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Pferd und Mensch: Haarwirbel verraten Rechtshänder und Linkshufer

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Ob ein Pferd lieber rechts oder links herum wendet, lässt sich an seiner Stirn ablesen: Die Richtung des Haarwirbels verrät bei vielen die bevorzugte Seite. Ein ähnlicher Zusammenhang ist auch beim Menschen zu beobachten - womöglich weil Hirn- und Haarentwicklung aneinander gekoppelt sind.

Zeige mir deinen Kopf, und ich sage dir, ob du eher Rechts- oder Linkshänder bist. Mit dieser These verblüffte der Wissenschaftler Amar Klar vor fünf Jahren die Forschergemeinde. Der Genexperte vom National Cancer Institute im US-Bundesstaat Maryland hatte die Orientierung der Haarwirbel bei 600 Menschen untersucht und festgestellt, dass 95 Prozent der Rechtshänder einen Wirbel im Uhrzeigersinn haben. Drehten sich die Haare hingegen entgegen dem Uhrzeigersinn, handelte es sich in 50 Prozent der Fälle um Linkshänder.

Ein ähnliches Phänomen haben nun zwei Forscher von der irischen University of Limerick bei Pferden entdeckt. Jack Murphy und Sean Arkins wollten herausfinden, warum manche Pferde eher mit dem rechten Bein den ersten Schritt machen und Rechtskurven besser laufen können als Linkskurven. "Ich habe mit vielen Pferden gearbeitet und mit vielen Pferdetrainern gesprochen", sagt Murphy im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Die meisten Pferde präferieren eine Seite."

Auf die Idee, sich Haarwirbel auf dem Kopf genauer anzuschauen, kam der Forscher durch eine schon Jahrzehnte alte Untersuchung an Kühen. In ihr hatten Wissenschaftler den Zusammenhang von bevorzugter Seite und der Position von Haarwirbeln auf dem Kopf untersucht. Murphy und Arkins konzentrierten sich nun auf den Drehsinn der Wirbel auf der Pferdestirn - und fanden Interessantes heraus.

Von den insgesamt 219 untersuchten Rennpferden erwiesen sich 104 als Linkshufer. Drei Viertel dieser Tiere (78) besaßen einen Wirbel entgegen der Uhrzeigerrichtung. Von den 95 Tieren, die dagegen rechts bevorzugen, hatten 67 Prozent (64 Tiere) einen Wirbel im Uhrzeigersinn, berichten die Forscher im Fachblatt "Behavioural Processes".

Der Zusammenhang treffe zwar nicht in jedem Fall zu, mit Hinweisen auf die möglicherweise bevorzugte Seite eines Pferds könne ein Trainer die Tiere jedoch ausgewogener trainieren, sagt Murphy. Damit ließen sich die Pferde für Rennen oder Turniere im Springreiten besser vorbereiten: "Ein Pferd, das klar eine Seite präferiert, wird es im Dressurreiten schwerer haben." Denn in dieser Sportart müssen Schritte und Bewegungen oft in beide Richtungen ausgeführt werden - eine echte Herausforderung für die Vierbeiner.

Asymmetrische Entwicklung des Gehirns

Die Wissenschaftler der University of Limerick glauben, dass bevorzugte Hufe und die Haarmuster die asymmetrische Entwicklung des Gehirns widerspiegeln. Bei Embryonen verlaufe die Entwicklung von Gehirn und Haaren parallel, erklärt Murphy. Diese Entwicklung könnte von denselben Genen kontrolliert sein. "Es ist wahrscheinlich mehr als nur ein Gen."

Einen Zusammenhang mit dem bereits vor fünf Jahren entdeckten Phänomen bei menschlichen Haarwirbeln will Murphy nicht ausschließen: "Wir Säugetiere teilen viele Gene miteinander. Deshalb könnte das ganz ähnlich funktionieren."

Die Untersuchung der 219 Rennpferde ergab jedoch auch, dass es Tiere ohne eindeutig präferierte Seite gibt. "Diese haben häufig entweder zwei Wirbel mit entgegengesetzter Orientierung oder einen Wirbel, von dessen Zentrum die Haare radial weglaufen", sagt Murphy (siehe Fotostrecke). Allerdings sei die Zahl dieser Tiere zu klein, um die These tatsächlich belegen zu können.

Für Dressurreiter könnten genau diese Allroundpferde aber von großem Interesse sein, denn sie beherrschen beide Laufrichtungen gleichermaßen gut.

Bislang bleibt die Vorzugsseite eines Pferdes beim Training meist unbeachtet - was Murphy zufolge die Siegeschancen bei Wettkämpfen mitunter verringert. Scharfe Linkskurven einiger britischer Rennparcours hätten rechtsorientierte Pferde vor Probleme gestellt. Die Präferenz eines Pferdes sei allerdings keineswegs allein rennentscheidend.

mit Material von ddp

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Rechts oder links herum: Vielsagende Wirbel

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