Partnerwahl Vögel folgen jährlichen Modetrends

Nicht nur unter Menschen, auch im Tierreich gibt es wechselnde Vorlieben. Weibliche Prärieammern bevorzugen bestimmte Schnabelformen oder Federfarben bei Männchen - allerdings von Jahr zu Jahr unterschiedliche. Dies führt zu einer erstaunlichen Vielfalt im Aussehen der Tiere.


Für die Entwicklung von übertriebenen sekundären Geschlechtsmerkmalen haben Evolutionsbiologen zwei Erklärungen: Entweder steckt Rivalität zwischen zwei Männchen dahinter oder die weibliche Partnerwahl. Die Vorlieben der Weibchen können dabei zu so absurden Dingen wie dem Pfauenrad führen, das dem Männchen zwar eine Partnerin, im täglichen Leben aber vor allem Schwierigkeiten bringt.

Prärieammer: Wechselnde Vorlieben der Weibchen
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Prärieammer: Wechselnde Vorlieben der Weibchen

Bei den in Nordamerika beheimateten Ammern der Art Calamospiza melanocorys liegen die Dinge anders: Die Weibchen bevorzugen zwar ein bestimmtes Aussehen der Männchen - aber jedes Jahr ein anderes, wie US-Forscher von der University of California in Santa Cruz festgestellt haben. Die Prärieammer-Weibchen suchten jeweils diejenigen Männchen aus, die besonders gut an die herrschenden Lebensbedingungen angepasst zu sein scheinen, berichten die Forscher im Magazin "Science" (Bd. 319, S. 459).

So wählten die Tiere in einem Jahr mit vielen Erdhörnchen im Brutgebiet bevorzugt Männchen, deren Äußeres Kraft und somit eine gute Verteidigung gegen die Nesträuber verspricht. In Jahren mit wenig Heuschrecken ist hingegen ein guter Nahrungssammler beliebter. Auch die Intensität der Federfärbung bewog Weibchen in einer Brutsaison zur Wahl des Partners.

Prärieammer-Männchen sind schwarz-braun mit hellen weißen Mustern auf den Flügeln. Die Weibchen suchen sich jedes Jahr einen neuen Gefährten, die Jungen werden gemeinsam aufgezogen. Ammern sind Vögel mit meist kurzem dickem Schnabel, die überwiegend in offenem Gelände leben. Sie sind mit den Finken verwandt, die meisten Arten sind Zugvögel.

Nicht für alle weiblichen Vorlieben konnten die Forscher positive Eigenschaften bei den Männchen entdecken. Wo Körper- und Schnabelgröße noch relativ eindeutig für Kraft, Verteidigungsfähigkeit und vielleicht gute Nahrungssammler sprechen, ist die Bedeutung der Federnfärbung eher unklar. Gemeinsam war allen Merkmalen nur, dass sie in bestimmten Jahren bei den Weibchen besonders populär waren.

Auf die wechselnden Vorlieben der Ammern wurden die US-Wissenschaftler aufmerksam, als ihnen das sehr unterschiedliche äußerliche Erscheinungsbild der Männchen auffiel. Eine derartige Diversität ist bei Arten, wo sich die Frau den Partner aussucht, eher ungewöhnlich, da die Kriterien für die Gefährtenwahl als relativ fix gelten. Das wählerische Verhalten der Weibchen steigere die Vielfalt im Aussehen der männlichen Ammern und dämpfe damit die Geschwindigkeit der sexuellen Auslese, schreiben die Forscher. Dies führe dazu, dass die genetische Vielfalt innerhalb der Art stärker erhalten bleibe als bei anderen Arten.

hda/ddp/dpa



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