Neuseeland: Gesteinsteppich stammt aus erwachtem Vulkan

Der Teppich aus Vulkansteinen im Südpazifik ist so groß wie Belgien. Jetzt konnten Forscher die Herkunft der schwimmenden Klumpen klären: Ein bislang schlafender Unterwasservulkan hat sie ausgespuckt - bereits vor längerer Zeit.

Ausbruch unter Wasser: Schwimmende Steine vor Neuseeland Fotos
Jeff Schmaltz / LANCE MODIS RRT / NASA GSFC

Wellington - Forscher haben das Rätsel um den mehr als tausend Quadratkilometer bedeckenden Teppich aus treibenden Bimssteinen im Südpazifik gelöst: Bereits Mitte Juli war ein schlafender Unterwasservulkan zwischen Neuseeland und Tonga mit einer Serie von kleineren Erdbeben erwacht, berichtete das neuseeländische Institut für Geo- und Kernforschung (GNS Science) am Montag.

Es handelte sich um den Havre-Vulkan, der rund tausend Kilometer nordöstlich von Neuseeland etwa 1100 Meter unter der Meeresoberfläche liegt. Die Neuseeländer kamen dem Phänomen mit Hilfe französischer Forscher auf Tahiti auf die Spur. "Als sie ihre Aufzeichnungen prüften, stellten sie fest, dass sie am 17. und 18. Juli rund 157 Erdbeben mit Stärken zwischen 3,0 und 4,8 registriert hatten", berichtet Cornel de Ronde vom Geo-Institut in einem Interview mit Radio Neuseeland.

Der Havre-Vulkan liegt in der Nähe der unbewohnten vulkanischen Kermadec-Inseln. Bislang war von diesem Vulkan laut de Ronde kein Ausbruch bekannt. Die steinernen Spuren seines Ausbruchs im Juli trieben zunächst lange unbemerkt im Ozean.

Ausbruch auch auf dem Festland

Ein Marineschiff hatte vergangene Woche die riesigen Mengen Bimsstein im Meer entdeckt. Der Teppich aus golfballgroßen Trümmern dehnt sich über eine Fläche von etwa 26.000 Quadratkilometern und ist damit fast so groß wie Belgien. Bimsstein ist porenhaltiges Lavagestein. Es entsteht bei Vulkanausbrüchen, wenn Gase in der Lava Bläschen bilden. Die Hohlräume machen die Trümmer so leicht, dass sie aufschwimmen.

"Es ist das Bizarrste, was ich in 18 Jahren Seefahrt gesehen habe", hatte der Leutnant Tim Oscar gestaunt, der den Teppich von Bord der "HMNZS Canterbury" aus entdeckt hatte. "Das Gestein leuchtete unter unseren Spotstrahlern weiß und sah aus wie Schelfeis."

Zuvor war bereits auf dem neuseeländischen Festland der Vulkan Tongariro nach mehr als hundertjährigem Schlaf ausgebrochen. Daraufhin beschwerten sich Bürger, sie seien nicht gewarnt worden vor der Asche, die Regionen im Osten des Landes begraben hatte. Tatsächlich hatten die Vulkanologen noch wenige Stunden vor der Eruption die schwer zu deutenden Signale des Vulkans falsch interpretiert.

boj/dpa

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