Dass sich die Quallen in den Weltmeeren immer stärker ausbreiten, schien ein sicherer Trend zu sein. Doch ein internationales Forscherteam widerspricht nun: Vermehrte Sichtungen von Quallen sind wohl im Wesentlichen auf einen 20 Jahre dauernden Zyklus zurückzuführen. In diesem Zeitraum wächst die Zahl der Meerestiere deutlich an, um anschließend wieder ebenso abzunehmen.
Im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten die Wissenschaftler, dass sich Quallen zuletzt in den neunziger und frühen Nullerjahren deutlich vermehrt hätten. Sie stützen sich dabei auf Daten, die zwischen 1874 und 2011 gesammelt wurden.
Auch in den siebziger Jahren kam es zu einem rasanten Anstieg der Quallenzahl. Doch das wurde im Vergleich kaum wahrgenommen, da sich relativ wenige Forscher mit den Tieren beschäftigten und Berichte über lokale Quallenschwemmen sich nicht so gut verbreiteten wie heute.
Die Daten, auf die die Forscher zurückgreifen konnten, stammen zu 87 Prozent von der Nordhalbkugel, wo das Quallenvorkommen vor allem im Atlantik sowie im Mittelmeer studiert wurde. Mehr Informationen zum Stand auf der Südhalbkugel seien daher erforderlich.
Von Überfischung profitiert
Insgesamt ist die Zahl der Quallen seit 1970 leicht gestiegen, schreibt das Team um Robert Condon vom Dauphin Island Sea Laboratory (US-Bundesstaat Alabama). Ob dieser Trend bestehen bleibt, können die Forscher noch nicht sagen. Dies müssten Beobachtungen in den kommenden zehn Jahren zeigen.
Dass Quallen in den vergangenen Jahrzehnten zahlreicher geworden sind, könnte mit menschlichen Eingriffen ins Meer zusammenhängen. Die Tiere profitieren von Überfischung, weil so ihre Nahrungskonkurrenten schwinden. Außerdem kommen sie gut mit steigenden Temperaturen klar und überstehen auch den für viele Arten gefährlichen Sauerstoffmangel in manchen Küstenzonen besser.
Wenn sich Quallen explosionsartig vermehren, wirkt sich dies auf Fischerei und auf den Tourismus in Küstenregionen aus. Daher ist es wichtig, mögliche Quallenplagen vorhersagen zu können. Die Erkenntnis, dass die Quallenzahlen weltweit synchron steigen und fallen, könne nun dabei helfen, die langfristigen natürlichen und klimatischen Ursachen für das Phänomen zu ergründen, meinen Condon und seine Kollegen.
wbr
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