Gefährliche Nesseltiere Giftige Plage an britischen Stränden

An der Südküste von Großbritannien werden derzeit viele Portugiesische Galeeren angeschwemmt - dabei leben die Tiere eigentlich ganz woanders. Für Menschen können sie gefährlich werden.

Portugiesische Galeere im Golf von Mexiko
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Portugiesische Galeere im Golf von Mexiko


Sie sehen ein wenig aus wie bunte Luftballons: Allerdings sind Portugiesische Galeeren (Physalia Physalis) nicht so harmlos. Das Gift der Tiere kann tödlich wirken - wenn auch nur in seltenen Fällen. Derzeit werden die quallenartigen Nesseltiere haufenweise an der britischen Kanalküste und der Irischen See angeschwemmt, obwohl sie normalerweise eher in den wärmeren Gewässern des Atlantik und Pazifik vorkommen.

Zwar passiert es immer mal wieder, dass die Tiere auch an den Süd- und Westküsten von Großbritannien auftreten. Doch dieses Jahr ist das Aufkommen der Tiere insbesondere in Cornwall, aber auch in Wales oder Devon besonders hoch, warnen Behörden und die Meeresschutzorganisation Marine Conservation Society (MCS). In Cornwall wurden wegen der Gefahr bereits Strände gesperrt. Auch vergangenes Jahr wurden die Tier in großer Anzahl angeschwemmt.

Laut der Küstenschutzorganisation zählten Experten seit knapp 15 Jahren nicht mehr so viele Portugiesische Galeeren. Die Tiere haben bläuliche, weiße oder auch violette Tentakel, die im Meer Längen von 50 Metern erreichen können. Geraten die Nesselzellen daran mit der menschlichen Haut in Kontakt, entstehen starke Schmerzen und rote Striemen, die an einen Peitschenhieb erinnern.

Dringender Rat: Abstand halten

Erreicht das Gift zudem die Lymphknoten, verstärken sich die Schmerzen noch. Bei immungeschwächten Menschen und Allergikern kann das Gift einen allergischen Schock auslösen, der in seltenen Fällen tödlich endet.

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Portugiesische Galeeren: Der Staat sind sie

Der MCS-Meeresforscher Peter Richardson sieht vor allem das extreme Wetter mit der starken Hurrikan-Saison als Auslöser für die Nesseltier-Schwemme. Der Wind sowie Meeresströmungen würden die Tiere herbringen, die in dieser Meeresregion nicht natürlicherweise vorkommen.

Die Behörden raten dringend, von den angeschwemmten Tieren am Strand Abstand zu nehmen. Vor allem Kinder dürften die farbenprächtigen Portugiesischen Galeeren mit ihren sackförmigen Gasblasen spannend finden. Schwimmer, Surfer oder andere Wassersportler sollten zudem einen Ganzkörperanzug zum Schutz tragen.

Im Falle eine Kontakts sollten Tentakelreste vor Ort zunächst vorsichtig von der Haut entfernt werden - am besten schabt man sie mit einem harten Gegenstand wie einer Messerklinge oder auch einer Kreditkarte ab. Die Tentakel nicht berühren, sie enthalten noch aktive Nesselzellen. Auf keinen Fall sollte man Süßwasser oder ein Handtuch nehmen - das könnte noch zu weiteren Entladungen des Giftes in den Nesselzellen führen.

Umstritten ist, ob man Meerwasser bei Portugiesischen Galeeren zur Wundreinigung einsetzen sollte, wie es bei einigen Quallenarten empfohlen wird. Besser ist auch hier Essig, zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie im Fachmagazin "Toxins". "Essig neutralisiert die Funktion der Nesselzellen. Bei Meerwasser können sich diese Zellen entladen. Das bedeutet: Die Nesselkapsel wird aus der Zelle geschleudert und der Nesselfaden durchschlägt mit hoher Geschwindigkeit und dem Gift die Hautoberfläche", sagt der Meeresbiologe Thomas Heeger.

Sind die Tentakel entfernt, kann nach einiger Zeit warmes Wasser über 45 Grad Celsius helfen: Es sorgt für eine Denaturierung der Eiweißzellen des Gifts. Sollten die Beschwerden nach einigen Tagen noch anhalten, sich verschlimmern oder sensible Körperregionen betroffen sein, ist ärztliche Hilfe ratsam.

Eine Tiergemeinschaft in der Staatsqualle

Aufgrund von Portugiesischen Galeeren ist es bereits häufiger zu Unfällen an Großbritanniens Küsten gekommen. 2012 musste ein zehnjähriger Junge in Cornwall ins Krankenhaus gebracht werden, er war bei einem Strandspaziergang mit den giftigen Tentakeln eines Exemplars in Berührung gekommen. Obwohl die Mutter das Tier in einem Einmachglas ebenfalls in die Klinik brachte, verstanden die Ärzte lange Zeit nicht, was die Ursache für die Beschwerden war.

Portugiesische Galeeren erreichen Größen von über 30 Zentimetern. Sie besitzen eine spezielle Gasblase, die sie wie ein Segel an der Wasseroberfläche benutzen können. Obwohl sie meist dafür gehalten werden, sind Portugiesische Galeeren keine Quallen, wie etwa Feuer- oder Ohrenquallen. Eine Portugiesische Galeere ist nicht einmal ein einzelnes Tier, sondern eine Gemeinschaft aus Hunderten oder Tausenden kleiner Polypen: eine sogenannte Staatsqualle.

Die Wesen haben sich zu einem großen Organismus zusammengeschlossen und sich dort auf verschiedene Aufgaben spezialisiert. Es gibt vier Typen von Polypen: Eine Gruppe formiert sich zur Schwimmblase, welche die Galeere dicht an der Wasseroberfläche hält. Eine andere formt die Tentakel. Die übrigen übernehmen das Fressen sowie die Fortpflanzung.

Anmerkung: Die Erste-Hilfe-Maßnahmen in dem Artikel wurden überarbeitet und eine neue Studie eingefügt.

joe

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