Gipfel in Paris Staaten entdecken Geldquellen gegen Klimawandel

Wie lässt sich der Kampf gegen den Klimawandel finanzieren? Beim Gipfel in Paris fanden die Teilnehmer Lösungen. Hier sind die zwölf wichtigsten Beschlüsse.

Isabelle Melançon, Umweltministerin der kanadischen Provinz Quebec, am Dienstag auf dem Pariser Gipfel
AP

Isabelle Melançon, Umweltministerin der kanadischen Provinz Quebec, am Dienstag auf dem Pariser Gipfel

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"Wir sind dabei, die Schlacht gegen den Klimawandel zu verlieren", rief Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Gästen seines Klimagipfels am Dienstag in Paris zu - es waren ungewöhnliche Gäste: Neben Staatschefs und Ministern saßen Unternehmer und Investoren aus 130 Staaten.

Ohne "viel stärkere Mobilisierung" werde das vor zwei Jahren vereinbarte Ziel verfehlt, die Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, sagte Macron. Die ungewöhnliche Allianz auf dem "One Planet Summit" in Paris stellt neue Pläne für den Kampf gegen den Klimawandel vor. Das sind die zwölf wichtigsten Beschlüsse:

Weltbank:

Die Weltbank kündigte auf dem Gipfel an, ab 2019 keine Projekte zur Förderung von Öl und Erdgas mehr zu fördern. Für Länder, die von den Energieformen abhängig sind, soll es Ausnahmen geben.

Entwicklungsbank:

Die internationale Entwicklungsbank will vom kommenden Jahr an die Treibhausgasemissionen der Projekte veröffentlichen, die sie im Energiebereich finanziert.

Private Banken:

Auch private Banken wie die niederländische ING planen, ab 2025 nur noch Energieunternehmen mit geringem Anteil an Kohle zu finanzieren.

Versicherungen:

Der französische Axa-Konzern will den Bau neuer Kohlekraftwerke nicht mehr versichern. Auch das Geschäft mit ölhaltigen Sanden soll künftig keinen Versicherungsschutz von Axa mehr bekommen. Zudem will der Versicherer bis zum Jahr 2020 zwölf Milliarden Euro in "grüne Investitionsprojekte" anlegen.

Fonds:

Der Norwegische Pensionsfond Storebrand erhöht sein Portfolio für "treibhausgasfreie Investitionen" auf drei Milliarden Dollar.

Investoren:

Mehr als hundert Investoren sagten zu, ihren Druck auf die weltweit größten Verursacher von Treibhausgas zu erhöhen; gemeint waren Firmen wie Coal India, Gazprom, Exxon oder China Petroleum & Chemical Corp.

Unternehmen:

Mehr als 200 Firmen mit einem Gesamtwert von mehr als sechs Billionen Dollar versprachen, ihre CO2-Emissionen transparent zu machen.

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EU:

Die EU-Kommission prüft, wie sie Investitionen von Banken in erneuerbare Energie fördern kann. Im ersten Schritt könnten Kapitalauflagen für Investitionen wie in elektrische Autos vermindert werden.

Deutschland:

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat sich gemeinsam mit Kollegen aus vier EU-Ländern dafür ausgesprochen, den CO2-Ausstoß mithilfe eines "wirksamen Preises" zu senken. Die Umwelt- und Klimaminister aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden wollten das Instrument einführen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung auf dem Pariser Klimagipfel.

Der CO2-Preis sei ein effektives Mittel, um den Ausstieg der Weltwirtschaft aus fossilen Brennstoffen voranzutreiben, weil er etwa die Stromgewinnung aus Kohle teurer machen würde. Derzeit gibt es in der EU zwar einen Emissionshandel. Der CO2-Preis ist aber so gering, dass er kaum Auswirkungen zeitigt.

Mexiko:

Zusammen mit Kanada, Chile, Peru und anderen Staaten hat Mexiko angekündigt, ebenfalls ein Emissionshandelssystem für Staaten in Nord- und Südamerika zu schaffen.

Antikohlestaaten:

Das bei der Weltklimakonferenz in Bonn im November gegründete internationale Bündnis für den Kohleausstiegwächst: Fast 30 Länder und Regionen hätten sich der Allianz seit dem Bonner Klimagipfel im November angeschlossen, teilte die britische Regierung mit. Kohleenergie liefert indes in den Teilnehmerstaaten ohnehin keinen Großteil der Stromversorgung.

USA:

Der Pariser Gipfel will ein Zeichen setzen gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump, der aus dem Pariser Klimavertrag aussteigen will. Als Signal an Trump empfing Macron im Élysée-Palast eine Gruppe von Vertretern aus US-Wirtschaft und -Politik, die sich anders als der Präsident für den Klimaschutz einsetzen - darunter Microsoft-Gründer Bill Gates, der eine einflussreiche Stiftung unterhält, und den früheren New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der Uno-Sonderbeauftragter für Städte und Klima ist.

Die Pro-Klima-Koalition aus Kommunalvertretern, Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Gruppen in den USA sei deutlich gewachsen, sagte Bloomberg: Sie werde mittlerweile von 1700 Unternehmen unterstützt. Der frühere Außenminister der USA, John Kerry, sagte in Paris, die USA könnten ihre bisherigen Klimaziele trotz Trumps Politik erreichen.

