Ungewöhnliche Lockstoffe Ein Hauch von Katzenpo

Meist wissen wir nicht, was im Lieblingsparfum steckt, Hauptsache wir duften gut für unsere Mitmenschen. Doch diese Düfte wirken auch auf wilde Tiere - zur großen Freude von Biologen.

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Unseren lästigen Körpergeruch überdecken wir Menschen gern mit allerlei Düften von Seifen, Parfums und Deos. Das wirkt nicht nur auf alle in Riechweite hygienischer, sondern schmeichelt - oft - unseren Nasen. Dass solche Produkte aber nicht nur bei unseren Mitmenschen Beachtung finden, zeigt sich bei zentralamerikanischen Jaguaren. Sie haben eine Vorliebe für den Duft eines amerikanischen Unterwäscheherstellers. Ein Glücksfall für einen Biologen, der sich mit der Art befasst. Denn der setzt das Parfum mittlerweile gezielt ein, um damit Großkatzen anzulocken.

Seit 2006 nutzt der amerikanische Wissenschaftler Miguel Ordeñana Videofallen, um besonders scheue Tiere zu untersuchen. Sie haben gleich mehrere Vorteile: Nicht nur sind dadurch Eingriffe in die Natur weniger schwerwiegend. Denn das für die Tiere mit viel Stress verbundene Fangen und Untersuchen entfällt. Die Video- oder Fotofallen, die ausgelöst durch Bewegung automatisch Aufnahmen anfertigen, ersparen den Forschern außerdem Arbeit und Zeit.

Niemand muss sich mehr im Dunkeln auf die Lauer legen, um nachtaktive Tiere, ihr Verhalten, Jagdreviere oder einfach nur Musterung und Größe genauer zu beobachten. Den nicht vollkommen ungefährlichen und aufwendigen Job im Dschungel, den sonst Dutzende Biologen verrichten müssten, erledigen akkubetriebene Kameras.

Doch die starr angebrachten Gerätschaften haben einen großen Schwachpunkt: Um gute Aufnahmen zu bekommen und Tiere genau filmen zu können, müssen sie sich möglichst lange und im richtigen Winkel vor der Kamera bewegen.

Für ein Forschungsprojekt über Jaguare in Nicaragua setzt Ordeñana daher ein Hilfsmittel ein, das eigentlich für den menschlichen Gebrauch entwickelt wurde: ein Herrenparfum. Das weckt das Interesse der Großkatzen und verschafft dem Forscher vom Natural History Museum in Los Angeles die gewünschten Bilder.

Jaguare reagieren auf Katzenduft im Parfum

"Der Einsatz von Düften eignet sich nur für Studien, die die Präsenz von Tieren nachweisen", erklärt Ordeñana. "Sie können bei einigen Tieren wie bei den Jaguaren eine territoriale Reaktion fördern, aber auch andere Spezies abschrecken und damit Daten verfälschen."

Die Beobachtung, dass Großkatzen auf menschliche Parfums reagieren, hat vor einigen Jahren der Forscher Patrick Thomas vom Bronx Zoo in New York gemacht. Er testete mit einer Vielzahl von Parfums, wie sich die Tiere verhalten, wenn ihnen entsprechend beduftete Steine oder Baumstämme begegneten.

Und sein Kollege Ordeñana hat eine Theorie, warum gerade ein spezieller Herrenduft dabei gut abschnitt und besonders langes Interesse bei den Tieren provozierte. Es liegt an seiner Zusammensetzung: "Das in ihm enthaltene Zibeton scheint das Territorialverhalten der Jaguare zu beeinflussen, weil es einem Pheromon der afrikanischen Zibetkatze gleicht", sagt er. "Zudem scheint der enthaltene Vanille-Duft die Neugier von Jaguaren zu erwecken - auch Pumas in anderen Studien interessierten sich für diesen Duft."

Das aus Analdrüsen der Zibetkatze stammende Zibet ist seit langem ein gebräuchlicher Inhaltsstoff für Parfums. Der Hauptbestandteil des moschusartigen Sekrets der Tiere, die auch die teuersten Kaffeebohnen der Welt ausscheiden, wird jedoch heutzutage synthetisch hergestellt.

In Deutschland wird die künstlich gewonnene Verbindung Zibeton von Parfumeuren eingesetzt. Allein schon aus Tierschutzgründen, weiß Frank Rittler, Senior Parfumeur der Firma Henkel. "Die Tiere werden für die Gewinnung in Käfigen gehalten und gereizt, bis sie das Sekret Zibet absondern." Besonders im arabischen und chinesischen Raum würden aber noch oft tierische Produkte eingesetzt.

