Pflanzenwuchs Pilz spart Phosphatdünger

Weniger Dünger, gleicher Ertrag: Pilze können die Versorgung von Pflanzenwurzeln mit Phosphaten deutlich verbessern. Forscher wollen die Mikroorganismen als Gel verabreichen - vor allem die Landwirtschaft in tropischen Ländern könnte profitieren.

Gülleverteilung auf Feld (Archivbild): Mehr Nährstoffe für Pflanzen dank eines Gels?
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Gülleverteilung auf Feld (Archivbild): Mehr Nährstoffe für Pflanzen dank eines Gels?


Immer mehr Menschen bevölkern die Erde - eine große Herausforderung für die Landwirtschaft. Damit alle genug zu essen haben, muss der immer knappere Boden effizient genutzt werden. In den meisten Fällen greifen Landwirte zu Dünger und Pflanzenschutzmitteln, um den Ertrag zu maximieren. Die Folgen für die Umwelt können allerdings unangenehm werden - etwa dann, wenn Dünger über die Flüsse ins Meer gelangt und dort gewaltige Algenblüten mitverursacht.

Zumindest beim Phosphatdünger haben Wissenschaftler jetzt eine interessante Alternative vorgestellt: Mit Hilfe von Pilzen ließe sich eine beachtliche Menge Düngemittel sparen, berichtete ein Schweizer Forscher auf einer Tagung der American Society for Microbiology in New Orleans.

"Auf den meisten tropischen Böden haben Pflanzen enorme Schwierigkeiten, Phosphat zu erhalten, weshalb Landwirte riesige Geldmengen für Phosphatdünger ausgeben", sagte Ian Sanders von der Universität Lausanne. "Die Bauern müssen sehr viel mehr Dünger zufügen als in gemäßigten Regionen." Dies mache einen hohen Anteil der Kosten bei der Lebensmittelproduktion aus.

Abhilfe könnten Mykorrhiza-Pilze schaffen: Für gewöhnlich leben sie in Symbiose mit Pflanzen, genauer gesagt mit deren Wurzeln. Sie bilden dort ein umhüllendes Pilzgeflecht und verbessern die Nährstoffversorgung, da sie weit besser als die Pflanze selbst in der Lage sind, Mineralstoffe wie Phosphat und Stickstoff und auch Wasser aus dem Boden zu gewinnen.

An Nutzpflanzen in Kolumbien testen Sanders und seine Kollegen derzeit die Effektivität eines speziellen Gels. Es ermöglicht nach Angaben der Forscher, den Pilz in hohen Konzentrationen zu transportieren und auszubringen. Erste Ergebnisse seien vielversprechend: Das Gel ermögliche, bei der Kartoffelernte mit weniger als der Hälfte der üblicherweise eingesetzten Phosphatdünger-Mengen denselben Ertrag zu erzielen. "Unsere Forschung konzentriert sich zwar auf Kolumbien, könnte aber in vielen anderen tropischen Regionen der Welt angewandt werden", sagte Sanders.

hda/dapd



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