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Entdeckung in der Arktis: Radar enthüllt riesigen Canyon unter Grönlands Eis

Nasa

Tief unter dem Eis Grönlands haben Wissenschaftler eine gigantische Schlucht entdeckt. Der 750 Kilometer lange und bis zu 800 Meter tiefe Riss ist Millionen Jahre alt. Er prägt die Eislandschaft Grönlands bis heute.

Wäre da nicht das viele Eis, wäre der Anblick wohl atemberaubend: eine Schlucht, mindestens 750 Kilometer lang, bis zu 800 Meter tief und stellenweise zehn Kilometer breit. Kein Mensch hat sie je zu sehen bekommen; schon vor Jahrmillionen verschwand sie unter dem Eis. Zwei Kilometer hoch türmen sich die Gletscher Grönlands heute über dem Canyon. Doch jetzt haben Wissenschaftler ihn sichtbar gemacht - mit Hilfe von Radardaten, gesammelt in zahlreichen Flügen.

Wie die Forscher um Jonathan Bamber von der britischen University of Bristol im Fachblatt "Science" schreiben, ist die Schlucht vermutlich älter als die Eisfläche, die Grönland seit rund 3,5 Millionen Jahren zudeckt. Sie habe die Form eines sich schlängelnden Flussbetts und reiche vom Zentrum bis zur Nordspitze der größten Insel der Welt. Ihre Ausmaße sind beeindruckend: Zwar ist sie nur halb so tief wie der berühmte Grand Canyon an seiner tiefsten Stelle. Dafür aber ist sie mindestens 300 Kilometer länger als die berühmte Schlucht im US-Bundesstaat Arizona.

Doch die reine Größe ist bei weitem nicht das Wichtigste. Bamber und seine Kollegen vermuten, dass die Schlucht eine wichtige Rolle dabei spielt, das Wasser aus dem Schmelzprozess an der Oberfläche des Packeises zum Rande der Eisfläche und damit letztlich in den Arktischen Ozean zu leiten. Bevor Grönlands Eispanzer vor rund 3,5 Millionen Jahren entstanden ist, muss ein Fluss den Canyon aus dem Gestein geschnitten haben.

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Grönland: Canyon unter dem Eis
Seine Funktion als Wasserleiter hat er offenbar nicht verloren - nur dass er jetzt das Schmelzwasser der Gletscher führt. Das erklärt nach Meinung der Forscher etwa, warum es unter dem grönländischen Packeis keine Seen gibt, anders als in der Antarktis. Zudem spielt das Wasser eine wichtige Rolle für das Verhalten des Eises. Breitet es sich unterhalb des Eises über große Gebiete aus, kann es wie eine Gleitschicht zwischen der Unterseite der Gletscher und dem Fels wirken und so das Abrutschen der Eismassen ins Meer beschleunigen.

Grönland gilt als eine der vom Klimawandel am stärksten betroffenen Regionen. Das Meereis schwindet rapide, und auch das Festlandeis ist stellenweise stark zurückgegangen. Die neuen Daten können laut Bamber helfen, Modelle über die Bewegungen der grönländischen Eisdecke zu verfeinern. Allerdings erwartet er keine grundlegend neuen Erkenntnisse darüber, wie der Klimawandel die Gletscher im hohen Norden beeinflusst.

Ähnlich äußerte sich David Vaughan vom British Antarctic Survey: Die Entdeckung der Riesenschlucht werde vermutlich "keinen besonderen Einfluss" auf die Berechnung der Eisflussraten haben. Der Canyon liege so tief unter dem Eis, dass er vermutlich noch für viele Jahrzehnte von den Folgen der Erwärmung unberührt bleibe.

Entdeckt wurde der Canyon mit Hilfe von Radarbeobachtungen. Bamber und sein Team werteten große Mengen an Daten aus, die etwa bei der "IceBridge"-Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa sowie von Forschern in Großbritannien und Deutschland gesammelt worden waren. In bestimmten Frequenzen können die elektromagnetischen Wellen des Radars das Eis durchdringen und prallen vom darunter liegenden Fels ab. Indem sie alle Radardaten systematisch auswerteten, entdeckten die Wissenschaftler den Canyon und konnten seine Form rekonstruieren.

Die Schlucht ist nicht die erste spektakuläre Entdeckung unter dem Eis Grönlands. Bereits 2009 hatten Forscher dort ein "Geistergebirge" entdeckt, das den Alpen ähnelt. 2012 kam ein gewaltiges Tal hinzu, von dem Wissenschaftler annehmen, dass es den Fluss des Eises ins Meer beschleunigen könnte. Das alles widerlege den Eindruck, dass die Landschaft der Erde bereits vollkommen erforscht und kartografisch erfasst sei, meint Bamber. "Unsere Forschungen zeigen, dass es noch immer viel zu entdecken gibt."

mbe/AFP/Reuters

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insgesamt 9 Beiträge
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1.
Merkelfan 30.08.2013
Also doch Alien vs. Predator. Ich wusste es..
2. ein zukünftiges Trekkingparadies
neu_ab 30.08.2013
Das gibt bestimmt megakewle Wanderrouten & Mountainbikestrecken, wenn der KLIMAWANDEL erstmal zugeschlagen hat! ;)
3. Ich schätze...
Vincent1982 30.08.2013
...das wäre schon ein grandioser Anblick und ich wie ich die Menschheit so kenne, wird diese über die Klimaerwärmung dafür sorgen das womöglich unsere Generation das noch mitkriegt.
4. Bitte etwas mehr Fachverstand, Herr Redakteur
ueberlegdochmal 30.08.2013
Ein Riss entsteht durch Zug, ein Canyon durch Erosion. Zwei komplett unterschiedliche Prozesse. Auch der Einfluss auf das Polareis ist sowas von An-den-Haaren-herbei-gezogen. Ich verstehe ja, dass man versucht einen wissenschaftlichen Artikel sexy darzustellen. Aber ein wenig naturwissenschaftliches Grundverständnis sollte man bei Redakteuren voraussetzen können. Dass es sich um einen riesigen Canyon in der Arktis von den Ausmaßen des Missisippi Canyons im Golf von Mexiko handelt, und was das bedeutet, das ist doch spektakulär.
5. In Deutschland und der Schweize würde der Canyon sicher was hermachen
EchoRomeo 30.08.2013
in Grönland aber,mit über zwei Millonen Quadratkilometer und da drauf 2000-4000m Eis, ist das doch eher ein Kratzer
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