Klimaverhandlungen in Berlin Sie tricksen, sie werden kreativ

Große Klimashow in Berlin: Kanzlerin Merkel verdoppelt Deutschlands Hilfszahlungen. Kreative Schritte zu einem Weltklimavertrag aber laufen im Hintergrund - und manche Staaten tricksen.

Petersberger Dialog: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßt den französischen Staatspräsidenten François Hollande
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Petersberger Dialog: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßt den französischen Staatspräsidenten François Hollande

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Dialog bedeutet "Fließen von Worten" - und damit wäre der Petersberger Klimadialog in Berlin eigentlich ausreichend zusammengefasst. Vertreter aus 36 Staaten redeten zwei Tage lang über Pläne eines Weltklimavertrags. Eine Erkenntnis immerhin gab es: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach, die Zahlungen Deutschlands für arme Länder beim Klimaschutz ab spätestens 2020 auf vier Milliarden Euro pro Jahr zu verdoppeln.

Frankreichs Premier François Hollande bekräftigte in Berlin lediglich die prinzipielle Notwendigkeit, arme Länder mit Hilfszahlungen vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Und auch Bundespräsident Joachim Gauck blieb unbestimmt: "Der Preis des Nichthandels wird immer höher, nicht nur in ökonomischer Hinsicht", sagte er in Berlin.

Interessant war eher, welche Probleme in Berlin nicht öffentlich besprochen wurden, von denen die Einigung auf einen Weltklimavertrag abhängt, der im Dezember in Paris geschlossen werden soll.

Kreative Lösung

Wichtigstes Nicht-Thema in Berlin war: Zu welcher Art Hilfszahlungen verpflichten sich die alten Industrienationen, denen Wissenschaftler die Hauptschuld an der Erwärmung geben? Beschlossen sind bislang allerlei Fonds, die Staaten helfen sollen, auf alternative Energien umzusteigen und sich gegen Unwetter besser zu schützen.

Arme Länder aber pochen zudem auf Wiedergutmachung für angeblich entstandene Klimaschäden. Solche Kompensationszahlungen lehnen die reichen Staaten entschieden ab.

Mittlerweile gilt eine kreative Lösung als Kompromiss: Klimaversicherungen sollen für Wetterschäden in armen Länder aufkommen. Der Startschuss für das Programm soll in gut zwei Wochen auf Schloss Elmau in Bayern fallen, wo die G7 zusammenkommen, also die sieben größten westlichen Industrienationen. Elmau werde der erste harte Test für die Verhandlungen von Paris, sagen Delegierte.

Entscheidende Frage im Hintergrund

Eine Anschubspritze von 500 Millionen Euro wollen die G7 in Elmau sammeln für die Klimaversicherungen; Deutschland will mehr als hundert Millionen zuschießen. Hinzu kämen die Beiträge der Staaten, die sich gegen Klimaschäden versichern wollen.

Auf kleineren Treffen warben Initiatoren, darunter die Münchener Rückversicherung, in den vergangenen Wochen mit ersten Erfolgen: In Afrika seien vergangenes Jahr in vier versicherten Staaten bereits drei Schadensfälle im Gesamtwert von 26 Millionen Euro ausgezahlt worden. Mehr als einer Million Menschen habe deshalb nach Dürren mit Nahrung geholfen werden können; eine halbe Million Nutztiere seien vor dem Tode bewahrt worden, weil rasch Futter gekauft werden konnte.

Immer mehr in den Hintergrund neben den Finanzierungsfragen rückt die eigentlich größte Frage des Klimaschutzes: Wie will die Weltgemeinschaft den Ausstoß von Kohlendioxid und anderer Treibhausgase eindämmen, die der Klimaforschung zufolge eine erhebliche Erwärmung auslösen dürften?

Russlands Trick, Chinas Geheimnis

200 Tage vor Paris haben erst 38 Staaten ihre Klimaziele eingereicht, darunter die 28 EU-Staaten für die EU als Ganzes - welchen Beitrag die einzelnen EU-Staaten jeweils leisten müssen, bleibt indes unklar. Deutschland immerhin will seine Emissionen um mindestens 40 Prozent bis 2020 und 80 bis 95 Prozent bis 2050 gegenüber 1990 mindern. Das soll vor allem mit dem Ausbau erneuerbarer Energien erreicht werden.

