Siedlungsgebiet Peking hat sich in zehn Jahren vervierfacht

Dagegen wirkt Berlin wie Provinz: Chinas Hauptstadt Peking hat sich von 2000 bis 2009 um das Vierfache ausgedehnt. Neue Siedlungen verändern das Klima der Metropole.

Vergleich der dicht besiedelten Fläche Pekings (schwarz) in den Jahren 2000 und 2009
NASA/ JPL-Caltech

Vergleich der dicht besiedelten Fläche Pekings (schwarz) in den Jahren 2000 und 2009


Offiziell ist die chinesische Hauptstadt Peking größer als Thüringen und fast so groß wie Sachsen. Doch ihre 20 Millionen Bewohner konzentrieren sich inmitten einer Tiefebene im Nordosten Chinas.

Die Messungen über die Ausdehnung des tatsächlichen Siedlungsgebiets unterscheiden sich deutlich: Manchen zufolge scheint es kaum größer als Berlin, anderen zufolge ist es mehr als dreimal so groß wie die deutsche Hauptstadt.

Die bislang genauesten Messungen aber lassen Berlin nun fast wie ein Provinznest aussehen: Peking hat sich demnach zwischen Jahrtausendwende und 2009 um mehr als das Vierfache ausgedehnt. Im Eiltempo werden Straßen gebaut und vor allem Hochhäuser errichtet.

Peking war bereits 2009 mit 4139 Quadratkilometern etwa fünfmal so groß wie die deutsche Hauptstadt, berichten Forscher um Mark Jacobson von der Stanford University in Kalifornien im Fachblatt "Journal of Geophysical Research". Seither dürfte Peking weiter gewachsen sein, doch neuere Daten liegen nicht vor.

Vier Grad wärmer

Bisherige Messungen beruhten auf Fotos von Satelliten. Die neuen Daten indes fußen auf Radarmessungen des Nasa-Satelliten "QuickScat", sie erfassen auch verstreute Siedlungen: Gebäude und Straßen werfen mehr Strahlung zum Satelliten zurück als Erdboden und Pflanzen - sie verraten sich also in den "QuickScat"-Daten.

Die größere Siedlung wirke sich aufs Stadtklima aus, schreiben die Wissenschaftler: Peking werde immer wärmer, vor allem im Winter. Die kalte Jahreszeit falle drei bis vier Grad wärmer aus als in den Neunzigerjahren. Straßen und Dächer heizen sich stärker auf als Vegetation. Zudem verdunstet weniger Wasser, weil Erdboden betoniert wird - Verdunstung kühlt die Luft.

Gebäude blockieren zudem Luftströmungen. Die seit 2000 gewachsenen Siedlungen hätten den Wind um ein bis drei Meter pro Sekunde abgeschwächt, berichten Jacobson und seine Kollegen, das entspricht zwei Windstärken. Der berüchtigte Smog hält sich mithin noch hartnäckiger in der Metropole. Und neue Siedlungen sind in Planung - Peking wächst weiter.

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
morax 08.07.2015
1. Ähnlichkeiten
Sieht aus wie ein wucherndes Krebsgeschwür.
der.schultze 08.07.2015
2. Sprache
Im Titel steht 'hat sich vervierfacht', im Text steht dann, 'hat sich um das Vierfache ausgedehnt', was dem Fünffachen entsprechen würde. Was stimmt nun und warum widerspricht sich der Autor selbst?
tel33 08.07.2015
3. neuere Daten liegen nicht vor
Ja es ist so einem Fachjournal und den entsprechenden wissenschaftlichen Koryphäen natürlich garnicht zuzumuten einfach mal die umfangreichen Bilddokumentationen bei GoogleEarth zu sichten. Die sind nämlich gerade für den Raum Peking in ziemlich kurzen Abständen seit 2001 fortwährend aktualisiert worden. Aktueller Stand ist April 2015...
siebenh 08.07.2015
4. Genau den gleichen Gedanken
Zitat von moraxSieht aus wie ein wucherndes Krebsgeschwür.
hatte ich auch gerade. Und wenn man überlegt, wie wir den Planeten behandeln ist der Vergleich wirklich nicht von der Hand zu weisen...
verdienter-urlaub.de 08.07.2015
5. Was für ein Vergleich
Beim Faktor Größe können unsere deutschen „Dörfer“ wirklich nicht mit chinesischen Städten mithalten. Gemeinsam haben Peking und Berlin nur die teilweise fehlende dichte Bebauung mit vielen innerstädtischen Brachflächen.
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