Unbekannte Winzlinge Die faszinierende Mikrowelt der Ozeane

Winzige Organismen im Meer produzieren die Hälfte des weltweiten Sauerstoffs. Forscher kennen die Wesen kaum, dabei sind sie für das Überleben der Menschheit unverzichtbar. Nun öffnen faszinierende Fotos einen Blick ihre Welt.

Tara Expéditions/ CNRS/ Christian Sardet

Dreieinhalb Jahre lang haben Hunderte Forscher die Zusammensetzung von Plankton in allen Weltmeeren untersucht. Für das internationale Mammutprojekt sammelten sie an Bord des Segelschiffes "Tara" Proben an 210 Stellen bis in eine Tiefe von 2000 Metern. Die Analysen, deren erste Resultate das Fachblatt "Science" nun in fünf Artikeln (1, 2, 3, 4, 5) veröffentlicht, sollen diese weitgehend unbekannte Welt erschließen.

Plankton produziert - in den sonnendurchfluteten oberen Meeresschichten - die Hälfte des weltweit gebildeten Sauerstoffs. Die Größe der einzelnen Organismen reicht von 0,02 Mikrometern bis 2 Millimeter. In der Gruppe zu finden sind Organismen von Viren über Bakterien bis zu Meerestierchen. Die Vielfalt der Lebewesen haben die Forscher in eindrucksvollen Bildern festgehalten.

Temperatur bestimmt Zusammensetzung der Arten

"Zusammen liefern diese Studien zwingende Belege für ausgedehnte Netzwerke von bisher versteckten biologischen Interaktionen im Meer", schreiben zwei US-Forscher in einem "Science"-Kommentar. "Die 'Tara'-Meeresexpedition hat einen Schatz an Daten erzeugt, der jedem zur Verfügung steht, der einzutauchen bereit ist."

Neben der Sauerstoffproduktion sind die Organismen als Nahrungsquelle entscheidend für das Überleben der Tiere im Meer. Selbst große Wale ernähren sich von den winzigen Lebewesen. Ein Erbgut-Katalog mit 40 Millionen Genen, den eine Forschergruppe um Shinichi Sunagawa vom Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg aus den Daten der Expedition erstellt hat, soll Aufschluss über die Vielzahl der Arten geben.

Die Zusammensetzung verschiedener Plankton-Gemeinschaften in den oberen Schichten hängt vor allem von der Temperatur ab, berichten die Forscher. Dies deutet darauf hin, dass die Erderwärmung starken Einfluss auf Gemeinschaften haben dürfte.

Kein Vorbeikommen am Kap Agulhas

Durchmischt werden die Lebensgemeinschaften besonders stark am Übergang zwischen Indischem Ozean und Atlantik vor dem Kap Agulhas an der Südspitze Afrikas. Kein Wunder: Die sogenannten Agulhasringe gehören zu den stärksten Wirbeln im gesamten Ozean. Hier mischt sich warmes Wasser aus dem Indischen Ozean mit kalten Atlantikströmungen.

"Es ist, als ob das Plankton an der Spitze Südafrikas kalt durchgespült wird", sagt Daniele Iudicone von der Stazione Zoologica Anton Dohrn in Neapel. "Die Strömung bildet riesige Wirbel, die das Plankton kräftig durchmischen und abkühlen. Dadurch wird die Anzahl der Arten verringert, die auf die andere Seite gelangen können."

jme/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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magic88wand 22.05.2015
1. Mag sein ...
... dass Plankton in den Weltmeeren die Hälfte unseres Sauerstoffes produzieren. Aber das tun bestimmt keine Viren, denn die haben gar keinen Stoffwechsel. Und auch "Meerestierchen" nicht, soweit mit diesem Begriff tatsächlich zu den Tieren gehörende Lebewesen gemeint sind, denn diese produzieren keinen Sauerstoff, sondern verbrauchen ihn. Bakterien ist hier die einzige korrekte Nennung. Dazu kommen aber noch viele Kleinstlebewesen, die weder Pflanzen, Tiere noch Bakterien sind.
lieber 22.05.2015
2. Was soll dieser Artikel, wenn nicht darauf
hingewiesen wird, dass die Erderwärmung bzw. die Erwärmung der Meere eine Gefahr für das Plankton darstellt und der Mensch damit auf dem Ast sägt, auf dem er selber sitzt. Es ist höchste Zeit hier Alarm zu schlagen.
cindy2009 22.05.2015
3. @lieber
Das ist Quatsch. Gerade Plankton, wenn Sie Algen und etc. meinen, macht sich in den Weltmeeren in allen Temperatur Regionen breit.
nomenestomen1 22.05.2015
4.
das problem ist das plankton von den ultravioletten strahlen der sonne getötet wird oder mutiert schuld sind die ozonlöcher
taglöhner 22.05.2015
5. Wissenschaft
Zitat von lieberhingewiesen wird, dass die Erderwärmung bzw. die Erwärmung der Meere eine Gefahr für das Plankton darstellt und der Mensch damit auf dem Ast sägt, auf dem er selber sitzt. Es ist höchste Zeit hier Alarm zu schlagen.
Seriöser Beleg?
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