Satellitenbild der Woche Tanzende Meeresstrudel

Im Nordmeer hat die Frühlingssonne ein Kunstwerk geschaffen: Planktonstrudel tanzen umeinander, sie sind ein Segen für die Fischerei - doch der grüne Blütentraum ist nur von kurzer Dauer.

Nordmeer mit Planktonblüte (grün) und Bewölkung (weiß), im Osten liegt Norwegen, im Westen Grönland.
NASA/ Goddard

Nordmeer mit Planktonblüte (grün) und Bewölkung (weiß), im Osten liegt Norwegen, im Westen Grönland.


Jedes Jahr Ende Mai ist es wieder soweit, der Ozean zwischen Norwegen und Grönland erblüht. Die Nordhalbkugel schwenkt ins Sonnenlicht, die Tage werden länger und wärmer - die Sonnenstrahlung treibt den Stoffwechsel der Pflanzen an, ihre Photosynthese springt an.

Im Nordmeer gedeiht das Plankton, bestehend aus vielen Algenarten. Das Wasser an der Oberfläche wird so warm, dass es sich kaum noch mit kälterem darunter mischt - warmes Wasser ist leichter als kaltes. Auf dem Meer bilden sich grüne Planktonteppiche, die der Nasa-Satellit "Aqua" nun fotografiert hat.

Sie zeichnen Abertausende Strudel nach, die normalerweise kaum sichtbar sind. Es wird deutlich: Die Meeresoberfläche besteht aus Strudeln, die umeinander kreisen wie Tänzer. Die Wirbel strömen ungefähr fünf Kilometer am Tag vorwärts, das haben Messungen ergeben.

Tropische Wälder verblassen dagegen

Ihre satte Färbung stammt vom Blattgrün, vom Chlorophyll, das der Fotosynthese dient: Das Plankton wandelt Kohlendioxid (CO2) mithilfe des Chlorophylls und mit Sonnenlicht und Wasser in Zucker um - daraus bilden die Pflanzen ihre Zellen.

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Studien zufolge binden Organismen in den Ozeanen mehr Kohlenstoff als alle tropischen Wälder zusammen. Sie filtern das Treibhausgas CO2 aus der Luft und bremsen auf diese Weise die Klimaerwärmung. Ohne sie wäre Schätzungen zufolge die Menge von CO2 in der Luft um mehr als 50 Prozent größer.

Kräftiger Wind wie in den vergangenen Tagen facht die Blüte an: Er mischt das Wasser, wodurch Nährstoffe aus der Tiefe an die Oberfläche gelangen. Studien zeigen, dass besonders nach starken Winterstürmen in darauffolgenden Sommern große Planktonblüte im Nordmeer gedeiht.

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Plankton im Meer: Schöne Schlieren

Sinken die Blüten zu Boden, können sie zum Problem werden: Bakterien, die sich über das Plankton hermachen, verbrauchen Sauerstoff. Bleibt kaum Sauerstoff übrig, entstehen sogenannte Todeszonen, in denen keine Tiere leben können.

Abgestorbenes Plankton setzt zudem Eiweiß frei, das gelegentlich als Schaum an die Küsten spült. Badegäste an Stränden riechen dann stinkende Schwefelsubstanzen - Gase aus den Planktonteppichen.

Im Nordmeer bringt das Plankton Leben: Meerestiere ernähren sich davon; der große Fischreichtum des Nordmeers, von dem besonders die Anrainerstaaten Island, Grönland und Norwegen profitieren, ist wesentlich dem vielen Plankton zu verdanken.

Im Laufe des Sommers verliert sich die Blüte im Nordmeer. Die Lebewesen haben die Nährstoffe im Wasser aufgezehrt, sodass weniger gedeihen. Das Meer erdunkelt - bis zum nächsten Frühjahr.

boj



insgesamt 3 Beiträge
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Worldwatch 19.06.2017
1. Segen und Fluch
?Sinken die Blüten zu Boden, können sie zum Problem werden: Bakterien, die sich über das Plankton hermachen, verbrauchen Sauerstoff. Bleibt kaum Sauerstoff übrig, entstehen sogenannte Todeszonen, in denen keine Tiere leben können.? Als Laie kommt sofort die Frage auf, bis wann und wie ist das Plankton Segen, ab wann kehrt sich dieser Segen, und warum, ins Gegenteil? Dank vorab.
Worldwatch 19.06.2017
2. Durch die unkontrollierte wie massenhafte ...
... Vermüllung und Landwirtschaftschemie der Meere und Ozeane, sowie regionaler Überfischungen, inklusive Fischreipiraterien, entstehen Verkettungen die für das Phytoplankton zu sehr problematischen Spannungsverhaeltnissen führen kann. Inklusive Todeszonen. Inwieweit aber trägt der Mensch dadurch zur Verwüstung von Meeren und Ozeanen bei, und sind die Auswirkungen noch reversibel/renaturierbar? Und wie gross mag die überstarke Bejagung der Top-Predatoren/(Schwarm-)Raubfische & Wale darauf zusätzlich negative Einflüsse nehmen?
Z-Schwarzschild 19.06.2017
3. Lustig! Auf den ersten Blick,
sieht es aus wie ein Bild vom Jupiter :-).
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