Sicherheitsmaßnahmen in Paris Zum Klimagipfel droht das Verkehrschaos

Polit-Promis aus aller Welt und mehr als 40.000 Teilnehmer erwartet Paris zum Auftakt des Weltklimagipfels. Zwei Wochen nach den Attentaten wurden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft - Behörden raten Bewohnern, zu Hause zu bleiben.

Polizisten vor dem Le Bourget: 40.000 Teilnehmer müssen sicher sein
AFP

Polizisten vor dem Le Bourget: 40.000 Teilnehmer müssen sicher sein


Paris wird ein Klimagipfel der Superlative - nicht nur was die Ambitionen angeht: 195 Länder, 147 Staats- und Regierungschefs, 130 NGOs und Umweltinitiativen, dazu Vorzeigeunternehmen der Öko-Branche, eine Legion von diplomatischen Unterhändlern, Delegierten und angereisten Journalisten - vom kommenden Montag an verwandelt sich das Ausstellungsgelände von Le Bourget in ein Heerlager mit über 40.000 Teilnehmern.

Die Anwesenheit so vieler Politpromis knapp zehn Kilometer vor den Toren der Metropole ist auch für das Konferenz-erprobte Paris eine Herausforderung. Zwei Wochen nach den Anschlägen von Paris sind die meisten Kundgebungen gestrichen. Weiterhin stattfinden werden symbolische Aktionen ohne große Ansammlung von Demonstranten - der Eiffelturm etwa wird im Rahmen des Kunstprojektes "One Heart, One Tree" in einen "virtuellen Wald" verwandelt.

Paris ist seit den Attentaten im Ausnahmezustand: In den Bahnhöfen, um den Eiffelturm oder an der Place de la Concorde patrouilliern Militärs, die Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei stehen rund um die Nationalversammlung, in der Nähe von Ministerien und am Élysée. Zum Auftakt des Klimagipfels werden diese Sicherheitsvorkehrungen noch einmal drakonisch verschärft: Vor Ort sind die "Blauen Garden" der Uno im Einsatz, draußen patrouillieren 2800 Mann Polizei und Gendarmen.

Im Zentrum des acht Hektar großen Geländes wurde ein Verkehrs- und Lagezentrum aufgebaut, an dem Beamte vor Batterien von Überwachungskameras die Zugänge zum Konferenzort überwachen. Für den reibungslosen Verkehr zwischen den Botschaften und Hotels im Zentrum der Hauptstadt und Le Bourget sind zusätzlich 6300 Sicherheitskräfte mobilisiert.

Mit der Anreise der ersten Klimagäste am Sonntag wird die Autobahn A1 zwischen dem Flughafen Roissy-Charles de Gaulle gesperrt, auch auf der A6 zwischen Orly und der Innenstadt ist der Autoverkehr bis einschließlich Montag untersagt. Zudem sind weite Teile der Pariser Ringautobahn abgeriegelt, sowie die Nordsüdachsen innerhalb der Metropole sowie die Schnellstraße entlang der Seine.

Es droht ein Chaos, wie sonst nur während den Totalstreiks der Verkehrsbetriebe. "Wir raten den Pariser Bürgern und den Anwohnern der Region Ile-de-France auf Autofahrten zu verzichten", empfehlen Innenministerium wie Stadtverwaltung. Zwar sind Metro, S-Bahn und Lokalzüge zwei Tage lang kostenlos, selbst die Leihfahrräder "Vélib'" stehen gratis zur Verfügung.

Dennoch könnte zum Auftakt der Arbeitswoche die Region in einem gigantischen Verkehrskollaps versinken, befürchten Lokalpolitiker. "Das wird ein schwarzer Tag", orakelt Vincent Capo-Canellas, Bürgermeister von Le Bourget und damit direkt betroffen von dem Mega-Ereignis.

Die Polizeipräfektur von Paris rät daher "möglichst ganz auf die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu verzichten." Und der Chef der Behörde, Michel Cadot, empfiehlt den Anwohnern der Region Ile-de-France zu Hause zu bleiben. "Am besten Sie unterlassen jede Form der Fortbewegung und arbeiten von daheim aus", so der Präfekt, "oder machen Sie einen Tag Urlaub."

Zum Autor
Stefan Simons berichtet aus Paris für SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Stefan_Simons@spiegel.de

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frenchie3 28.11.2015
1. Paris hat hunderttausende von Pendlern
Hauptstraßen zu, öffentliche Verkehrsmittel werden nicht empfohlen. Wieso also "könnte" es voll werden? Es wird! Klar, kann sich ja jeder Urlaub nehmen, doller Vorschlag.
nomadas 28.11.2015
2. KlimaPilgern
Von Flensburg via Ludwigshafen via Metz nach Paris. Das Motto:"Geht doch" - am 08.11. dabei, ab Ludwigshafen bis Bad Dürkheim, Teilstück für diesen Tag. Frau Ministerin Lemke war auch mit. Und nun? Geht doch...nicht! Für die Katz? Nein, für den Planeten!
sfk15021958 28.11.2015
3. Leider wird da wieder nichts bei rumkommen!
Das Wasser muss erst in Hamburg, New York oder Shanghai 1 m hoch in der Innenstadt stehen, vielleicht passiert dann mal etwas. Jetzt werden leider nur zusätzliche Emissionen erzeugt!
citizen01 28.11.2015
4. Suggestives Bild: CO2-Schwaden? nein - Wasserdampf!!
Dem Schwindelbild (möglichst in schwarz-weiß) kann sich kaum ein Magazin oder TV-Sender verschließen: Wasserdampf über Kühltürmen suggeriert nachdrücklich Luftverschmutzung. Das Thema ist zu ernst für solche Spielchen!
mictann 28.11.2015
5. Was soll das?
Jeder Cent und jede Minute sind verschwendet. Die, die dort anreisen, haben nichts zu sagen. Die wirklichen Dreckmacher sitzen zuhause und gucken sich Aktienkurse an oder erdenken die nächste Abgaslüge.
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