Südafrika Nachzüchtungen retten Pinguinkolonien

Umweltkatastrophen haben die Zahl der Brillenpinguine in Afrika dezimiert. Doch es gibt Hoffnung: Von Menschen aufgezogene Tiere lassen sich erfolgreich auswildern.

Brillenpinguine (Spheniscus demersus): Wo die Liebe hinfällt
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Brillenpinguine (Spheniscus demersus): Wo die Liebe hinfällt


Kapstadt - Per Hand aufgezogene Brillenpinguine kommen nach ihrer Auswilderung gut in der Freiheit zurecht. Sie pflanzen sich fort, und ihre Überlebensrate ist mit der ihrer frei aufgewachsenen Artgenossen vergleichbar, wie Wissenschaftler im Fachblatt "PLOS ONE" berichten.

Handaufgezogene Pinguine könnten schrumpfende Kolonien "auffüllen" und möglicherweise sogar zur Gründung neuer Kolonien herangezogen werden. So könnten die Bestände der einzigen auf dem afrikanischen Kontinent frei lebenden Pinguine geschützt werden, schreiben die Forscher.

Die Zahl der Brillenpinguine (Spheniscus demersus) hat im vergangenen Jahrhundert stark abgenommen. Unter anderem bedrohen Ölunfälle die Bestände. In vergangenen Untersuchungen hatten Forscher bereits gezeigt, dass Küken, die bei einer solchen Katastrophe verschmutzt oder verlassen werden, von Hand aufgezogen und anschließend erfolgreich wieder ausgewildert werden können.

Unter Leitung von Richard Sherley von der University of Cape Town untersuchte ein Wissenschaftler-Team aus Südafrika und Großbritannien nun, ob auf diese Weise auch Küken gerettet werden können, die von ihren Eltern frühzeitig verlassen wurden. So etwas kommt vor, wenn die Eltern in die Mauser kommen, bevor die Küken flügge sind. Die Eltern können während der Mauser nicht ins Wasser und damit auch keine Nahrung mehr für ihren Nachwuchs beschaffen. Diese Küken haben in der Natur keine Überlebenschance; sie würden verhungern.

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Die Wissenschaftler sammelten in den Jahren 2006 und 2007 mehr als 1300 solcher Küken ein. Sie wurden in einer Vogelschutzstation für durchschnittlich gut anderthalb Monate von Hand aufgezogen. In Gefangenschaft waren sie anfällig für verschiedene Erkrankungen, etwa für Malaria, Atemwegserkrankungen oder für Infektionen an den Füßen. Soweit wie möglich wurden diese medikamentös behandelt.

Insgesamt ließen die Wissenschaftler 91, beziehungsweise 73 Prozent der in beiden Jahren eingesammelten Tiere nach der Handaufzucht wieder frei, einige von ihnen markiert. Bis Ende 2012 hatten sie 13 Prozent der markierten Tiere im Freiland wieder gesichtet. Einige dieser Tiere brüteten, etwa die Hälfte davon in ihren ursprünglichen Kolonien, der Rest in anderen Brutkolonien. Die Überlebensrate der Tiere sei vergleichbar mit der von Pinguinen, die nach einem Ölunfall von Hand aufgezogen worden waren, und auch mit der von freilebenden Tieren, berichten die Wissenschaftler.

Angesichts des Populationsrückgangs sei die Handaufzucht eine wertvolle Artenschutzmaßnahme. Allerdings müssten Methoden entwickelt werden, wie verlassene Küken aus der Kolonie entfernt werden können, ohne die anderen Tiere zu stören. Außerdem müsse verhindert werden, dass bei der Freilassung Krankheiten in die Wildnis eingeschleppt werden.

nik/dpa



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