Landwirtschaft Pilz gefährdet globale Bananenproduktion

Eine Pilz bedroht große Teile der weltweiten Bananenproduktion. 80 Prozent der Pflanzen sind dem Schädling namens TR4 schutzlos ausgeliefert. Schon warnen Forscher vor einer Neuauflage der verheerenden Panama-Krankheit der fünfziger Jahre.

Von Knut Henkel

Bananenfarmer (auf Kuba): Pilz bedroht globale Produktion
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Bananenfarmer (auf Kuba): Pilz bedroht globale Produktion


Gert Kema ist einem Pilz auf der Spur. Allerdings nicht irgendeinem. Der Fungus mit dem Kürzel TR4 bedroht eine tropische Frucht, die sich auch in Europa enormer Beliebtheit erfreut: die Banane. Glaubt man Kema, könnte es mit dem gelben Genuss bald vorbei sein. "Wenn dieser Pilz sich weiter so ausbreitet, ist die Bananenproduktion weltweit in Gefahr", warnt der Bananenexperte der niederländischen Agraruniversität Wageningen.

TR4 steht für Tropical Race vier - ein Pilz, gegen den es kein Mittel gibt. Sämtliche chemischen Fungizide haben keine Chance gegen den aggressiven Erregerstamm. Er lebt im Boden, steigt über die Wurzelspitzen in der Staude auf und lässt sie welken. In der befallenen Bananenpflanze wird der Transport von Wasser und Nährstoffen unterbunden, bis die Staude abknickt.

Derzeit sorgt TR4 dafür, dass auf den Philippinen die Produktion jährlich um sieben Prozent zurückgeht, sagt Kema. Ähnlich lief es vorher in China, Malaysia und Indonesien, wo der Erregerstamm ebenfalls auftauchte und für die Schließung zahlreicher Plantagen sorgte. Auf mindestens 400 Millionen US-Dollar werden die Schäden taxiert, seit der neue Erreger 1992 erstmals entdeckt wurde. Seitdem verbreitet er sich relativ langsam, aber anscheinend unaufhaltsam.

80 Prozent der Bananenpflanzen schutzlos

Für Agrarforscher ist das eine Art Déjà-vu. In den fünfziger Jahren grassierte die Panama-Krankheit. Sie trieb zunächst in dem mittelamerikanischen Land zahlreiche Plantagen in den Ruin und breitete sich anschließend nach Südamerika aus. Eine Spur der Verwüstung hinterließ der Pilz mit dem wissenschaftlichen Namen Fusarium Oxysporum f.sp cubense. Er kann bis zu 30 Jahre im Boden überleben, so dass eine Neuaussaat keinen Sinn macht.

"Das Risiko heute ist größer als in den fünfziger Jahren", sagt Kema. "Denn TR4 ist aggressiver, und mehr als 80 Prozent der Bananenpflanzen haben dem Pilz nichts entgegenzusetzen."

In den fünfziger Jahren war das noch anders. Damals wurde die bis dahin dominierende Bananensorte "Gros Michel" durch eine pilzresistente Sorte ersetzt. Die heißt "Cavendish" und wird heute weltweit vornehmlich angebaut. "Sie ist allerdings nicht resistent gegen TR4, so dass sich die Geschichte wiederholen kann", warnt Kema. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern wie dem US-Amerikaner Randy Ploetz hat Kema Anfang November einen alarmierenden Artikelin der US-Fachzeitschrift "Plant Disease" veröffentlicht. Die Forscher schreiben, dass der Pilz sich von Asien Richtung Afrika weiterbewegt.

In Jordanien wurde TR4 bereits auf Plantagen nachgewiesen. Laut Kema ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Pilz in die großen Anbaugebiete Afrikas und Lateinamerikas vordringt. Der Pilz könne eine "verheerende Wirkung" entfalten, weil die Bananenproduktion weitgehend von einem Klon abhänge. Die weltweit dominierende "Cavendish"-Sorte produziert keine Samen und kann deshalb auch nicht gekreuzt werden, um Resistenzen zu erzeugen. Die männlichen Blüten sind steril, und die weiblichen Blüten bilden Früchte, ohne vorher befruchtet worden zu sein. Folglich sind die Früchte samenlos und können sich nur vegetativ durch die Ausbildung von Schößlingen vermehren - sie klonen sich praktisch selbst.

"Auf den großflächigen Plantagen hat der Pilz somit optimale Voraussetzungen, um sich zu vermehren", warnt Randy Ploetz. "Dies umso mehr, weil es keine Fungizide gibt, die gegen den Pilz Wirkung zeigen", so der Pflanzenpathologe, der an der University of Florida in Homestead forscht.

Prinzip Hoffnung bei den großen Vier?

Das wissen auch die großen Vier des Bananenanbaus, die Fruchtkonzerne Chiquita, Dole, Del Monte und die irische Fyffes. Für Georg Jaksch, Chiquita-Pressesprecher in Brüssel, ist der neue Erregerstamm "eine große Gefährdung". Man entwickle gemeinsam mit Forschungsinstituten, lokalen Quarantänebehörden und anderen Industrieunternehmen eine Strategie, um den Pilz erst gar nicht nach Mittel-und Lateinamerika kommen zu lassen. Helfen soll ein Info-Blatt für Besucher, das die unkontrollierte Einschleppung von Bodenproben verhindern soll. Auch Konkurrent Dole versucht laut Marketingdirektor Xavier Roussel, seine Plantagen abzuschotten.

Dole unterstützt gemeinsam mit Chiquita Kemas Forschungsprojekt. Chiquita investiert nach eigenen Angaben auch in die Züchtung neuer resistenter Sorten durch traditionelles Kreuzen. Ein langwieriger Prozess, denn derzeit gibt es laut Bananenexperte Ploetz nur eine gegen TR4 resistente Sorte in Taiwan. "Die muss aber öfter neu angepflanzt werden, so dass die Kosten steigen würden", so Ploetz. Australische Forscher experimentieren derweil bereits mit resistenten Sorten aus dem Labor. Sie setzen auf die Gentechnik.

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