Handel und Klimawandel: Pflanzenschädlinge breiten sich aus

Ernteausfälle: Mit einem Pilz infizierte Kaffeepflanzen in Costa Rica Zur Großansicht
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Ernteausfälle: Mit einem Pilz infizierte Kaffeepflanzen in Costa Rica

Pilze, Bakterien und Viren können Pflanzen krank machen und damit Ernten vernichten. Forscher zeigen einen besorgniserregenden Trend: Viele Schädlinge haben ihr Verbreitungsgebiet deutlich vergrößert.

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge haben sich seit 1960 im Schnitt fast drei Kilometer jährlich zu den Polen hin ausgebreitet. Das berichten Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Climate Change". Die Wanderung könne zu Problemen bei der Nahrungsmittelversorgung führen, warnt das Team von der englischen University of Exeter.

Die Forscher hatten anhand publizierter Studien für mehr als 600 Krankheiten und Schädlinge analysiert, wie sich ihr Verbreitungsgebiet in den vergangenen 50 Jahren veränderte. Dabei sei zu berücksichtigen, dass neue Erreger in ärmeren Ländern oft später registriert würden als in den reichen Ländern des Nordens mit ihren besseren Überwachungsmethoden. Pflanzenschädlinge sind keine einheitliche Gruppe, zu ihnen zählen Pilze, Bakterien, Viren, Insekten, Fadenwürmer und die sogenannten Eipilze.

Im ersten Jahrzehnt der Beobachtungen wurden zwei Drittel der Schädlinge nur in der nördlichen oder der südlichen Hemisphäre beobachtet, schreiben die Wissenschaftler. Ein Zehntel war nur außerhalb, ein weiteres Zehntel nur innerhalb der Tropen zu finden. Nach Ablauf der 50 Jahre seien mehr als die Hälfte global verbreitet gewesen. "Von den ursprünglich auf die Tropen beschränkten Arten breiteten sich zwei Drittel aus, die meisten global."

10 bis 16 Prozent der Ernten verloren

Bei der Wanderung in Richtung der Pole gab es von Art zu Art große Schwankungen, schreibt das Team. Insgesamt aber sei ein klarer Trend erkennbar: Die überwiegende Zahl der Arten in der nördlichen Hemisphäre - etwa Pilze, Bakterien und Insekten - breite sich Richtung Nordpol aus. Fadenwürmer und Viren dagegen bewegten sich offenbar eher Richtung Äquator. Warum das so ist, müsse noch untersucht werden.

Die Ausbreitung gehe hauptsächlich auf den zunehmenden globalen Transport zurück, erklären die Forscher. Der Klimawandel aber ermögliche es Erregern und Schädlingen oft erst, in einem neuen Gebiet Fuß zu fassen, dessen Lebensbedingungen zuvor zu unwirtlich waren. Mit rund 27 Kilometern je Jahrzehnt sei die Verschiebung deutlich größer als die bei vielen Tieren beobachtete Ausbreitung von knapp 18 Kilometern. Sie entspreche aber der nach dem Temperaturanstieg zu erwartenden Veränderung.

Wie gefährlich neu eingeschleppte Erreger sein können, verdeutlichen Beispiele wie die Hungersnot in Irland in den 1840er Jahren, als der Eipilz Phytophthora infestans Kartoffelernten vernichtete. 1943 habe ein Reispflanzen befallender Schimmelpilz Hunderttausende Menschen in der asiatischen Region Bengalen verhungern lassen, schreiben die Autoren. Derzeit gingen durch Pflanzenschädlinge weltweit jährlich 10 bis 16 Prozent der Ernten verloren.

wbr/dpa

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