Polen Kinder gebissen - Behörden prüfen, ob Hund oder Wolf

Ein Tier hat in Südostpolen zwei Kinder verletzt und wurde daraufhin von einem Jäger erschossen. Experten untersuchen nun die DNA.

Wald in der Gebirgslandschaft Bieszczady
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Wald in der Gebirgslandschaft Bieszczady


Ein Wolf soll in Südostpolen zwei Kinder attackiert und verletzt haben. Polizeiangaben zufolge wurde das Tier, bei dem es sich mutmaßlich um einen Wolf handelt, von einem Jäger erschossen. Ergebnisse einer DNA-Untersuchung, die Aufschluss über Art und Herkunft des Tieres geben sollten, standen am Donnerstag noch aus.

"Wir müssen die Ergebnisse der DNA-Analyse abwarten", sagte Lukasz Lis vom südostpolnischen Umweltschutzamt in Rzeszow der Agentur PAP. Tollwut wurde nach Angaben des örtlichen Veterinäramts ausgeschlossen. Das Tier wies demnach keine Anzeichen einer Erkrankung auf.

"Untypisches Verhalten"

Laut den zuständigen Behörden griff das Tier die Kinder am Dienstagabend getrennt voneinander in der Gebirgslandschaft Bieszczady an, die an die Slowakei und die Ukraine grenzt. Erst wurde demnach ein acht Jahre altes Mädchen verletzt, dann nur zwei Kilometer weiter ein zehn Jahre alter Junge. Beide Kinder kamen zeitweilig ins Krankenhaus, wurden inzwischen aber wieder entlassen.

Die Naturschutzorganisation WFF Polska ermahnte, aufgrund des Vorfalls keine Panik vor Wölfen insgesamt zu verbreiten. Gesunde Wölfe würden Menschen eher meiden, betonte die Organisation. Angriffe auf Menschen seien ein absolut untypisches Verhalten.

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Raubtier: Die Wölfe sind zurück

Auch in Deutschland leben mittlerweile wieder Wölfe. Sicher nachgewiesen sind in Deutschland laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) 60 Rudel, 16 Wolfspaare und zwei Einzeltiere. Inklusive der in einem Rudel lebenden Jungtiere ergibt sich daraus die geschätzte Zahl von 370 Wölfen, die 2017 in Deutschland gelebt haben. Der deutsche Jagdverband glaubt, dass es in diesem Jahr schon mehr als tausend Wölfe sein könnten.

Die Ausbreitung des Wolfs führt immer wieder zu Konflikten mit Menschen. Der Jagdverband fordert deshalb seit Längerem, den Schutz der Wölfe zu lockern und sie zum Abschuss freizugeben. Die Tiere sind streng geschützt und dürfen nur in Ausnahmefällen geschossen werden.

Manche Jäger sehen Wölfe auch als unliebsame Konkurrenz. Es gibt Regionen in Deutschland, wo sie ein Wolfsrudel deutlich zu spüren bekommen, weil es plötzlich weniger Tiere zu jagen gibt und diese sich auch anders verhalten.

Auch die Bundesregierung will die Ausbreitung der Wölfe künftig besser kontrollieren und einzelne Tiere notfalls töten lassen. Das bestätigte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in einem Interview. "Wo der Wolf keine natürlichen Feinde und auch keine Scheu mehr vor Menschen hat, müssen wir natürlich reagieren", sagte sie der "Passauer Neuen Presse". Es gehe hier auch um "Prävention und Entnahme". Die FDP fordert dagegen, die Tiere generell zum Abschuss freizugeben. Die wichtigsten Fakten zum Wolf lesen Sie hier.

Seit wieder Wölfe in Deutschland leben, ist kein Zwischenfall dokumentiert, in dem sich eines der Tiere einem Menschen gegenüber aggressiv gezeigt hat.

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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
m.m.s. 28.06.2018
1. Wölfe greifen den Menschen an
Dass Wölfe den Menschen angreifen ist die Norm. Kann man am Internet leicht finden, sogar mit den Namen der Menschen die angegriffen wurden in tabellarischer Form, Datum, Ort und Quellenamgabe. Das war seit Jahrhunderten so, was ebenfalls leicht gefunden werden kann z. B. in veröffentlichten französischen Aufzeichnungen. Es ist natürlich eine große Unwahrheit zu behaupten der Wolf griffe nicht den Menschen an.
henry_org 28.06.2018
2. Naja....
selbst bei solchen Themen wird man nicht richtig informiert..... weil wir die Guten sind, die den PLanet retten müssen....vor uns selber....aber ich glaube, dieser Planet hilft sich immer wieder selbst. Was mich nur wundert sind Formulierungen wie "absolut untypisches Verhalten." oder "Gesunde Wölfe würden Menschen eher meiden...". Was heisst eher? Was heisst untypisch? Manchmal vielleicht doch? Tja, solange es nicht man selbst ist oder "nur" die Kinder der anderen kann man weiter auf seinem hohen moralischen Ross sitzen... Ich glaube, die Welt kommt auch ohne Wolf klar.....man nennt das Evolution....und alle, die den Status Quo behalten wollen oder die Zeit zurückdrehen wollen versündigen sich an der Evolution .... und haben meisste das große Ganze eh nicht im Blick!
twoerndle 28.06.2018
3. Faktenfreund
Laut dem Neuzeithistoriker der UNI Caen, Prof. Moriceau (siehe Videolink) hat es in Frankreich in der Neuzeit in 250 Jahren über 9.000 dokumentierte tödliche Wolfsangriffe auf Menschen gegeben, effektiv angesichts der damaligen Dokumentationspraxis schätzt er 50.000 - 60.000. Die Rahmenbedingungen waren andere, das ist relevant, jedoch zu behaupten, dass Wölfe gleich gefährlich seien wie Hirsche scheint mir für einen Wolfsexperten eine unfundierte Aussage (siehe 2. Link) https://m.youtube.com/watch?v=u4W8SWYcvWE https://m.augsburger-allgemeine.de/bayern/Woelfe-sind-nicht-gefaehrlicher-als-Hirsche-id51302596.html
lala10 28.06.2018
4.
Es wird nicht allzu lange dauern dann ist in Deutschland nach den Schafen auch Mal ein Kind als Opfer der alzu lieblichen Wölfen. Das sollten die sogenannten Tierschützer auch Mal bedenken. Aber es werden wahrscheinlich nicht ihre Kinder sein.
Teile1977 28.06.2018
5. Hunde
Zitat von lala10Es wird nicht allzu lange dauern dann ist in Deutschland nach den Schafen auch Mal ein Kind als Opfer der alzu lieblichen Wölfen. Das sollten die sogenannten Tierschützer auch Mal bedenken. Aber es werden wahrscheinlich nicht ihre Kinder sein.
Nur gut das die Lieben Hundilein so etwas niemals tun würden, außer 2-3 Mal im Monat. P.s. Das gefährlichste Tier im Wald ist die Zecke, gefolgt vom Wildschwein.
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