Mit Material von dpa/Reuters/AFP

insgesamt 55 Beiträge
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hoeffertobias 12.12.2017
1. Ja der Preis,...
..... für CO2 wäre eine sehr gute Steuerungsmöglichkeit, damit sich die besten Alternativen durchsetzen, und zwar losgelöst von politischen Fehlentscheidungen und ideologischen Strategien. Der müsste dann allerdings weltweit gelten, ansonsten hätten wir den selben Effekt, den grünideologisches Wunschdenken in der Vergangenheit ausgelöst hat und der bereits zu einer deutlichen Steigerung der CO2-Immissionen geführt hat.
Mwalimu 12.12.2017
2. Na dann sind wir ja dem Sieg ganz nahe...
...im Kampf gegen den Klimawandel. Immerhin sind laut Statistiker Björn Lomborg schon 1% der Zusagen eingegangen, die nötig sind um das 2° Ziel zu erreichen. Natürlich muss man davon ausgehen, dass nicht alle Zusagen eingehalten werden. Z.B. wird Deutschland seine restlichen CO2 freien AKW abschalten. Viel wichtiger ist es, das man nicht aufhört darüber zu reden. Wenn wir nur fest daran glauben, dann werden wir mit Hilfe der Erneuerbaren den CO2 Ausstoß in den Griff bekommen. Wind und Sonne tragen schon 1% zum globalen Primärenergieverbrauch bei.
RalfBukowski 12.12.2017
3. "Der CO2-Preis sei ein effektives Mittel"
...glaube ich nicht, solange mit dem Ergebnis der Energiegewinnung mit hoher CO2-Produktion noch Gewinne eingefahren werden bzw. das Produkt abgenommen wird. Mal davon abgesehen: Frankreich ist mit seiner atomlastigen Energiegewinnung nun mal ganz weit außen vor. Sollen die Franzosen erstmal zeigen, wie sie die abgebrannten Brennstäbe sinnvoll recyceln (und nicht anderswo zweifelhaft entsorgen). DANN und erst dann dürfen die überhaupt mitreden. Atomkraft ist NICHT sauber, obwohl das so mancher Grüner mittlerweile zu glauben scheint. Fast so wie bei den Autos, wo der deutlich mehr verbrauchende Benziner offenbar als sauberer gilt als der effizientere Diesel - was einfach Quatsch ist.
nach-mir-die-springflut 12.12.2017
4. Noch nie waren sie so doof wie heute
So entschlossen, wie die Staaten und Banken planen, nun gegen die CO2-Mehrung vorzugehen, kann man schon von Krieg reden, der dem CO2 erklärt wurde. Also gewinnt entweder das CO2 oder diese Koalition der Willigen. Wer auch immer gewinnt, für den gemeinen Erdenbewohner sind Sieg wie Niederlage wegweisend, denn er weiß endlich, woran er ist. Norwegen und Russland versorgen Europa mit Erdgas, Israel soll so demnächst tun. Wen interessiert, ob die Weltbank hier etwas fördert oder nicht, wenn das Erdgas selbst das Geld ist, das Kapital, das zu Geld gemacht wird? Fehlen jetzt nur noch politische Beschlüsse wie alle Kohlekraftwerke abschalten, Erdgas- und Erdölimport verbieten plus dem Diktat zum Batterie-Auto. Wenn Deutschland heute 200 Terawattstunden grüne Energie jährlich erzeugt, so sind das 5 % vom Gesamtenergiebedarf für den Zeitraum. Man kommt folglich mit einem politischen Aktionismus oder einem ideologisch getriebenen Wunschdenken nicht einen Schritt weiter, man kann auch am Strand stehen und versuchen, die Wellen wegzupusten, der Effekt ist der gleiche. Diese 5 % grüne Energie haben 15 Jahre gebraucht und 120 Mrd. Euro gekostet. Folglich brauchen 100 % 300 Jahre und würden 2,4 Billionen kosten. Rein theoretisch, denn alle 40 Jahre, setzen wir den Schnitt einmal zur Veranschaulichung an, müssen die Anlagen wieder ausgetauscht werden, so dass die nächste Kostenwelle schon begonnen hat, ohne dass merklich eine Mehrung der Anlagen passiert wäre. Spätestens wenn die Häuser unbeheizt sind und die Supermarktregale leer, knickt dann die politische Elite, die ach so schlau nach Lösungen sucht, ein. Daher der Rat an den gemeinen Erdenbewohner: Kümmert euch nicht um die Labereien, macht weiter wie immer.
pragmat 13.12.2017
5. Ja , und mehr
Zitat von Mwalimu...im Kampf gegen den Klimawandel. Immerhin sind laut Statistiker Björn Lomborg schon 1% der Zusagen eingegangen, die nötig sind um das 2° Ziel zu erreichen. Natürlich muss man davon ausgehen, dass nicht alle Zusagen eingehalten werden. Z.B. wird Deutschland seine restlichen CO2 freien AKW abschalten. Viel wichtiger ist es, das man nicht aufhört darüber zu reden. Wenn wir nur fest daran glauben, dann werden wir mit Hilfe der Erneuerbaren den CO2 Ausstoß in den Griff bekommen. Wind und Sonne tragen schon 1% zum globalen Primärenergieverbrauch bei.
Wenn wir jetzt richtig sparsam sind, wird die Kohle noch ein paar Jahrtausende reichen, wenn wir Erdöl und Erdgas nach einigen Jahrzehnten mit sparsamem Haushalten verbraucht haben. Wie gut, dass unsere Politik schon zeitig daran gedacht hat. Es wäre halt zu schön, wenn die Menschheit ihre Energieversorgung für Industrie und Versorgung zu 100% aus Sonne, Wind und Wasser gewinnen würde. Man kann es ja mal ein paar Jahrhunderte versuchen. Bis dahin haben wir auch die energiefreie Transformation erfunden und können uns auf einen anderen Planeten beamen lassen. Wie sagte doch der alte Indianer? Wenn ihr den letzten Baum gefällt habt, werdet ihr entdecken, dass man Geld nicht essen kann.
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