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Umweltverschmutzung: Zwei Drittel der Seevögel haben Plastikmüll im Magen

Forscher schlagen Alarm: Die meisten Seevögel haben bereits jetzt Plastikreste im Magen. Im Jahr 2050 könnten bis zu 95 Prozent aller Tiere betroffen sein. Die Wissenschaftler fordern eine bessere Müllentsorgung.

Die Ergebnisse der Forscher fallen düster aus: Nahezu alle Seevögel-Arten werden in den kommenden Jahrzehnten Probleme mit Plastikmüll im Meer bekommen, berichten sie in einer Studie. 99 Prozent der untersuchten 186 Spezies würden bis zum Jahr 2050 Kunststoffteilchen aufnehmen, berechnet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Besonders gefährdet sind demnach die Bewohner des Südlichen Ozeans, auch Antarktischer Ozean genannt.

Schon lange macht Plastikmüll vielen Meeresbewohnern Probleme, etwa Fischen, Walen, Robben, Schildkröten oder Seevögeln. Sie können sich in Plastik verheddern und ertrinken. Zudem können verschluckte Teile den Verdauungstrakt verstopfen, sodass die Tiere verhungern. Überdies reichern sich in Kunststoff Giftstoffe an, berichten die Forscher um Chris Wilcox von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation im australischen Hobart.

Rückstände vom Plastik im Magen

Experten schätzen, dass zurzeit jährlich zwischen 5 und 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere gelangen. Derzeit treiben pro Quadratkilometer bis zu 580.000 Partikel durch die Ozeane, schreibt das Team um Wilcox. Besonders besorgniserregend sei, dass die weltweite Kunststoffproduktion rasant steige und damit auch der Plastikmüll.

Zwei Drittel der Seevögel hätten bereits jetzt Rückstände von Plastikmüll im Verdauungstrakt, sagt Erik Van Sebille vom Imperial College London, Co-Autor der Studie. Dies könne zu dem Phänomen beitragen, dass bei der Hälfte aller Seevögel-Arten die Bestände zurückgehen.

"Wir prognostizieren, dass die Aufnahme von Plastik bei Seevögeln zunehmen wird, dass es bis 2050 im Verdauungstrakt von 99 Prozent aller Seevögel-Arten gefunden wird", schreiben die Forscher. Im selben Jahr dürften 95 Prozent der Individuen dieser Arten Plastik verschluckt haben. Diese Prognose basiert auf der Annahme, dass sich die weltweite Kunststoffproduktion alle elf Jahre verdoppelt und in der Folge der Plastikmüll in den Meeren weltweit dramatisch zunimmt.

Interaktive Weltkarte
Am schlimmsten betroffen sei die Tasmansee zwischen Neuseeland und Australien sowie der nördliche Teil des Südlichen Ozeans, der die Antarktis umgibt. Dort treibe viel Plastik im Wasser, zusätzlich sei die Region reich an Seevögel-Spezies.

Nötig sei eine effektive Müllentsorgung, denn Plastik im Meer verrottet kaum. Zudem brauche man Studien zur Verschmutzung der Meere um Indonesien und der Nordsee. Die Datenlage für diese Regionen sei eher dünn, obwohl sie "dafür bekannt sind, das manche Seevögel-Arten viel Plastikabfall verschlucken", schreiben die Wissenschaftler.

Eissturmvögel haben Plastik im Magen

Das bestätigt Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim deutschen Naturschutzbund (Nabu): "Fast jeder an der Nordsee tot aufgefundene Eissturmvogel hat Plastik im Magen, durchschnittlich 30 Partikel." Zudem nutzen die Vögel Plastikteile beim Nestbau, mit dramatischen Konsequenzen: "Viele, vor allem junge, Vögel strangulieren sich darin und hängen als trauriges Mahnmal im Lummenfelsen Helgoland. Für die Ostsee gibt es solche Zahlen nicht, die Problematik ist aber ähnlich."

Zwar sei die deutsche Abfallentsorgung gut organisiert, "der Fehler beginnt oftmals davor, im Produktdesign. Zu viel Verpackung, Kurzlebigkeit, Einwegprodukte", bemängelt Detloff. Nur knapp die Hälfte des eingesammelten Mülls werde recycelt, der Rest verbrannt. "Hier müssen auch wir in Deutschland und Europa besser werden."

nik/dpa

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    Seite 1    
1. Mit anderen Worten
hwdtrier 31.08.2015
Aus Deutschland kein Plastikmüll durch unsere gute Entsorgung/Verbrennung.
2. also wir...
Max Murks 31.08.2015
...schlachten regelmäsig seevögel, in keinem haben wir plastik gefunden.
3.
Celegorm 31.08.2015
Zitat von hwdtrierAus Deutschland kein Plastikmüll durch unsere gute Entsorgung/Verbrennung.
Na woher kommen denn die Plastikpartikel in der Nordsee sowie deutschen Flüssen und Seen? Werden die aus China angespült? Ein verhältnismässig gutes Entsorgungssystem ist halt noch lange kein perfektes und bei der enormen Menge an Plastikmüll, die permanent produziert wird, ist es halt bereits fatal, wenn ein kleiner Prozentsatz durch die Maschen schlüpft..
4. empfehlenswert ist ein
opinio... 31.08.2015
Schnorchelgang im Golf von Siam, vom Festland aus. Schwierig zu unterscheiden, das Lebende vom Toten. Ist es eine Qualle oder nur eine Plastiktüte, die noch nicht am Strand liegt. Die See ist milchig. Abwasser, Auswirkung der Verklappungsschiffe, die täglich als Schleppzug vom Chaopraya kommen, sind es die Chemikalien aus den Garnelenfarmen oder ist es schlicht Abwasser. Man weiß es nicht ganz genau, wahrscheinlich en Mixtur aus Allem. Angeekelt weder man sich dem Pool zu und fragt sich warum ausgerechnet hierhin gereist ist.
5. Wo der Müll herkommt ...
ihawk 31.08.2015
Wo der Müll-Entsorger her kommt und wie überprüfbar dessen "Geschäfte" sind, ist der rein kapitalistisch orientierten Politik vollständig egal - Hauptsache auf dem Papier sieht es sauber aus und letzteres ist bekanntlich sehr geduldig. Ich denke, die Bundeskanzlerin hat zu diesem Thema keine "belastbaren Erkenntnisse".
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