Piraterie-Vorwurf: Russland schottet Greenpeace-Aktivisten ab

Russisches Polarmeer: Greenpeace-Aktivisten in Gewahrsam Fotos
Greenpeace/ Denis Sinyakov

Niemand weiß, wie es den Aktivisten geht. Niemand weiß, wann genau die russischen Grenzschützer die "Arctic Sunrise" in den Hafen von Murmansk bringen. Greenpeace hat noch keinen Kontakt zu seinen Mitgliedern. Diesen droht bis zu 15 Jahre Haft.

Moskau - Auch zwei Tage nach dem Vorfall haben die Greenpeace-Aktivisten weiter keinen Kontakt zu ihren Kollegen an Land. "Sobald das Schiff in Murmansk ist, werden wir sehen, was unseren Aktivisten genau vorgeworfen wird", sagte Jörg Feddern von Greenpeace am Samstag. Die "Arctic Sunrise" wird frühestens am Montag in der nordrussischen Hafenstadt erwartet.

27 Aktivisten von Greenpeace harren derzeit auf der "Artic Sunrise" aus, die vom russischen Grenzschutz geentert wurde und jetzt in den Hafen von Murmansk geschleppt wird. Die Umweltschützer hatten in der Petschorasee in Schlauchbooten gegen geplante Bohrungen durch Gazprom protestiert und versucht, im Nordpolarmeer eine Ölplattform zu erklimmen. Sie hätten dort ein Transparent anbringen wollen, hieß es.

Jetzt müssen sich die Umweltschützer wegen Piraterie verantworten. Das teilte die Ermittlungsbehörde in Moskau mit. Laut Gesetz stehen darauf bis zu 15 Jahre Haft. "Die Vorwürfe sind sehr hart, entbehren aber nach unserer Einschätzung jeder Grundlage", sagte Feddern. Das Moskauer Büro der Organisation warf dem für den Grenzschutz zuständigen Geheimdienst FSB erneut ungesetzliches Handeln vor. "Bislang hat der FSB die Greenpeace-Aktivisten weder offiziell angeklagt noch ihnen die Gründe für ihre Festnahme erklärt", hieß es in einer Mitteilung.

Laut Greenpeace lag die "Arctic Sunrise" 40 Seemeilen vor der russischen Küste, also in internationalen Gewässern. Die sogenannte SUA-Konvention und ein zugehöriges Protokoll machen schon den Versuch, eine Plattform zu besetzen, zur Straftat - auch wenn die Besatzung nicht direkt angegriffen wird.

Am Donnerstag hatte der Inlandsgeheimdienst FSB das Schiff geentert und die Crew festgesetzt. Der Kapitän habe Aufforderungen zum Stopp ignoriert, hieß es. Die "Arctic Sunrise" habe sich in der von Russland festgelegten 500 Meter breiten Sperrzone rund um die Bohrinsel befunden, sagte eine Sprecherin des Grenzschutzes im nordrussischen Gebiet Murmansk. Das Schiff habe sich nicht in neutralen Gewässern befunden. "Den Umweltschützern wird höchstwahrscheinlich zur Last gelegt, das Gesetz über den Festlandsockel und die ausschließliche Wirtschaftszone der Russischen Föderation verletzt zu haben", so die Sprecherin weiter.

Vor dem Gebäude der Küstenwache in Murmansk veranstalteten junge Umweltschützer aus Protest gegen das Vorgehen der Behörden eine Mahnwache. Weltweit demonstrierte Greenpeace vor russischen Botschaften gegen das Vorgehen der Behörden, darunter in Berlin.

ala/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
johnnybongounddie5goblins 21.09.2013
Zitat von sysopGreenpeace/ Denis SinyakovNiemand weiß, wie es den Aktivisten geht. Niemand weiß, wann genau die russischen Grenzschützer die "Arctic Sunrise" in den Hafen von Murmansk bringen. Greenpeace hat noch keinen Kontakt zu seinen Mitgliedern. Diesen drohen bis zu 15 Jahre Haft. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/piraterie-vorwurf-greenpeace-aktivisten-drohen-lange-haftstrafen-a-923651.html
Diese Greenpeacer meinen ja stets, dass sie über dem Gesetz stehen. In Russland ist das offenbar nicht der Fall. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.
2. hochkant
linkslibero 21.09.2013
Mit dem Vorgehen gegen Greenpeace zeigt Putins Russland ein weiteres Mal, was für ein archaischer, rückständiger und barbarischer Schurkenstaat es ist. Umweltschutz gilt für die Putinisten bestenfalls als Gedöns, der Profit mit "primitiver Rohstoffwirtschaft"(Medwedjew) ist alles, was diese Gangster interessiert. Putins Russland ist ein internationaler Paria-Staat, der schon längst nichts mehr zu suchen hat in G8, G20 und Europarat. Schleunigst muß der putinistische Mafia-Staat aus diesen Gremien hochkant rausgeschmissen werden.
3. Totale Überreaktion der Russen
multimusicman 21.09.2013
mit dem Ziel der Abschreckung. Meine Anerkennung für den Mut der Greenpeaceaktivisten !!
4. Man ist vom Westen verwöhnt
mescal1 21.09.2013
Bisher war es ja so, dass man die gewollte Aufmerksamkeit der Medien bekam, wenn man gegen westliche Firmen, gegen westliche Staaten agierte. Bei Gefahren wurde im Gegenteil noch die Firma, der Staat angeklagt und es war so schön für Greenpiss sich doch bei den Aktionen vewöhnen zu lassen. Im Osten wird man sich in Zukunft überlegen, seine doch so überlegene Moral und Gewissheit zur Schau zu tragen bei Aktionen. Dort geht man eben etwas direkter vor. Finde ich gut, dass den Greenpissern mal etwas Wind um die Ohren weht. Ich sage voraus, dass die sich in Zukunft mit ihren Aktionen wieder auf den "Westen" konzentrieren werden, bringt mehr Geld, ist nicht so kompliziert und angenehmer.
5. Riskant
frank1980 21.09.2013
Die Greenpeace Leute gehen ein hohes Risiko ein. In diesem Fall haben sie wohl zuviel riskiert. Die Frage ist nun ob die Politik eine harte Bestrafung wünscht. Ist das so, wandern die Leute ins Gefängnis, ob die Anklagepunkte zutreffen oder nicht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Arktisches Monopoly
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 59 Kommentare