Uno-Verhandlungen in Berlin: Durchhalteparolen auf Klimatagung

"Mehr Ehrgeiz, Fortschritt, keine Zeit verlieren" - ein Treffen der Vereinten Nationen in Berlin sollte die nächste große Uno-Klimakonferenz vorbereiten. Doch Kanzlerin Merkel und Umweltminister Altmaier konnten keine großen Fortschritte vermelden.

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dapd

Petersberger Klimadialog: "Wir brauchen mehr Ehrgeiz"

Hamburg/Berlin - Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sieht eine erhöhte Bereitschaft bei Industrie- und Schwellenländern, die Erderwärmung durch verstärkte nationale Maßnahmen zu bekämpfen. "Wir brauchen mehr Ehrgeiz schon vor 2020", sagte Altmaier am Dienstag zum Abschluss des 3. Petersberger Klimadialogs. Bis 2015 soll ein bindender Weltklimavertrag erarbeitet werden, der aber erst 2020 in Kraft treten soll. Aus Teilnehmerkreisen hieß es, dass einige Länder bereit seien, konkret Bericht zu erstatten über ihre Fortschritte.

Altmaier betonte, die 35 Teilnehmerstaaten seien sich im Klaren darüber, dass bis 2020 mehr Einsatz notwendig sei, um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Er hoffe, dass der nächste Uno-Klimagipfel Ende des Jahres in Katar zu einem Meilenstein werde.

Zum einen soll dort das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll als bisher einziges bindendes Instrument zur Reduzierung von Treibhausgasen verlängert werden - allerdings machen hier nur Staaten mit, die 15 Prozent der globalen Emissionen verursachen. Das reiche aber nicht, so Altmaier. "Das Klima kann nicht länger warten. Wir dürfen nicht weiter Zeit verlieren."

Die 2009 in Kopenhagen angekündigten freiwilligen Zusagen anderer Staaten müssten zusätzlich verschärft werden, meinen Umweltschützer. "Wir dürfen keinesfalls hinter die Festlegungen von Durban zurückfallen", sagte Altmaier mit Blick auf den im letzten Jahr festgelegten Fahrplan für einen Weltklimavertrag bis 2015. "

Ausgerechnet Katar

Der Klimadialog diente vor allem der Vorbereitung auf den nächsten Uno-Klimagipfel, der Ende November in Doha beginnt. Deutschland sieht sich als Vorreiter und will die CO2-Ausstöße bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zurückfahren. Derzeit sind es rund 24 Prozent.

EU-weit sollen die Ausstöße bisher um 20 Prozent bis 2020 reduziert werden. Altmaier kündigte Gespräche im August mit seinem polnischen Amtskollegen an, um eine Erhöhung des Reduktionsziels auf 30 Prozent zu schaffen. Polen blockiert dies bisher unter anderem wegen seiner zahlreichen Kohlekraftwerke.

"Wir sehen es als einen Glücksfall an, dass Katar Gastgeber dieser Konferenz ist", sagte Altmaier. Das an Gasvorkommen reiche Land hat mit rund 40 Tonnen pro Jahr den höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf - es könnte aber durch die Ausrichtung des Klimagipfels seine Klimaschutzbemühungen verstärken und andere Klimasünder mitziehen.

Katars Vizepremier Abdullah bin Hamad al-Attiyah betonte, dass man bereits sehr viel tue: "Katar ist führend in der Erforschung zur CO2-Abscheidung"- einer Technologie, die in Deutschland kaum noch eine Zukunft hat.

Wie Altmaier sagte er, die Zeit gegenseitiger Schuldzuweisungen müsse vorbei sein. "Wir sitzen alle im gleichen Boot. Alles, was passiert, betrifft letztlich alle." Am Vortag hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Rede vor dramatischen Folgen und einer Erwärmung um bis zu vier Grad gewarnt, wenn die Staaten ihre bisherigen Klimaschutzzusagen nicht deutlich verbessern.

boj/dpa

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1. ja was denn nun?
derdingens 17.07.2012
Einerseits ist die Energiewende in D zu teuer und soll gebremst werden, andererseits soll auf internationalen Konferenzen Druck für eine schnellere Wende gemacht werden. Glaubwürdigkeit geht anders ...
2. Die anderen sind dran
Nickela 17.07.2012
Deutschland erzeugt 3% des weltweiten CO2-Ausstoßes. Weltweit steigt der CO2-Ausstoß jedes Jahr um 2%. Selbst wenn wir morgen aufhören zu existieren, würde das Klima es nicht merken. Deutschland hat seit 1990 seinen CO2-Ausstoß um 25% gesenkt. Weltweit ist der CO2-Ausstoß seit 1990 um 50% gestiegen. Wir haben gezeigt, wie es geht. Jetzt sind die anderen an der Reihe, es nachzumachen. Ich habe die irrsinnigen Klimaschutzkosten satt. Sie sind unnütz, weil wir das Klima alleine nicht schützen können. Auch Vorbild müssen wir nicht in noch stärkerem Maße werden. Wir sind es längst. Und die Welt ignoriert es. Genau so wird die Welt auch noch größere Anstrengungen unsererseits ignorieren. Machen wir weiter, wenn die anderen mal ein wenig aufgeholt haben.
3. ach florian - ick hör dir trapsen..
tom-pex 18.07.2012
Zitat von Nickela... Machen wir weiter, wenn die anderen mal ein wenig aufgeholt haben.
genau diese denke ist es ja, die dazu führt, dass nichts relevantes geschieht: subjektiv haben nämlich ALLE einen guten grund, warum sie eigtl. nix weiter zu machen brauchen. so pochen schwellenländer zu recht darauf, dass sie zwar heute mächtig zulegen, ihr gesamtausstoß aber gering ist im vergleich zu den industrieländern, die ja schon seit 150 jahren die umwelt belasten und mit diesem historischen eintrag die aktuellen probleme erst verursacht haben. die entwicklungsländer bestehen darüber hinaus darauf, dass ihr gesamteintrag eh marginal ist und sie sich die kosten von vornherein nicht leisten können - hier geht schlicht aus not entwicklung vor umweltschutz. es bleibt also dabei: ohne dass die historischen verursacher der situation (also wir entwickelten länder) nicht wirklich massiv voran gehen und dabei auch die nötige technik entwickeln, wird das problem nicht gelöst werden. selbstgerechtes zurücklehnen hilft da nicht weiter, sondern impliziert „nach mir die sintflut..“ - sprich den gipfel der verantwortungslosigkeit gegenüber allen folgenden generationen.
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