Problem gelöst Umkämpfte Insel im Golf von Bengalen versunken

Rund 30 Jahre haben Indien und Bangladesch um eine kleine Insel im Golf von Bengalen gestritten. Jetzt hat sich das Problem von selbst gelöst: New Moore Island ist im Meer versunken - offenbar wegen des steigenden Meeresspiegels.

Touristen am Golf von Bengalen (im März 2010): "Von der globalen Erwärmung gelöst"
AP

Touristen am Golf von Bengalen (im März 2010): "Von der globalen Erwärmung gelöst"


Neu-Delhi - Der Wert des Landfleckens war vor allem symbolisch. Auf New Moore Island, dreieinhalb Kilometer lang und drei Kilometer breit, lebten keine Menschen. Allerdings war das Eiland - manchmal auch als South Talpatti Island oder Purbasha bezeichnet - im Golf von Bengalen zwischen Indien und Bangladesch umstritten. 1981 landeten sogar indische Paramilitärs auf der Insel, um die Flagge ihres Landes zu hissen.

Die Insel war aufgetaucht, nachdem der schwere Zyklon Bhola 1970 die Region verwüstet hatte. Hunderttausende Menschen waren damals gestorben. Nun ist New Moore Island offenbar Geschichte. Das Verschwinden der Insel sei durch Satellitenbilder und Seepatrouillen bestätigt worden, sagte der Ozeanograf Sugata Hazra von der Jadavpur-Universität in Kalkutta der britischen BBC. Der steigende Wasserspiegel habe die Insel komplett untergehen lassen. "Was diese beiden Länder in jahrelangen Gesprächen nicht erreicht haben, wurde von der globalen Erwärmung gelöst", so der Forscher.

Studien zufolge sei der Meeresspiegel in der Bucht von Bengalen bis 2000 um jährlich etwa drei Millimeter gestiegen, im vergangenen Jahrzehnt aber um jährlich fünf Millimeter. Eine weitere Insel in der Region, Lohachara, ging 1996 unter, seine Bewohner mussten aufs Festland umsiedeln. Mindestens zehn weitere Inseln seien bedroht, sagte Hazra. Die Küstengebiete von Bangladesch gelten als besonders stark gefährdet durch die steigenden Meeresspiegel im Zuge des Klimawandels.

Ein Mitarbeiter des indischen Außenministeriums erklärte, das Verschwinden der Insel löse den Streit mit Bangladesch keinesfalls. Nun streite man eben um den Verlauf der Seegrenze in dem Gebiet.

chs/apn



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