Protest in der Arktis: Greenpeace-Chef auf Ölplattform festgenommen

Der Konflikt zwischen Greenpeace und einer Ölfirma in der Arktis eskaliert. Jetzt hat der Chef der Umweltorganisation persönlich eine Bohrplattform geentert - und wurde gemeinsam mit weiteren Aktivisten festgenommen.

Greenpeace-Chef Naidoo (links) vor Grönland: Festgenommen nach Kletteraktion Zur Großansicht
AP/ Greenpeace

Greenpeace-Chef Naidoo (links) vor Grönland: Festgenommen nach Kletteraktion

Kopenhagen - Kumi Naidoo war schon des Öfteren für Schlagzeilen gut. Als erster Afrikaner stieg er 2009 zum Geschäftsführer von Greenpeace International auf, einer Organisation mit rund 1200 Mitarbeitern und weltweit mehr als 40 Niederlassungen. Kaum hatte er das Amt angetreten, kündigte er an, Greenpeace umzukrempeln und für den Kampf gegen den Klimawandel notfalls auch in den Hungerstreik zu treten.

Jetzt hat der Greenpeace-Chef erneut bewiesen, dass er sich für den Einsatz an vorderster Front nicht zu schade ist: Am Freitag ist Naidoo auf die Ölbohrplattform "Leiv Eiriksson" vor der Westküste Grönlands geklettert - und wurde gemeinsam mit weiteren Aktivisten festgenommen, wie die dänische Polizei mitteilte. Ein Greenpeace-Sprecher erklärte am Freitagnachmittag auf Anfrage, Naidoo werde gemeinsam mit 20 weiteren Aktivisten auf der Bohrinsel festgehalten.

Die Nachrichtenagentur AP zitiert Polizeisprecher Morten Nielsen mit der Aussage, dass man die Aktivisten in die grönländische Hauptstadt Nuuk bringen werde. Dort müssten sie sich wegen widerrechtlichem Betreten der Plattform und dem Verstoß gegen Grönlands Sicherheitszonen-Gesetz verantworten.

Nach Angaben von Greenpeace übergab Naidoo der Besatzung der Bohranlage einen Appell von 50.000 Umweltschützern aus aller Welt. Darin wird die schottische Betreiberfirma Cairn Energy aufgefordert, "genau zu erklären", wie sie mit einer Ölkatastrophe wie vor einem Jahr im Golf von Mexiko umgehen würde. Cairn Energy bestätigte die Greenpeace-Aktion. Die Behörden von Grönland hätten die Aktivisten von der Anlage geholt, deren Betrieb sei nicht gestört worden.

Greenpeace protestiert schon seit langem gegen Ölbohrungen in der Arktis. So hatten Aktivisten bereits im August 2010 eine Plattform geentert und Cairn Energy gezwungen, die Förderung vorübergehend einzustellen. Erst in der vergangenen Woche hatte ein niederländisches Gericht der Umweltorganisation mit einer Strafe von 50.000 Euro pro Tag gedroht, sollten Aktivisten erneut in die Sperrzone rund um die Bohrinsel eindringen.

mbe/dapd/AFP

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insgesamt 9 Beiträge
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1. oooo
inci 17.06.2011
Zitat von sysopDer Konflikt zwischen Greenpeace und Ölfirmen in der Arktis eskaliert. Jetzt hat der Chef der Umweltorganisation persönlich eine Ölbohrplattform geentert - und wurde offenbar festgenommen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,769018,00.html
sofort freilassen den mann, und seine treuen mitstreiter ebenfalls. wer im auftrag des guten unterwegs ist, darf auch bestehende gesetze übertreten.
2. ....
wildschuetz 17.06.2011
Zitat von incisofort freilassen den mann, und seine treuen mitstreiter ebenfalls.
Jau, nach Hause schwimmen lassen....
3. Mal 'ne Frage....
wildschuetz 17.06.2011
Was qualifiziert so einen Artikel für die Rubrik "Wissenschaft"?
4. .
rohfleischesser 17.06.2011
Zitat von wildschuetzsofort freilassen den mann, und seine treuen mitstreiter ebenfalls. wer im auftrag des guten unterwegs ist, darf auch bestehende gesetze übertreten.
Ah. Ein Rechtspositivist. Sehr gut. (Vermeintliche) Gesetze entbinden nämlich vom Nachdenken, was irre praktisch ist wenn man eher andere Stärken hat. Auch die überzogenen Fratzen hier, die immer wieder mehr oder weniger direkt die Tötung von Greenpeace-Aktivisten fordern, sollten sich mal überlegen was sie da eigentlich absondern. Grundgesetzkonform ist das jedenfalls nicht - und man kann es auch als versuchte Anstiftung zum Mord ansehen. Jungs, was habt ihr für Komplexe? Warum gerade die Greenpeace-Aktivisten? Irgendwie trifft Greenpeace wohl einen Nerv, der extrem maskuline Reflexe auslöst. Schlechtes Gewissen, weil man selbst sich jedes Idealismus schon längst entledigt hat, oder wie muss man das deuten?
5. Halt
südd. 18.06.2011
Zitat von rohfleischesserAh. Ein Rechtspositivist. Sehr gut. (Vermeintliche) Gesetze entbinden nämlich vom Nachdenken, was irre praktisch ist wenn man eher andere Stärken hat. Auch die überzogenen Fratzen hier, die immer wieder mehr oder weniger direkt die Tötung von Greenpeace-Aktivisten fordern, sollten sich mal überlegen was sie da eigentlich absondern. Grundgesetzkonform ist das jedenfalls nicht - und man kann es auch als versuchte Anstiftung zum Mord ansehen. Jungs, was habt ihr für Komplexe? Warum gerade die Greenpeace-Aktivisten? Irgendwie trifft Greenpeace wohl einen Nerv, der extrem maskuline Reflexe auslöst. Schlechtes Gewissen, weil man selbst sich jedes Idealismus schon längst entledigt hat, oder wie muss man das deuten?
Ich entsinne mich noch gut an die Aktionen in den 80 in der BRD und weiß noch sehr gut wie es nach dem Fall des Eisernen Vorhang in der DDR ausgesehen hat. Seither sind Greenpeace und andere Vereine für mich ihre Glaubwürdigkeit eingebüsst. Die großen Umweltsünden passieren heute in China nur dort sind keine Fernsehkameras und den Aktivisten drohen dort wirkliche Strafen für ihr tun. Deshalb bleiben sie doch lieber bei den Kameras und geben hier den Weltenretter!
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