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Per Floß in die Karibik: 162 Froscharten - ein Urvater

Fast alle an Land brütenden Froscharten der karibischen Inseln stammen von einer einzigen Spezies ab. Diese Vorfahren müssen vor 30 bis 50 Millionen Jahren aus Südamerika gekommen sein - auf einem Floß übers Meer.

Dass es auf den karibischen Inseln, etwa Haiti und Puerto Rico, überhaupt so viele Froscharten gibt, grenzt an ein Wunder, wenn stimmt, was Blair Hedges und seine Kollegen herausgefunden haben. Der Evolutionsbiologe und seine Kollegen von der Penn State University analysierten die DNA der zahlreichen Froscharten auf den Inseln. In der kommenden Ausgabe der "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten die Forscher, dass fast alle der 162 bekannten Unterarten von einer einzigen abstammen. Die Frosch-Vorfahren müssen auf einer Art natürlichem Floß von Südamerika kommend übers Meer gekommen sein. Ähnliches gelte für die an Land brütenden Frösche in Mittelamerika.

"Diese Entdeckung ist überraschend", erklärte Hedges, "weil keine einzige Theorie über den Ursprung dieser Frösche vorhergesagt hatte, dass sie einen gemeinsamen Ursprung haben". Außerdem sei es höchst ungewöhnlich, dass eine Gruppe so naher Verwandter die Fauna einer ganzen geographischen Region dominiere.

Um zu diesem Ergebnis zu kommen, mussten die Forscher gewaltige Anstrengungen unternehmen. Insgesamt fast dreißig Jahre Feldforschung waren nötig, um die teils in schwer erreichbaren Gegenden wie isolierten Berggebieten lebenden Froscharten aufzuspüren. Die DNA von fast 300 verschiedenen Froscharten aus der Karibik, Zentral- und Südamerika sequenzierten die Forscher. Mit Hilfe sogenannter molekularer Uhren ermittelten sie, wann sich eine Linie von der anderen getrennt haben musste. Dabei wird die Anzahl der Mutationen, die zwei Spezies voneinander unterscheidet, mit einer Veränderungsrate verrechnet, die wiederum mit Hilfe anderer Quellen wie Fossilien und geologischer Information abgeschätzt wird.

Hedges und seine Kollegen glauben, dass ein Brocken aus dem All mit der Geschichte der Frösche verknüpft ist - und zwar der Asteroid, von dem viele Wissenschaftler annehmen, dass er für die Ausrottung der Dinosaurier verantwortlich ist. Vor etwa 65 Millionen Jahren traf er die Erde und erzeugte dabei, so Hedges, "Riesenwellen, die die Inseln verwüsteten und vermutlich die gesamte zu diesem Zeitpunkt existierende Fauna vernichteten".

Die Frösche, die die Inseln anschließend kolonisierten, seien vermutlich auf schwimmenden Matten aus abgerissener Vegetation übers Meer gekommen. Solche natürlichen Flöße, erklärte Hedges "können mehr als eineinhalb Kilometer breit sein". An Bord befanden sich möglicherweise Pflanzen, die noch Süßwasser enthielten und Insekten, die den Floßreisenden als Nahrung dienen konnten. Geschwommen sind die Frösche wohl nicht: Mit Salzwasser kommen die Amphibien nicht gut zurecht.

cis

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