Moby Dicks Rache Wale fressen Fischern die Fangleinen leer

Das Geräusch der Boote ist für sie ein Essensgong: In Alaska schnappen Pottwale den Fischern ihren Fang vor der Nase weg. Nun versuchen Forscher, die Tiere auszutricksen.

Pottwal
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Findige Pottwale machen Fischern im Golf von Alaska die Beute streitig: Seit vielen Jahren plündern sie dort riesige Mengen Fisch von den langen, mit bis zu 4000 Haken versehenen Fangleinen. Die typischen Geräusche der Kutter beim Einholen der Leinen sind für die riesigen Meeressäuger wie eine Art Essensgong. Oft lockt der Ton sogar eine ganze Gruppe von Pottwalen an. Meeresforscher und Fischer arbeiten jetzt zusammen, um den Schaden zu begrenzen.

Das ungewöhnliche Verhalten der Pottwale begann vor über zwei Jahrzehnten. Damals wurden in Alaska die Fristen zum Fang von Kohlenfisch verändert - von jährlich zehn Tagen ohne Mengenbegrenzung auf acht Monate mit Fangquote. Und die Pottwale lernten schnell, dass ihnen ihr Futter - in 700 bis 1100 Meter Tiefe an der horizontalen Leine hängend - fast drei Viertel des Jahres quasi zum Anbeißen serviert wird.

Wie Äpfel vom Baum schütteln

"Die erfahrensten Wale fanden heraus, dass sie in die Leine beißen und sie schütteln können - so wie man Äpfel vom Baum schüttelt", sagte Aaron Thode, Experte für Meeressäuger vom Scripps Institut für Ozeanografie in Kalifornien. Er hat die Tiere mit Unterwasserkameras beobachtet: Da Kohlenfische mit ihren weichen Mäulern von der Leine abfallen, bleiben die Wale in der Regel unverletzt. Gefahr droht allerdings durch die Boote und Leinen.

Pottwale gehören zu den bedrohten Tierarten und sind durch das Walfangmoratorium weitestgehend geschützt. Die größten Raubtiere der Erde können über 20 Meter lang werden. Sie tauchen problemlos 1500 Meter hinab und damit tiefer als jeder andere Wal. Bis zu hundert Minuten können sie unter Wasser bleiben

Trotz ihrer Größe wissen Forscher nur wenig über die Tiere. Bis heute ist beispielsweise unklar, welche Aufgabe das mächtige Spermaceti-Organ in ihren bulligen Köpfen übernimmt. Noch ist unklar, ob die zähe Flüssigkeit darin als Rammbock oder zur Echolot-Ortung dient.

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Fest steht dagegen: Mehr als tausend US-Dollar Verlust pro Tag und pro Schiff kann eine Walattacke für die Fischer bedeuten - denn oft verlieren sie ein Viertel, manchmal sogar 100 Prozent ihres Fangs, beklagt der Rat zum Fischereimanagement im Nordpazifik. Seit 2003 arbeiten die Fischer deshalb zusammen mit Meeresforschern der Umweltbehörde NOAA im Projekt Seaswap an der Lösung des Problems - eine in dieser Form seltene Kooperation.

Zunächst wollten die Forscher herausfinden, was die Wale genau anlockt. "Es war nicht irgendein Teil der Ausrüstung, es war die Art und Weise, wie die Fischer die Boote fuhren", sagt Thode. Sie fuhren einen Test ohne Fang, bei dem das Boot wie beim Einholen der Leine beschleunigte, abstoppte und entsprechende Luftblasen erzeugte: "In weniger als zehn Minuten hatten wir Zwölf-Meter-Wale rund um unser Boot." Bei ruhiger See hören die Tiere ihren Essensgong noch in einer Entfernung von mehr als 25 Kilometern.

Wal-Vermeidungsnetzwerk

Die Forscher entwickelten daraufhin zwei Strategien. Zunächst versuchten sie, die Wale auszutricksen und mit einem falschen Essensgong zu einer Boje zu locken. Das schlug jedoch fehlt. Die Tiere merkten schnell, dass bei der Boje nichts zu holen war, und blieben weg.

Plan B funktioniert dagegen inzwischen gut: Die Forscher versahen einige Tiere mit Peilsendern, und eine App zeigt nun, wo sich die Wale tummeln. So können die Boote andere Fischgründe ansteuern. Außerdem melden die Fischer einzelne Wal-Sichtungen an eine Zentrale, die die Infos an alle weitergibt.

2017 wurde von Alaskas Fischereirat zudem eine neue Methode zugelassen, um Kohlenfisch ähnlich wie Hummer in Körben zu fangen - und damit deutlich Wal-sicherer. Die Methode ist vielen Fischern jedoch zu teuer. Bis auf Weiteres bleibt also das Wal-Vermeidungsnetzwerk vor Alaska der beste Weg, um den smarten Pottwalen auszuweichen. Fünf Prozent der Jahresfangquote landen trotzdem im Magen von Moby Dick.



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