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Premiere: Erstmals Erbgut einer Frau entschlüsselt

Auch vor der Genforschung macht die Gleichberechtigung nicht halt: Niederländischen Forschern ist es erstmals gelungen, die DNA einer Frau vollständig zu entziffern. Von den Daten erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die genetischen Unterschiede von Frau und Mann.

"Es wurde Zeit, dass nach der Sequenzierung von vier Männern etwas für die Ausbalancierung der Geschlechter getan wird", erklärte Forschungsleiter Gert-Jan van Ommen vom Medizinischen Zentrum der Universität Leiden. Erstmals haben Wissenschaftler das Erbgut einer Frau entziffert - und zugleich auch des ersten Europäers.

DNA-Doppelhelix (Zeichnung): Nun auch Frauen-Genom entziffert
DPA

DNA-Doppelhelix (Zeichnung): Nun auch Frauen-Genom entziffert

Die 34-jährige Genetikerin Marjolein Kriek, die zu van Ommens Team gehört, hatte für die Studie ihr Erbgut zur Verfügung gestellt. Die Wissenschaftlerin bezeichnete ihren Beitrag als "große Ehre". Nach einer letzten Überprüfung soll das Erbgut nun analysiert werden, um neue Erkenntnisse über die genetischen Unterschiede von Menschen zu gewinnen. Die Entzifferung des Genoms einer Frau soll laut van Ommen auch mehr Einblick in das X-Chromosom geben, das beim Mann nur einmal, bei der Frau hingegen doppelt vorhanden ist.

Rund 40.000 Euro kostete die Studie nach Angaben der Universität. Obwohl die Wissenschaftler in den letzten Jahren große Erfolge bei der Identifizierung von Genen machten, die zu Krankheiten wie Krebs führen können, haben sich daraus bisher noch keine neuen Heilbehandlungen ergeben.

Die erste entschlüsselte menschliche DNA stammte 2001 aus einer Kombination mehrerer Spender. Danach stellten James Watson, einer der Entdecker der DNA-Helixstruktur und der Genforscher Craig Venter ihr Erbgut zur Verfügung. Außerdem dechiffrierten Wissenschaftler das Genom eines Chinesen und von zwei Afrikanern des Yoruba-Volkes.

Auch das Erbgut von Hunden, Katzen, Schimpansen, Rindern und einem Schnabeltier entschlüsselten Forscher bereits. Bei Tieren und Menschen besteht es aus knapp drei Milliarden Bausteinen. Ihre Reihenfolge ergibt die genaue Erbinformationen, so wie Buchstabenfolgen Worte ergeben.

dpa/APD

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