"Pizza-Maus" Verändert Fast Food die Mäuse in New York?

Das Fast-Food-Angebot in New York ist groß - und an den Essensresten bedienen sich auch Tiere. Wissenschaftler haben nun untersucht, ob dabei eine neue Spezies entstehen kann.

Weißfußmaus (Peromyscus leucopus)
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Weißfußmaus (Peromyscus leucopus)


Stadtmäuse sind anders als ihre auf dem Land lebenden Artgenossen. Das legt zumindest eine US-Studie nahe, in der Wissenschaftler das Erbgut von New Yorker Mäusen mit dem von Tieren in ländlichen Gebieten verglichen haben. Die Forscher wollten herausfinden, wie sich die Stadtmäuse an die dortigen Lebensbedingungen angepasst haben.

Ihre Hypothese: Das üppige Fast-Food-Angebot in der Stadt könnte zu Veränderungen in der DNA führen, die die Tiere von Generation zu Generation weitergeben - und so zur Entstehung einer neuen Mäuse-Art beitragen. Tatsächlich fanden Stephen Harris von der State University und Jason Munshi-South von der Fordham University in New York insgesamt 19 Erbgutunterschiede. Mehrere davon spielten bei der Verdauung und anderen Stoffwechselprozessen eine Rolle. Zudem hätten die Stadtmäuse eine größere Leber.

Die Wissenschaftler hatten in drei Stadtparks und drei ländlichen Gegenden insgesamt 48 Weißfußmäuse (Peromyscus leucopus) gefangen und ihr Erbgut untersucht. Unterschiede fanden sich demnach zum Beispiel bei Genen, die für die Verarbeitung von Fettsäuren bedeutsam sind. Fast Food enthält üblicherweise eine Menge Fett.

An Fast Food angepasste "Pizza-Maus"

Die Forscher nehmen an, dass nach vielen vorwiegend von kalorienreichen Essensresten lebenden Generationen eine Art "Pizza-Maus" entstehen könnte, die speziell an die Verwertung ungesunden Fast Foods angepasst ist. Als "Pizza-Ratte" ist vor rund zwei Jahren ein Nagetier zum YouTube-Star geworden, weil es ein Stück Pizza eine U-Bahn-Treppe im East Village hinunterzog. Auch ein Milchshake-schlürfendes Eichhörnchen sorgte für Belustigung.

Die Forscher fanden bei ihrer Untersuchung der Mäuse auch Hinweise auf Krankheiten wie nicht-alkoholische Fettleber. Dabei sei ihnen der Begriff "Cheeseburger-Hypothese" in den Sinn gekommen - für Mäuse, die ihre Ernährung auf menschlichen Abfällen aufbauen, sagte Harris dem Fachmagazin "New Scientist". Die Wissenschaftler geben aber selbst zu bedenken, dass die Zahl der untersuchten Tiere viel zu klein ist, um gesicherte Aussagen treffen zu können.

Außerdem wies Harris darauf hin, dass New York in seinen Parks auch andere Nahrung wie Samen, Nüsse und Beeren biete. Diese Ressourcen seien großzügiger als in ländlichen Gegenden, wo es mehr Wettbewerb durch andere Arten gebe. Die Mäuse könnten einen vielseitigen Mix aus städtischen Futterangeboten nutzen und ihre Kalorienaufnahme gelegentlich durch den Genuss menschlicher Essensreste ankurbeln, wird Jonathan Richardson vom Providence College in Rhode Island im "New Scientist" zitiert.

Zudem müsse die Funktion der betroffenen Genabschnitte genauer untersucht werden, sagte Hopi Hoekstra von der Harvard University dem Magazin. Es liefen derzeit mehrere Studien zu solch schnellen Anpassungen von Lebewesen. "Sie bieten uns eine richtig coole Möglichkeit, evolutionäre Anpassungen zu untersuchen, während sie gerade passieren."

brt/dpa



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