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Massensterben: Pestizide setzen Bienen und Hummeln massiv zu

Von Menschen versprühte Giftstoffe spielen offenbar eine entscheidende Rolle beim Massensterben von Hummeln und Bienen. Das legen gleich zwei neue Studien nahe. Unter anderem stören die Pestizide demnach den Orientierungssinn der Insekten.

Hummel sammelt Pollen (im März 2012): Gefahr durch Pestizide Zur Großansicht
dapd

Hummel sammelt Pollen (im März 2012): Gefahr durch Pestizide

Berlin - Bienen und Hummeln lassen in Massen ihr Leben. Das globale Sterben beschäftigt Biologen schon seit Jahren. Laut einen Uno-Bericht ist es längst ein globales Problem und könnte eine Nahrungsmittelkrise auslösen. Aggressive Milben sind als Schuldige ausgemacht worden, Parasiten-Fliegen gelten ebenfalls als Killer-Kanidaten - und Pestizide. Zwei neue Studien unterstreichen nun, wie gefährlich die chemischen Substanzen für die Insekten sind.

Zwei Expertenteams hatten die Wirkung von Neonicotinoiden erforscht. Das ist eine Gruppe gängiger Insektizide, die in zahlreichen Ländern im Einsatz ist. Wissenschaftler aus Frankreich berichten im Fachmagazin "Science", dass das Gift die Orientierung der Bienen stört: Die Tiere finden den Weg zu ihrem Volk nicht mehr. Ein Team aus Großbritannien entdeckte außerdem, dass die Insektizide Hummelvölkern stark zusetzen.

"Einige Hummelarten sind enorm zurückgegangen. Beispielsweise in Nordamerika sind manche Arten mehr oder weniger komplett vom Kontinent verschwunden", schreibt der britische Forscher Dave Goulson von der schottischen Universität in Stirling. In Großbritannien seien bereits drei Arten ausgelöscht.

Goulsons Team setzte Hummelvölker dem Insektizid Imidacloprid aus. Die Dosis war jener ähnlich, der die Tiere in der Natur begegnen. In einer geschlossenen Umgebung hausten die Hummeln sechs Wochen lang unter natürlichen Bedingungen. Zu Beginn und am Ende des Experiments wogen die Forscher die Nester mit dem gesamten Inhalt: Hummeln, Wachs, Honig, Larven und Pollen. Die belasteten Kolonien waren im Durchschnitt acht bis zwölf Prozent kleiner als die Kontrollgruppe.

Außerdem entdeckten Goulson und seine Kollegen, dass die behandelten Hummeln etwa 85 Prozent weniger Königinnen hervorgebracht hatten. Dies sei ein wichtiger Punkt: Die Zahl der Königinnen beeinflusse die Zahl der neuen Nester im kommenden Winter.

Mickael Henry forscht am Institut National de la Recherche Agronomique im französischen Avignon. Er und sein Team klebten winzige Mikrochips an die Körper der Versuchsbienen. Einige der kleinen Tiere kamen in Kontakt mit dem Insektizid Thiamethoxam. Diese Bienen starben zwei- bis dreimal häufiger weit entfernt von ihrem Nest als die Tiere ohne Gift. Das Insektizid habe die Orientierung der Bienen gestört.

Die Daten aus den Mikrochips nutzten die Forscher, um Flugrouten zu berechnen. Offenbar hatten die belasteten Bienen irgendwann eine Entfernung erreicht, von der aus es schwierig war, zurückzufinden.

Freilich bereiten nicht nur Insektizide den Experten Sorge. Die aggressive Varroamilbe gilt als größter Feind der Honigbiene. Sie beißt sich an den Insekten fest, wie ein Blutegel bei Säugern - aber mit dramatischerer Wirkung. Durch die milden Temperaturen im vergangenen Jahr waren die Milben laut Experten sehr lange aktiv und verstärkten so ebenfalls das Bienensterben.

chs/dpa

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