Peru Forscher finden fossilen Riesenvogel-Schädel

Er hatte Sägezähne und eine Flügelspannweite von bis zu sechs Metern: In Peru haben Wissenschaftler den versteinerten Schädel eines gewaltigen Seevogels entdeckt. Der Fund ist ungewöhnlich gut erhalten - die Forscher hoffen auf neue Erkenntnisse über die rätselhaften Tiere.


Lima - An der Südküste Perus fand man den versteinerten Schädel, der Assoziationen an Monsterfilme aus den fünfziger Jahren weckt: Der mit messerscharfen Zähnen ausgestattete Schnabel des ausgestorbenen Seevogels ist so lang wie ein menschlicher Unterarm und ist mit langen Reihen von größeren und kleineren Zähnen ausgestattet, die ihm das Aussehen einer mächtigen Säge verleihen.

Der Seevogel lebte vor etwa zehn Millionen Jahren. Das Fossil sei der am besten erhaltene Schädel eines Pelagornithiden, der jemals entdeckt wurde, sagte Rodolfo Salas, Abteilungsleiter des naturgeschichtlichen Museums in Peru. Die spitzen Zähne dienten den Tieren vermutlich, um damit glitschige Beute wie Fische und Tintenfische zu jagen.

Die Pelagornithiden sind eine vermutlich vor rund drei Millionen Jahren ausgestorbene Familie großer Seevögel, die Forschern seit vielen Jahren Rätsel aufgibt. Sie hatten eine Flügelspannweite bis zu sechs Metern, ihre extrem dünnen Knochen trugen zur Flugfähigkeit der Riesenvögel bei. Doch was die Vögel zu guten Fliegern machte, erschwert den Forschern heute die Arbeit: Die dünnen Knochen überdauerten kaum als Fossilien. "Seine Fossilien sind sehr seltsam, sehr selten und sehr schwer zu finden", erklärte Salas. Die Tiere gelten Experten als eines der großen Rätsel der Vogel-Paläontologie.

Es sei äußerst selten, dass überhaupt irgendwelche Knochen dieser Spezies als Fossilien gefunden würden, sagte auch Ken Campbell vom Museum für Naturgeschichte in Los Angeles. "Ein unzerstörter Schädel dieser Größe ist ein sehr bedeutsamer Fund", sagte Campbell, er kenne "kein Exemplar von vergleichbarer Qualität".

Dan Kepska von der North Carolina State University erklärte, die Tiere seien ein paar Millionen Jahre vor dem Auftauchen der ersten Frühmenschen nahezu allgegenwärtig gewesen. Man habe Fossilien von ihnen nicht nur in Nordamerika und Nordafrika gefunden, sondern sogar in der Antarktis. Manche Forscher glauben, dass sie mit heutigen Pelikanen verwandt sind, andere sehen eine Verwandtschaft zu Enten.

Paläontologe Campbell glaubt, der Fund werde "zweifelsfrei von großer Bedeutung für unser Verständnis dieser riesigen Vögel sein".

cis/AP



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