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Tierische Kommunikation: Pferd mit Ohrzeiger

Pferde-Kommunikation: Das Ohr weist den Weg Fotos
Angelika Franz

Pferde haben dem Menschen zwei Dinge voraus: lange, bewegliche Ohren. Die nutzen sie offenbar nicht nur zum Lauschen, sondern auch, um die Aufmerksamkeit von Artgenossen zu lenken.

Unterhalten sich Menschen über einen Gegenstand in unmittelbarer Nähe, nutzen sie nicht nur Worte. Auch der Blick verrät dem Gesprächspartner, worum es geht. Das Gesicht ist in die entsprechende Richtung gedreht; wir nutzen sogar die gesamte Körperhaltung, um zu unterstreichen, um welches Objekt es uns geht. Eines aber benutzen wir dafür nicht: unsere Ohren.

Ganz anders Pferde, wie die beiden Psychologinnen Karen McComb und Jennifer Wathan von der englischen University of Sussex in der Zeitschrift "Current Biology" berichten. "Unsere Studie untersucht erstmals einen möglichen Aufmerksamkeitsanzeiger, den wir Menschen gar nicht haben: die Ohren", erläutert Wathan in einer Presseerklärung. "Vorherige Aufmerksamkeitsstudien an Tieren konzentrierten sich immer auf die Anzeiger, die wir selber benutzen: Körperhaltung, Kopfhaltung und Blicke; niemand hat mal darüber hinaus geschaut."

In der Pferdekommunikation aber spielten die Lauscher eine große Rolle. "Pferde müssen sowohl Augen als auch Ohren eines Artgenossen sehen, um die Richtung deuten zu können", so Wathan. Tiere, die wie Pferde ihre Augen an der Seite des Kopfes haben, könnten gar keine Rückschlüsse aus der Blickrichtung ihrer Artgenossen ziehen, hieß es bislang. Doch auch das konnten die beiden Psychologinnen nach eigenen Angaben widerlegen.

Ohren noch wichtiger als Augen

Um die Aufmerksamkeit der Tiere zu testen, nutzen sie etwas, für das jedes Pferd sich interessiert: Eimer mit Futter. Zwei davon standen zur Auswahl. Dazu zeigten die Forscherinnen den hungrigen Vierbeinern lebensgroße Fotos von Artgenossen, die Augen und Ohren auf einen der beiden Eimer gerichtet hatten. In etwa 75 Prozent der Fälle wählten die Pferde den Eimer, für den sich auch das abgebildete Tier zu interessieren schien.

Verdeckten die Forscherinnen jedoch auf dem Bild entweder die Augen oder die Ohren des Gegenübers, hielt sich die Wahl zwischen den beiden Eimern in etwa das Gleichgewicht - das Pferd wählte nach dem Zufallsprinzip. Die Ohren schienen für die Entscheidung noch wichtiger zu sein als die Augen. Außerdem verbrachten die Pferde, wenn Teile des Kopfes verdeckt waren, weniger Zeit mit dem Betrachten des Artgenossen, bevor sie sich über den Eimerinhalt hermachten.

Allerdings messen Pferde offenbar nicht allen Artgenossen die gleiche Bedeutung zu. Die Forscherinnen zeigten den Tieren Bilder zweier unterschiedlicher Pferde - und eines der beiden beeinflusste die Wahl des Futtereimers stärker als das andere.

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insgesamt 9 Beiträge
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1. das stimmt so nicht
tjivi 04.08.2014
Dass Ohren bei der tierischen Kommunikation eine weitreichende Bedeutung haben, ist bei Hunden schon lange bekannt. Nicht die sogenannte "Bürste" zeigt z.B: Aggression an. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, wobei Schwanz- und Ohrenhaltung eine zentrale Funktion haben.
2.
uchawi 05.08.2014
Da brüstet sich jemand allen Ernstes mit einer Studie, nach der Pferdeohren ein Anzeiger für die Stimmung und die Aufmerksamkeitsrichtung der Tiere sind? Bei allem Verständnis für Basiswissenschaft: Dafür hätte es gereicht, mal aus dem Elfenbeinturm zu krabbeln und mit jemandem zu reden, der tagtäglich mit Pferden umgeht. Diese bahnbrechenden Erkenntnisse gehören zum Grundwissen jedes Pferdebetreuers. So was als neu zu verkaufen, entspricht ungefähr einer Schülerarbeitsgemeinschaft, die in langwierigen Untersuchungen feststellt, dass ein Auto nach links fährt, wenn man das Lenkrad in die betrffende Richtung dreht.
3. Nicht nur der Blick...
Hochbeet 05.08.2014
sondern die Hände sind unser Vorteil. Und mit den Ohren wackeln können manche auch...
4. r Reitanfänger lernt, ...
Pandora 05.08.2014
.. auf die Stellung der Ohren eines Pferdes zu achten. Und das wird uns jetzt als neue Erkenntnis verkauft?
5. Nichts Neues
holger.w 05.08.2014
das Phänomen kennt jeder Pferdebesitzer seit Jahrhunderten. Was ist an der Erkenntnis neu?
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