30 Jahre nach Verbot Pestizid DDT belastet Umwelt bis heute

Das Insektenschutzmittel DDT ist noch immer in der Umwelt zu finden - 30 Jahre nach dem Verbot. In Frankreich haben Forscher nachgewiesen, dass der hormonähnliche Stoff sich im Boden angereichert hat und auch in das Wasser von Seen gelangt.

Pflanzenschutzmittel im Einsatz: Längst verbotene Insektizide gelangen aus alten Anbauflächen bis heute in die Umwelt
DPA

Pflanzenschutzmittel im Einsatz: Längst verbotene Insektizide gelangen aus alten Anbauflächen bis heute in die Umwelt


In der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide können noch viele Jahrzehnte nach ihrem Verbot die Umwelt schädigen. Das haben französische Forscher jetzt an einem See in einem Weinanbaugebiet in Südostfrankreich nachgewiesen. In Seebodensedimenten fanden die Wissenschaftler Mittel für Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung aus dem gesamten 20. Jahrhundert. Die Ablagerungen sind demnach bis heute eine Schadstoffquelle, schreiben Pierre Sabatier von der Université de Savoie in Le Bourget du Lac im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Rund ein Drittel des Wassereinzugsgebiets des Lac Saint André südlich von Chambéry in den französischen Alpen, das die Forscher untersucht hatten, besteht aus Weinbergen. Dort bekämpfen Winzer Unkraut und Schädlinge seit langem mit Pestiziden. Die unbewachsenen Böden an den Weinhängen rutschen häufig ab oder werden bei Regen weggespült. So können im Boden gespeicherte Stoffe auch noch Jahrzehnte nach ihrer Anwendung in den See gelangen.

Dies zeigten die Wissenschaftler mit einem Bohrkern aus dem Sediment des Gewässers, der den Zeitraum von 1900 bis 2011 abdeckt. Aus den Schichten leiteten Sabatier und seine Kollegen durch chemische Analysen ab, welche Stoffe in welchen Zeiträumen mit dem ausgewaschenen Boden in den See gelangt waren. Sie fanden Spuren vieler Mittel für Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung in Schichten, die gut mit den Einsatzzeiten dieser Präparate übereinstimmten.

Pestizid DDT liegt in allen Bodenschichten

So wurden etwa das Insektengift DDT und seine Abbauprodukte noch lange nach dem Verbot im Jahr 1972 in das Gewässer eingeschwemmt. Einige Bestandteile von DDT gelten als chemisch sehr stabil, was auch zum Verbot des Mittels führte. Studien zeigen, dass sich die stabilen Bestandteile im Fettgewebe von Tieren und Menschen anreichern und so lange in der Nahrungskette bleiben. DDT zählt zu den hormonähnlichen Substanzen. Es steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. In Tierversuchen führte es zur Verweiblichung.

In der aktuellen Untersuchung erwies sich das Pestizid als spezieller Fall, da es sich offenbar besonders großzügig in der Umwelt ausbreitet: Seine Spuren fanden sich auch in Schichten, die eigentlich älter waren als der erste Einsatz des Mittels. Die Wissenschaftler erklären dies damit, dass DDT und seine Abbauprodukte im Sediment nach unten gewandert sind.

Die höchsten Konzentrationen des Mittels wiesen sie allerdings in Schichten aus den neunziger Jahren nach - also rund 20 Jahre nach dem Verbot von DDT. Ihre Erklärung: Damals setzten die Winzer ein Pestizid ein, dass die Erosion steigert - so dass auch ältere, im Boden gespeicherte Stoffe in den See gespült wurden.

Stellen, an denen Gifte wie DDT im Boden gespeichert sind, können so zu Schadstoffquellen werden, wenn die Umweltbedingungen sich ändern, folgern die Autoren. Ihr Fazit: "Im Licht dieser Studie erscheint es äußerst wichtig, dass bei der Einschätzung ökologischer Risiken von Stoffen und beim Management neuer landwirtschaftlicher Praktiken solche Mechanismen der Mobilität von Pestiziden in der Umwelt in Betracht gezogen werden."

jme/dpa

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