Verschmutzung der Meere Wieso Fische Plastikmüll mögen

In den Meeren treiben große Mengen Plastik. Vögel, Krebse und Fische fressen den Müll, obwohl er ihnen schaden kann. Warum wirkt der Abfall lecker? Das hat laut einer aktuellen Studie mit Geruch zu tun.

Plastiktüte im Meer
DPA

Plastiktüte im Meer


Fische auf Futtersuche werden vom Geruch von im Meer treibenden Plastikteilen angelockt. Die Geruchsstoffe stammen dabei aber nicht vom Plastik selbst, sondern von kleinen Meeresorganismen, die auf den Partikeln siedeln. Das konnten US-Forscher an Sardellen zeigen, schreiben sie in den "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Plastik ist in den Ozeanen weit verbreitet, viele Fischarten fressen es. Das kann die Tiere töten und giftige Stoffe in die Nahrungskette bringen. Experten vermuten, dass mehr als Hundert Millionen Tonnen Abfälle in den Weltmeeren treiben. Das Gros davon sind Plastiktüten und anderer, oft winziger Plastikmüll. Warum Fische Plastikteile fressen, ist bisher nicht gänzlich klar. Eine Erklärung ist, dass die Partikel ihrer Beute ähnlich sehen.

Im Video: So verschmutzt Müll die Meere

NASA

Die Forscher um Matthew Savoca von der University of California in Davis wollten herausfinden, ob auch der Geruch von Plastikteilchen auf Fische wirkt. Dazu beobachteten sie Sardellenschwärme in Aquarien. Die Fische waren zuvor im Meer gefangen worden.

Für die Untersuchung stellten die Wissenschaftler eine spezielle Geruchslösung her. Sie ließen wenige Millimeter große Plastikteilchen drei Wochen lang im Ozean treiben. In dieser Zeit wuchsen Meeresorganismen wie beispielsweise Algen auf den Teilchen. Dann wurde das Plastik entnommen und in einem speziellen Verfahren mit Wasser gemischt. Anschließend filterten die Wissenschaftler alle Teilchen aus der Lösung, die von Sardellen als Futter identifiziert werden könnten. Die Geruchsstoffe blieben in der Lösung.

Reaktion ähnlich wie bei echtem Futter

In ihrem Experiment fanden die Forscher heraus, dass die Fische auf diese Geruchslösung ähnlich reagierten wie auf echtes Futter. Sie rückten enger zusammen und orientierten sich weniger an der Strömung. Eine ähnliche Lösung, die mit unbehandelten Plastikteilchen hergestellt wurde, und einfaches Meerwasser ließen die Tiere hingegen kalt.

Die Geruchsstoffe, auf die Sardellen reagieren, stammen also nicht vom Plastik selbst, sondern von den Algen, die darauf siedeln. "Das ist der erste Beweis in einem Verhaltensexperiment, dass Plastikteilchen für Fische chemisch attraktiv sein dürften", schreiben die Forscher um Savoca.

Im Nachhaltigkeitstraining von SPIEGEL WISSEN gibt's Tipps gegen Plastik:

Auch für Melanie Bergmann, Meeresökologin am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), ist der Nachweis neu. Überrascht ist sie nicht: "Das hatten die Autoren kürzlich auch schon bei Vögeln gezeigt, und auch Ruderfußkrebse, die als Plankton am Anfang der Nahrungskette stehen, verzehren bevorzugt bewachsenes Mikroplastik", sagt sie.

Die Datenlage zur Bedrohung von Fischen durch Mikroplastik sei noch relativ dünn, sagt Bergmann. "Dass Fische durch Plastikmüll geschädigt werden, ist sehr schwer nachzuweisen. Deshalb gibt es keine Zahlen zur Sterblichkeit." Allerdings hätten französische Studien gezeigt, dass das Plastik nicht im Magen-Darm-Trakt der Sardellen bleibt, sondern es durchaus bis in die Leber schafft. Wie das durch Fische aufgenommene Plastik auf den Menschen wirkt, sei bisher nicht bekannt.

Valentin Frimmer, dpa/brt

insgesamt 8 Beiträge
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mrrich 16.08.2017
1. Wie das Plastik in der Nahrungskette
wirkt, ist nicht bekannt. Da der Müll da nicht hingehört, ist die Wirkung garantiert nicht positiv.
Lord Menial 16.08.2017
2. Erst kommt das Fressen, ....
"Vögel, Krebse und Fische fressen den Müll, obwohl er ihnen schaden kann." Vögel, Krebse und Fische haben keine Einsicht in die Schädlichkeit dessen, was sie fressen. Der Mensch, dem die Schädlichkeit sehr wohl bekannt ist, nimmt dennoch freiwillig Schadstoffe auf: Man denke nur an das Rauchen, den Alkohol und anderes mehr. Wer kann da Vögeln, Krebsen und Fischen Vorwürfe machen, daß sie Plastik nicht verschmähen. Nahrung ist in der Natur regelmäßig ein Mangelgut, und Fressen daher ein Instinktverhalten.
Kamillo 16.08.2017
3.
Jeder kann selbst ein bischen was tun. Klar, erstmal auf Plastikverpackungen und Tüten wo es geht verzichten. Aber auch beim Strandurlaub. Hab ich so auf Bali neulich gemacht: Wenn ich beim Schwimmen/Tauchen/Schnorcheln Plastikmüll im Meer fand, hab ich es in die Badehose eingewickelt und am Strand in einen Mülleimer geworfen. Ist zwar nur ein Tropfen auf den Heißen Stein, aber die Einheimischen haben es gesehen und denken hoffentlich drüber nach.
mhwse 16.08.2017
4. Wenn man Wirbellose dazu bringen könnte das Mikroplastik zu fressen
und diese anschliessend z.B. mit Pheromon-Fallen fangen könnte, wäre das ggf. eine Herangehensweise. Klar ist das weder nett, noch ökologisch - nur wenn Fische und Säugetiere durch das Gift beschädigt werden, ist das auch nicht optimal. Nur so eine Idee - aber da sich die Tiere von selbst vermehren, ggf. eine durchführbare .. (nichts tun macht die Sache auch nicht besser - sofort kein Plastik mehr benutzen ist ebenso, zwar heroisch, aber keine Lösung - es dauert mindestens 1000-2000 Jahre bis der Dreck der jetzt schon vorhanden ist, von selbst verschwindet)
farfromhere 16.08.2017
5. Grundproblem
Das Grundproblem ist, dass bei der Herstellung von Produkten nicht auf Nachhaltigkeit gesetzt wird sondern rein kapitalistisch gedacht wird. Was kümmert mich die Umwelt wenn ich zwei Euro mehr verdienen kann. Wir sollten alle mal darüber nachdenken, ob es das billige Wegwerf-Produkt aus dem Aldi sein soll, oder ob man etwas mehr Geld für ein Produkt investiert, was dann auch zehn Jahre hält (und nicht so viel Müll produziert). Das sollte sich jeder selbst an der Nase packen. Und wem das alles egal ist, der sollte sich nicht wundern, wenn die Menschen zukünftig eben früher als normal an verunreinigtem Essen sterben...
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