Rätselhafte Steinerennbahn Autofahrer ruiniert Naturwunder im Tal des Todes

Es ist eine Sensation: Im Death Valley in Kalifornien streunen Felsbrocken umher und hinterlassen Spuren im Staub. Jetzt aber überziehen auch Abdrücke von Autoreifen die Steinerennbahn - das Entsetzen ist groß.


Die Racetrack Playa, also die Wüstenrennbahn, im Tal des Todes in Kalifornien ist eine Natursensation. Dort schieben sich Hunderte Kilogramm schwere Felsbrocken über den Boden, lange Schleifspuren künden von ausgedehnten Wanderungen der Steine. Das Phänomen beschäftigt Wissenschaftler seit mehr als hundert Jahren.

Touristen müssen eine anstrengende Fahrt über Buckelpisten auf sich nehmen, um die berühmte Playa sehen zu können. Das Betreten des fernab von Siedlungen gelegenen Unikats im Nationalpark ist allerdings nicht erlaubt.

Das Verbot hat den Vandalismus nicht verhindern können, den der Fotograf Kurt Lawson nun entdeckt hat: Neben den Schleifspuren der Felsen überziehen Abdrücke von Autoreifen die Steinerennbahn.

"Extrem frustrierend"

Es wurden gar Initialen auf einen der Felsen gemalt: "D.K." steht dort. "Ganz üble Menschen sind dort gewesen", notiert Lawson angewidert in seinem Blog.

Eine etwa 16 Kilometer lange Spur verrät, dass ein Auto mehrmals kreuz und quer über die Racetrack Playa gefahren sein muss. "Es ist extrem frustrierend, so etwas zu sehen", sagte ein Manager des Nationalparks dem "Las Vegas Review-Journal".

Jahrzehnte hatten Wissenschaftler gerätselt, warum die Steine wandern; Dutzende Theorien wurden ausgetüftelt. Erst vor Kurzem lüfteten Filmaufnahmen das Geheimnis.

Kleine Eisflöße trieben sie voran, berichteten Forscher, die sich am Rande der Playa auf die Lauer gelegt, Messgeräte und Kamera aufgestellt hatten.

Millimeterdünnes Eis

Eines Nachts passierte es: Nachdem es geregnet hatte, bildete sich ein flacher See auf der Hochebene, er gefror. Millimeterdünnes Eis umschloss die Steine. Im Tauwetter am Morgen zerbrach es in Abertausende Schollen, die vom Wind getrieben wurden. Eingekeilt im Eis nahmen auch die Steine Fahrt auf. Die Forscher entdeckten frische Schleifspuren hinter vielen Brocken.

Es genüge eine milde Brise von drei Windstärken, um das Steinrennen zu eröffnen, erläuterten die Wissenschaftler. Es mangelte allerdings meist an Eis, deshalb wanderten die Brocken nur selten. Jahrelang herrsche Stillstand auf der Steinerennbahn.

Ein großes Rätsel über eine vermeintlich kleine Frage schien geklärt. Bis dahin hatte kein Mensch die Felsen je in Bewegung gesehen. Aufnahmen mit fest installierten Kameras sind in dem Nationalpark verboten.

Wie lassen sich die Spuren beseitigen?

Vor etwa hundert Jahren hatten Naturkundler das Mysterium der wandernden Steine entdeckt, es wurde zur Attraktion. Trotz extremer Hitze zieht es zahlreiche Touristen an die abgelegene Rennbahn. Spaßvögel wollten schon Schilder aufstellen: "Achtung: Umherziehende Felsen!"

Jetzt ist Schluss mit lustig, der Ort wurde verschandelt. Man gehe der Tat nach, sagt der Parkmanager. Und man überlege, wie die Spuren beseitigt werden könnten.

Mit Wasser sollte es gehen. Es würde die Abdrücke verwischen, und wenn der Boden getrocknet ist, wäre vom Vandalismus nichts mehr zu sehen, kalkulieren die Parkwächter.

Aber wie schafft man große Mengen Wasser in die abgelegene Gegend? LKW können die Playa nicht erreichen. Zahlreiche Touren mit Geländewagen wären notwendig. Und schließlich müssten Arbeiter die Rennbahn betreten - ohne Spuren zu hinterlassen.

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Das Jahrhunderträtsel
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boj

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