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Projekt OneGeology: So haben Sie die Welt noch nie gesehen

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Wie sähe die Erde aus, wenn es Pflanzen, Gewässer und Städte nicht gäbe? Geologen haben die Frage beantwortet: mit dem weltgrößten Kartierungsprojekt. OneGeology ist ein digitaler Atlas, der die Welt in bunten Farbmustern zeigt - und erstaunliche Erkenntnisse über die Struktur unseres Globus bietet.

Das Bild der Erde hängt ganz vom Betrachter ab. Für Astronauten ist sie ein blauer Ball mit farbigen Tupfern, den Landflächen. Geologen hingegen zeichnen die Welt in geradezu psychedelischen Farben. Das müssen sie auch, um die verschiedenen Gesteinsarten auf einen Blick gut unterscheiden zu können.

Anlässlich des Internationalen Jahrs des Planeten Erde haben Wissenschaftler aus 79 Ländern nun die erste geologische Weltkarte im Internet veröffentlicht. Das Projekt mit dem Namen "OneGeology" wurde im März 2007 bei einem Geologentreffen in England ins Leben gerufen - jetzt ist die Karte auf onegeology.org online.

Die Forscher haben ein klares Ziel: Die Bedeutung, die Google Earth und Google Maps für Karten der Erdoberfläche haben, soll OneGeology für die darunterliegenden Gesteine einnehmen. Was die Bedienung betrifft, ähnelt die Geologie-Karte am ehesten Google Maps. Das Startbild auf dem Portal zeigt die gesamte Erde in einer Satellitenaufnahme der Nasa. Man kann in bestimmte Regionen hineinzoomen, so weit, so bekannt.

"Vermächtnis für die gesamte Menschheit"

Doch sobald man anfängt, zusätzliche Schichte (Layer) einzublenden, ändert sich das Bild. Wählt man beispielsweise unter "World" die Geologischen Einheiten aus (Geological Units), dann erscheint die Erde plötzlich als bunt gemusterte Fläche. Wer möchte, kann die Transparenz der geologischen Karte erhöhen - dann schimmert immer mehr das darunterliegende Satellitenfoto durch.

Bereits jetzt stehen Dutzende solcher Layer zur Verfügung. Zum Start des Portals haben immerhin 29 nationale geologische Dienste Daten zur Verfügung gestellt, darunter der US Geological Survey (USGS), der British Geological Survey und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus Hannover.

Wer allerdings zugleich die Verwerfungen in Europa, das Gesteinsalter in der Antarktis und die Geologie der Anden aktiviert, muss ein bisschen warten, bis die Anzeige aktualisiert wird. Der Grund dürfte auch in der genutzten Technologie liegen: Die Daten liegen nicht zentral auf einem Server, sondern beim jeweiligen Bereitsteller, also etwa beim USGS oder BGR.

Bislang bietet das Portal vor allem bunte Karten, ausführliche Legenden und Erläuterungen fehlen. Das soll sich aber bald ändern: Die Wissenschaftler arbeiten gerade an einem Abfragesystem, das etwa die gezielte Suche nach Gesteinsformationen erlaubt. Einige One-Geology-Partner wollen auch 3D-Modelle in die digitale Karte integrieren.

Die Wissenschaftler loben das gerade erst gelaunchte Projekt in den höchsten Tönen: "Hier und heute kann ein jeder die OneGeology-Webseite besuchen und geologische Karten von überall auf der Erde bekommen", sagt François Robida vom Bureau de Recherches Géologiques et Minières aus Frankreich. Die teilnehmenden Nationen trügen bei zu einem "Vermächtnis für die gesamte Menschheit".

Daten nicht immer auf dem neuesten Stand

"Geologie kennt keine politischen Grenzen – also wurde es Zeit für eine solche weltumspannende digitale geologische Karte", ergänzt Kristine Asch, Expertin für geologische Informationen und Karten bei der BGR. Geologische Daten seien Schlüsselinformationen, wenn es darum gehe, Grundwasser-Ressourcen zu nutzen, natürliche Risiken wie etwa Hangrutsche oder Überflutungen zu identifizieren oder den Baugrund besser abzusichern. "Deshalb wäre es wichtig, wenn sich weltweit alle Länder an OneGeology beteiligen würden", betont Asch.

Bislang arbeiten 79 Länder an der digitalen Geologiekarte mit, sie bedecken gemeinsam eine Fläche von 102 Millionen Quadratkilometern - oder knapp 70 Prozent der Erdoberfläche an Land. Allerdings haben erst 29 Staaten Daten geliefert. Hinzu kommt, dass diese Daten mitunter nicht auf dem neuesten Stand sind, auch wenn in der Geologie in ganz anderen Zeiträumen gedacht wird als in der Geografie.

Nur in wenigen Regionen der Welt liegen Informationen nahtlos über Landesgrenzen hinweg vor, und in manchen Gegenden fehlen Daten gänzlich. Auf die Wissenschaftler wartet also noch eine Menge Arbeit. Am 6. August 2008 wird das Projekt auf dem 33. Internationalen Geologischen Kongresses in Oslo vorgestellt und diskutiert.

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