Die USA wollen bis 2025 rund 16 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als 1990, haben sie im März angekündigt. Ob der US-Kongress den Plänen der Regierung zustimmt, ist allerdings unklar. Ebenso unsicher sind die Pläne der anderen großen CO2-Produzenten China, Indien und Brasilien - sie halten ihre Klimaziele noch zurück.

Russland hat zwar angekündigt, 2030 etwa ein Viertel weniger CO2 ausstoßen zu wollen als 1990 - doch das ist Trickserei. Da das Land aufgrund des Zusammenbruchs seiner Industrie in den Neunzigerjahren derzeit nur halb so viel CO2 ausstößt wie 1990, bedeuten die Klimaziele, dass Russland künftig mehr CO2 ausstoßen will.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) machte dennoch Hoffnung: "Bei einem Marathon ist es ja auch so, dass nicht alle in der gleichen Geschwindigkeit starten", sagte sie in Berlin. "Manche nehmen erst später Fahrt auf."

Zusammengefasst: Auf dem Petersberger Dialog in Berlin versprach Bundeskanzlerin Merkel, die Zahlungen Deutschlands für arme Länder in Sachen Klimaschutz ab spätestens 2020 auf vier Milliarden Euro pro Jahr zu verdoppeln. Versicherungen sollen zudem armen Ländern bei der Bewältigung von Wetterkatastrophen helfen. Ob dieses Jahr wie geplant ein wirksamer Weltklimavertrag geschlossen werden kann, bleibt dennoch fraglich, denn entscheidende Fragen bleiben offen. So haben bislang nur wenige Staaten erklärt, wie sie ihren Ausstoß an Treibhausgasen mindern wollen.

So tricksen Sie richtig!

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
chjuma 19.05.2015
1. Mit Geld allein
ist es nicht getan. Wichtig ist die verbindliche Kontrolle, dass es auch zweckgebunden verwendet wird. Sonst kann man sich die 4 Mrd. sparen.
winkelspiegel 19.05.2015
2. Statistik schützen
Da Klima ein statistischer Mittelwert auf 30 Jahre ist, bedeutet dies also unsere Politiker sind bereit für den Erhalt statistischer Durchschnittswerte ihre eigenen Bürger auszurauben...zu gunsten von ...(kann frei gewählt werden)! Echter Umweltschutz war gestern,meeehr Verkehr auf die Schiene upps...
dunnhaupt 19.05.2015
3. Europas Dreckschleuder als
Kein anderes EU-Land hat die sauberen Atomkraftwerke abgestellt und baut heute noch zusätzliche Braunkohlekraftwerke, die schlimmsten Verseucher der europäischen Atmosphäre.
Krass357mag 20.05.2015
4. Anghst braucht der Mensch und das Geschäft damit.
Das Angstmodel Klimawechsel, ersetzt den Hexenwahn des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Menschen brauchen 1. etwas wo vor sie Angst haben können und 2. etwas was sich damit wirtschaftlich verbinden lässt. Klar, das Klima wandelt sich, nur hat es nichts mit den Menschen zu tun oder hat sich etwa tatsächlich er CO 2-Anteil in der Atmosphäre erhöht? Eben ... !
GlobalerOptimist 20.05.2015
5. Sie tricksen, sie werden kreativ
Das ist doch Quatsch. Die Energiewende in Deutschland ist ein grünes ideologisches Programm ohne jedweden Verstand. Es wird massenhaft Geld in sinnlose Sonnenpanele und Windräder verfeuert, da aber diese gewonnene Energie nicht grundlastfähig ist, muss parallel ein Schlecht-Wetter-Parallel-System mit Kohle und Gas bereit gehalten werden. Die größte Fehlallokation von Geldmitteln in der deutschen Geschichte. Die Infrastruktur geht gleichzeitig den Bach hinunter und man steitet über eine Maut (LOL). Unser Einfluß auf das Weltklima ist gleich NULL, solange China, die USA und bald auch Indien in die Atmosphäre blasen, was das Zeug hält.
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