Zibetkatzen-Duft als Basisnote

Dass gerade die Bestandteile Vanille und Zibeton in dem von Ordeñana eingesetzten Herrenduft besonders für die Feldforschung geeignet sind, kann Rittler nur bestätigen. "Düfte wie der von Vanille, Moschus oder Zibet gehören eher zur Basisnote eines Parfums", sagt er. "Sie bleiben besonders lange präsent und sogar noch Tage nach dem Aufsprühen wahrnehmbar."

Die Videofallen können daher also sehr lange für die Tiere attraktiv und interessant wirken und müssen nur selten wieder mit einer neuen Duftwolke aufgefrischt werden.

Angst, dass er selbst sich durch Deo-Gebrauch für die Raubtiere im Regenwald interessanter machen könnte, hat Biologe Miguel Ordeñana übrigens nicht: "Da ich sehr seltene und flüchtige Spezies studiere, die zudem vor Menschen Angst haben, würden die eher vor mir davonlaufen."

Nur zwei bis acht Jaguare würden auf einer Fläche von 100 Quadratkilometern leben. Zudem trage er kaum noch Parfums. "Das mach ich nur noch selten, seit ich meine Frau damit angelockt habe." Trotzdem hält er einen gesunden Respekt gegenüber Großkatzen für angemessen. "Ich würde nicht empfehlen, allein im Regenwald in einem mit Parfum überschütteten Zelt zu kampieren."

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
pittiplatsch711 19.10.2013
1. Zibetkatzen
Unterwelcher Quälerei diese Tiere leiden um eine Kaffesorte zu produzieren hat erst kürzlich PETA in einem Video veröffentlicht. Ich könnte schreien vor Wut und solcher Barberei unseren Mitgeschöpfen auf dieser Erde. Wie dieses Sekret produziert wird möchte ich mir nicht vorstellen und es ist eine Schande so etwas zu verkaufen!!!!
Teddi 19.10.2013
2. Ist ja logo,
aber die Idee ist mir auch noch nicht gekommen. Das würde auch teilweise erklären, warum zuweilen Forscher als "Teil der Umgebung" angenommen wurden und sich wilde Tiere ohne Scheu näherten: Der Forscher hatte wahrscheinlich inzwischen deren Gerüche zum Teil angenommen und stellte nun keine Gefahr mehr dar. Welch interessante Facette in der Betrachtung und des Kennenlernens anderer Wesen!
uk_uk 19.10.2013
3.
Es ist übrigens auch so, dass der Mensch selber Bestandteile von Parfüms "herstellen" kann. Einfach mal abwarten, bis man mal wieder richtig fiesen Durchfall hat - man also quasi als Durchlauferhitzer degradiert wurde - und dann mal auf die leicht süßliche Note achten, die einem da dann entgegen weht... ist der gleiche Stoff, mit dem (Frauen)-Parfüms versetzt wird (da dann natürlich künstlich hergestellt ^^)
Oberleerer 19.10.2013
4.
Zitat von pittiplatsch711Unterwelcher Quälerei diese Tiere leiden um eine Kaffesorte zu produzieren hat erst kürzlich PETA in einem Video veröffentlicht. Ich könnte schreien vor Wut und solcher Barberei unseren Mitgeschöpfen auf dieser Erde. Wie dieses Sekret produziert wird möchte ich mir nicht vorstellen und es ist eine Schande so etwas zu verkaufen!!!!
Hier gab es vor einigen Monaten einen Bericht, wie die ehemals armen Kaffeebauern durch diese Katzen zu etwas Wohlstand kommen und ihre Kinder zum Studium schicken können. Früher haben sie die Katzen gejagt, weil sie die Bohnen aus den Plantagen gefressen haben. Heute verfolgen sie die Spuren um den Kot einzusammeln um neben dem Kaffee-Massengeschäft das Luxussegment bedienen zu können. Da die Katzen in Freiheit leben wählen sie nur die besten Kirschen von der Sträuchern, wohingegen bei normaler Ernte alles vermischt wird.
juttakristina 19.10.2013
5. Herr Glotzner,
bitte informieren Sie sich doch richtig! Es ist eben KEIN Hauch von Katzenpo! Zibetkatzen gehören zu den Katzenartigen, es sind aber keine echten Katzen. Und der Palmenroller, der tatsächlich für den teuren Kaffee verantwortlich zeichnet, heißt auch Flecken-Musang. Er ist aber nicht identisch mit der Zibetkatze, auch wenn beide zu den Schleichkatzen gehören.
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