Klimawandel: Neue Bäume für Bayerns Städte

Manche Baumarten reagieren empfindlich auf Klimaveränderungen. Gerade in den Innenstädten, wo die Pflanzen sowieso massiv unter Stress stehen, kann das ihre Lebenszeit drastisch verkürzen. Bayerische Forscher testen in einem Großprojekt robuste Baumarten auf ihre Zukunftsfähigkeit.

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Ginkgo im Herbst; Als Baum für bayerische Städte gut geeignet?

München - Kastanien, Platanen und Linden - diese Bäume wird es künftig in deutschen Innenstädten deutlich seltener geben, vermuten bayerische Forscher. "Es steht ein Wechsel bei den Stadtbäumen an", sagt Philipp Schönfeld von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Grund dafür sei der Klimawandel.

"Die Sommer werden heißer und es gibt trotzdem eisige Winter. Die Stadtbäume der Zukunft müssen also sowohl Hitze als auch Kälte und Spätfröste tolerieren", sagt der LWG-Leiter des Sachgebietes Pflanzenökologie. Verändern sich die klimatischen Bedingungen, können sich außerdem neue Schädlinge ausbreiten, die über den internationalen Handel eingeschleppt werden - auch denen müssen die Bäume trotzen.

Seit 2009 untersuchen Wissenschaftler in Bayern im Großprojekt "Stadtgrün 2021", welche Baumarten in welchen Klimazonen am besten gedeihen. Deshalb haben sie in mehreren Innenstädten fast 500 exotische Bäume gepflanzt. Hof und Münchberg sind als kühlere Standorte Teil des Projekts. Würzburg ist als Ort mit eher mediterranem Klima - lange Trockenperioden und hohe Temperaturen - mit dabei. Und in Kempten wird untersucht, wie die Bäume bei niederschlagsreichem Wetter klarkommen. "Wir testen nur in Bayern, aber die Ergebnisse werden sich auf ganz Deutschland anwenden lassen", sagt Schönfeld.

Stress in der Stadt

Stadtbäume sind mit denen im Wald oder Park nicht vergleichbar. Die Gewächse in der Innenstadt müssen deutlich mehr aushalten, weil sie in engen Wohngebieten stehen - oder an dicht befahrenen Straßen. Da sind nicht nur die Autoabgase in der Luft und die gegen Bäume pinkelnden Hunde. In den Städten staut sich zudem die Wärme, die Luft ist trockener und die Bäume haben meist weniger Boden zum Leben.

Das alles stresst die Pflanzen. Sie werden anfälliger für Krankheiten und ihre Lebensdauer verkürzt sich rapide. "Früher haben Bäume in der Stadt 60 bis 80 Jahre durchgehalten, heute rechnen die Gartenämter mit einer deutlich kürzeren Lebensdauer", sagt Schönfeld.

Zu den 20 robusten Baumarten, die dem Klimawandel trotzen und auch den Stadt-Stress ertragen, gehören der Perlschnurbaum, der Dreizahn-Ahorn, der Ginkgo, die nordamerikanische Rotesche und der Lederhülsenbaum. Die ausgewählten Bäume kommen ursprünglich aus Asien, Amerika und dem mediterranen Raum.

Projekt läuft bis 2021

"Die richtige Auswahl bei den Stadtbäumen zu treffen, wird immer schwieriger. Es wird immer mehr zur kleinen Wissenschaft, welche Arten man verwenden sollte", sagt der Würzburger Gartenamtsleiter Dieter Müller. Er hofft deshalb auf Hilfe durch die Ergebnisse des LWG-Versuches. In Würzburg stehen etwa 15.000 Bäume, die als "Straßenbegleitgrün" gelten. In München sind es rund 109.000.

Bis 2021 läuft das wissenschaftliche Projekt. Zweimal im Jahr kontrollieren die Forscher die Bäume, messen Stammumfang, Baumkrone und prüfen die Blätter, den Boden und den Schädlingsbefall. Bislang hat das Landwirtschaftsministerium rund 450.000 Euro für das Projekt "Stadtgrün 2021" gezahlt.

"Nach so kurzer Zeit können wir natürlich noch keine fundierten Ergebnisse publizieren. Aber es zeichnet sich schon jetzt eine Differenzierung nach Standorten ab", sagt Schönfeld. "Den einen idealen Stadtbaum gibt es nicht. Jeder Ort hat andere Bedingungen und darauf müssen die Bäume abgestimmt werden. Aber das war ja auch das Ziel des Projektes: Für jeden Standort die besten Klimabäume zu finden."

wbr/dpa

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