Gewaltbereite Affen Paviane töten fremden Nachwuchs - um selbst Kinder zu zeugen

Um ihre Chancen auf Fortpflanzung zu erhöhen, gehen männliche Paviane über Leichen. Sie attackieren trächtige Weibchen und töten fremde Baby-Paviane.

Ein Pavian-Männchen hat ein nicht von ihm gezeugtes Jungtier im Maul
Raphael Mututua/Duke University/dpa

Ein Pavian-Männchen hat ein nicht von ihm gezeugtes Jungtier im Maul


Kommen mächtige Pavian-Männchen in eine neue Gruppe, möchten sie schnell eigenen Nachwuchs zeugen. Dafür bringen sie unter bestimmten Bedingungen den Nachwuchs von fremden Weibchen um und greifen auch trächtige Weibchen an. Dies haben Forscher bei Pavian-Gruppen in Kenia beobachtet.

Wenn dominante Männchen neu zu einer Gruppe kamen, stieg in einigen Fällen kurz darauf die Zahl der getöteten Jungtiere und Föten, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B".

Fetozid von anderen Tieren bekannt

Von einigen Tierarten, wie Primaten, Löwen oder Walen ist bekannt, dass Männchen nichtverwandte Säuglinge töten. Denn solange die Mutter das Kind nährt, ist ihre Fruchtbarkeit eingeschränkt. Besonders Tiere, die neu in eine Gruppe zuwandern, erhöhen so ihre Fortpflanzungschancen.

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Wenig erforscht war bislang, in welchem Ausmaß und unter welchen Bedingungen Primaten auch werdende Mütter angreifen und durch Attacken auf den Bauch ungeborene Kinder töten.

Das Team von der Duke University in Durham analysierte Daten der vergangenen 45 Jahre über die kenianischen Paviangruppen. Dokumentiert waren auch die Zyklen der Weibchen, die bei Pavianen an äußerlichen Merkmalen erkennbar sind.

Die Forscher beobachteten das brutale Verhalten der Männchen bei der Studie nicht direkt, sondern zogen ihre Zahlen etwa aus der Rate abgebrochener Schwangerschaften. Auf Schwangerschaften konnten sie aufgrund der äußerlich sichtbaren Zykluszeichen schließen.

Angriffe sind Einzelfälle - dann aber besonders brutal

Zu Problemen kam es nur, wenn neue Tiere hinzukamen, die sich in kurzer Zeit einen hohen Status sicherten und auch einige Zeit in der Gruppe blieben. Der Status bestimmt sich bei Pavianen nach der Kampfkraft.

75 Alphamännchen kamen im Beobachtungszeitraum einzeln neu in Paviangruppen - meist ohne die Mitglieder zu gefährden. In sieben Fällen allerdings stieg die Zahl der Getöteten stark an, da die Ankömmlinge jeweils gleich mehrere Tiere angriffen. Laut der Forscher töteten diese sieben Paviane zusammen mindestens sechs Jungtiere und 13 Föten.

Weibchen paaren sich mit Angreifern

15 Weibchen überlebten den Angriff auf ihren geborenen oder ungeborenen Nachwuchs und 11 von diesen paarten sich in der Folgezeit mit dem Angreifer. Keins dieser Weibchen wäre zu dem Zeitpunkt fruchtbar gewesen, wäre der Nachwuchs nicht getötet worden.

Die Forscher gehen davon aus, dass es sich nicht um eine allgemein übersteigerte Aggressivität oder um ein Machtgebaren handelte, da keine Jungtiere starben, die älter als ein Jahr waren.

Die Forscher gehen davon aus, dass der Fetozid, genau wie die Kindstötung, unter bestimmten Bedingungen ein Selektionsmittel ist. Der Selektionsdruck und damit die Angriffe gegen den Nachwuchs nahmen nach Forscherangaben zu, wenn die Gruppe relativ isoliert lebte und es besonders viel Nachwuchs und wenig Nahrung gab.

sep/dpa

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