Parasiten-Trick: Bakterium verändert Spermien von Insekten

Es ist ein recht gerissener Trick im Naturreich: Ein Bakterium sorgt dafür, dass sich sein Wirt erfolgreich vermehrt, indem er das Erbgut der Spermien verändert. Darin hatten Forscher überraschenderweise Teile des Bakterien-Genoms gefunden.

Erzwespe: Ein Parasit in den Insekten kann das Spermien-Erbgut manipulieren Zur Großansicht
Peter Koomen / Mathijs Zwier (University of Groningen)

Erzwespe: Ein Parasit in den Insekten kann das Spermien-Erbgut manipulieren

Mit einem raffinierten genetischen Trick sichert das Bakterium Wolbachia sein Überleben in Insekten: Der Parasit manipuliert die Fortpflanzung seiner Wirte in großem Stil. Auf die Schliche gekommen ist dem Bakterium eine internationale Forschergruppe, die das Erbgut von Erzwespen entziffert und darin ein Gen des Schmarotzers entdeckt hat.

Bei den Wespen verändert Wolbachia die Spermien derart, dass Eizellen, die nicht mit dem Parasiten infiziert sind, nach der Befruchtung absterben. Die Studie der Forscher um Erich Bornberg-Bauer von der Wilhelms-Universität Münster wurde im Fachmagazin "Science" veröffentlicht.

Die Wespen besitzen eine Eigenart: Ihr Genom ist haplo-diploid. Das heißt, die Männchen besitzen nur einen (haploiden), die Weibchen dagegen einen doppelten (diploiden) Chromosomensatz. Die Weibchen der Erzwespe entstehen aus befruchteten Eiern, die Männchen aus unbefruchteten.

Die Wissenschaftler hatten beobachtet, dass die von Wolbachia befallenen Wespen sich mit eng verwandten Arten nicht fortpflanzen können. "Tötet man die Bakterien mit einem Antibiotikum ab, klappt die Fortpflanzung dagegen problemlos", berichtet Bornberg-Bauer. "Daran sehen wir, dass Wolbachia auch die Entstehung von Arten beeinflusst." Neben der Manipulation des Befruchtungsvorgangs steht dem Parasiten noch ein ganzes Methodenarsenal zur Verfügung, wie die Forscher herausfanden: So tötet es beispielsweise bei einigen Insektenarten gezielt alle männlichen Nachkommen.

Der Nachweis eines DNA-Abschnitts des Bakteriums im Erzwespen-Erbgut zeigt, wie verschlungen die Pfade der Evolution beim Wechselspiel zwischen Wirten und Parasiten sein können. Wie die Wissenschaftler belegen, wurde das Erbgut-Stück zu einem noch früheren Zeitpunkt in der Evolution von den Pockenviren an die Wolbachia-Bakterien übergeben. Dieses Gen hilft den Pockenviren, das Immunsystem ihrer Wirte zu ihren Gunsten zu verändern.

cib/ddp

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Bakterien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite