit? Eine neue Untersuchung deutet darauf hin, dass Letzteres stimmt.

Die Frage ist nicht leicht zu klären, denn es gibt nur wenige Vogel- und Säugetierfossilien aus der Zeit zwischen Kreidezeit und Paläogen. Vincent Smith vom Natural History Museum in London und seine Kollegen entschieden sich daher, stattdessen Läuse zu untersuchen. Wie sie in den "Biology Letters" der Royal Society berichten, stellten sie dabei auch fest, dass wohl schon die Dinosaurier von den Parasiten befallen wurden.

Läuse sind stark auf die Besonderheiten der Tiere spezialisiert, auf und von denen sie leben, erläutert Mitautor Kevin Johnson von der University of Illinois. "Wenn die Läuse da waren, wissen wir, dass ihre Wirte mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch da waren", sagt er. Durch die Rekonstruktion ihrer evolutionären Geschichte könne man die Schmarotzer daher benutzen, um die Geschichte ihrer Wirte nachzuzeichnen.

Smith und seine Kollegen untersuchten das Erbgut von 69 Lausarten und entwarfen auf dieser Basis einen Stammbaum. Demnach liegt der Ursprung der heutigen parasitären Läuse in der frühen oder mittleren Kreidezeit vor 130 bis 115 Millionen Jahren. Den Übergang zwischen Kreide und Paläogen müssen laut den Daten 15 bis 18 Abstammungslinien überlebt haben. Es gab also bereits zur Zeit der Dinosaurier eine große Laus-Vielfalt, was auf zahlreiche unterschiedliche Wirte schließen lässt. Wahrscheinlich ist auch, dass ein größerer Teil dieser Arten das Massenaussterben überstand, da es auch viele Laus-Abstammungslinien schafften.

Heute bekannt sind etwa 3000 Arten von Kieferläusen, die auf Vögel spezialisiert sind - mehr als 90 Prozent der bekannten Vogelfamilien haben mit solchen Parasiten zu kämpfen. Säugetiere haben es mit deutlich weniger Lausarten zu tun. Aus dieser Tatsache und aus ihren Ergebnissen folgern die Forscher, dass die ersten parasitären Läuse sich aufs Leben zwischen Federn spezialisiert hatten. Und da sich die ersten Tiere mit Federkleid unter den Dinosauriern befunden hätten, seien sie wohl auch die ersten Laus-Wirte gewesen. Erst später hätten die Läuse dann auch die behaarten Säugetiere als Wirte schätzen gelernt.

wbr/dapd



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Joachim Baum 06.04.2011
1. ...
Zitat von sysopLäuse sind unter Vögeln und Säugetieren allgegenwärtig: Tausende Arten*plagen ihre Wirte. Forscher haben jetzt die Ursprünge der Parasiten studiert - und herausgefunden, dass offenbar schon die Dinosaurier von den Krabbeltieren befallen wurden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,755240,00.html
Die Evolution zeigt doch, dass alle "Nischen" besetzt werden, die das Überleben sichern und somit das Leben als solches, bis heute gewahrt wurde.
crocodil 06.04.2011
2. läuse
Welche Forscher wollen das herausgefunden haben? Haben die nichts anders zu tun. Aber na ja, vielleicht finden sie es ja auch noch raus wer war zuerst da - das Huhn oder das Ei
niepmann 06.04.2011
3. Himmel!
Zitat von sysopLäuse sind unter Vögeln und Säugetieren allgegenwärtig: Tausende Arten*plagen ihre Wirte. Forscher haben jetzt die Ursprünge der Parasiten studiert - und herausgefunden, dass offenbar schon die Dinosaurier von den Krabbeltieren befallen wurden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,755240,00.html
Und die Biester leben heute noch?
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