Umweltverschmutzung Smog-Wolke über Paris

Dicke Luft in Frankreichs Hauptstadt: Seit Tagen liegt Smog über Paris. Doch Einschränkungen im Autoverkehr funktionieren nicht, Behörden warnen vor einer Gesundheitskrise.

AFP

Für die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo ist die Sache klar. Die schlimmste Winter-Luftverschmutzung in der französischen Hauptstadt seit zehn Jahren wird vor allem von Autos ausgelöst. Ihre Stadt warnt bereits vor einer "größeren Gesundheitskrise".

Die energische und streitbare Kommunalpolitikerin startete eine Alarm-Kampagne in sozialen Netzwerken. #Stoppollution schildert die Situation im Freien so: "Es ist, als ob man in einem Raum von zwanzig Quadratmetern mit acht Rauchern zusammensitzen würde."

In der Hauptstadt und in umliegenden Vororten durften am Freitag nur Autos mit ungeraden Nummern auf den Kennzeichen fahren. Das von der Polizeipräfektur angeordnete Rotationssystem gilt seit Dienstag, Grund sind sehr hohe Feinstaubwerte.

Wegen einer stabilen Wetterlage kann verschmutzte Luft nicht abziehen, in Paris weht seit Tagen nur wenig Wind. Dicke Luft herrscht auch in anderen Regionen des Landes. In der Großstadt Lyon galt am Freitag erstmals ein partielles Fahrverbot.

Der Auto-Bann sorgt in der Hauptstadt für Ärger, denn er bringt nicht die erhofften Ergebnisse. Trotz des partiellen Fahrverbots habe es am vergangenen Dienstag nur 10 bis 15 Prozent weniger Verkehr gegeben, berichtete die Tageszeitung "Le Monde" mit Verweis auf eine staatliche Stelle zur Überwachung der Luftqualität.

Zahlreiche Autofahrer hielten sich nicht an die Vorschrift, zudem gibt es viele Ausnahmen. Strafen liegen in dem Fall bei 35 Euro. Und sind 11 Euro billiger, falls man sofort zahlt.

Vorteile sollen eingeschränkt werden

Auch in der Politik wird über das Fahrverbot gestritten. Die zur bürgerlichen Rechten gehörende Präsidentin der Hauptstadtregion Île-de-France, Valérie Pecresse, forderte, das teilweise Fahrverbot auszusetzen, solange die Bahn ihre Verkehrsprobleme nicht in den Griff bekomme - Mitte der Woche war beispielsweise der Pariser Nordbahnhof wegen einer defekten Oberleitung lahmgelegt.

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Luftverschmutzung: Paris im Smog

Gesundheitsministerin Marisol Touraine teilte mit, sie beobachte die Lage mit "höchster Aufmerksamkeit". Der Regierung wird in der zunehmend gereizten Umweltdebatte aber vorgeworfen, sich nicht zu bewegen.

Frankreich bevorzugte bei den Steuern über lange Jahre hinweg umweltschädliche Dieselfahrzeuge - dieser Vorteil wird aber nun eingeschränkt.

Die Millionenmetropole Paris kämpft nicht erst seit dieser Woche gegen schlechte Luft. Bürgermeisterin Hidalgo erinnert in der Krise an ihre frühere Ansage, dass Dieselfahrzeuge bis 2020 komplett verboten werden sollen.

Schon seit Längerem werden ältere Fahrzeuge aus der Stadt verbannt. Eine weitere Etappe ist die Einführung von Vignetten von Mitte Januar 2017 an, die nach Verschmutzungsniveau der Autos gestaffelt sind. Mit diesem verbindlichen System werde es einfacher, eine neue Krise zu meistern, heißt es im Rathaus.

boj/dpa



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