Faszinierendes Radarbild Das ist kein Sturm - sondern eine Schmetterlingswolke

Ein US-Meteorologe starrt ungläubig auf seinen Bildschirm - weil er dort eine riesige Wolke sieht. Eine Wolke aus Lebewesen. Er wird Zeuge einer faszinierenden Wanderung.

Schmetterlingswolke bei Denver
AP/ NWS

Schmetterlingswolke bei Denver


Das sah irgendwie komisch aus. Als Meteorologe Paul Schlatter vom National Weather Service in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) vor wenigen Tagen auf ein Radarbild der Region um Denver blickte, konnte er dort eine riesige Wolke erkennen. Es war eine Wolke, wie er sie noch nicht gesehen hatte, ungefähr 110 Kilometer im Durchmesser. Und sie bewegte sich recht zügig.

Waren es womöglich Vögel, deren Radarecho er da sah? Das war eher unwahrscheinlich - zog die wundersame Wolke doch mit dem Wind nach Nordwesten. Vögel wären um diese Jahreszeit aber eher nach Süden unterwegs, so Schlatter.

Was hatte er aber dann gesehen? Schlatter hörte sich in sozialen Netzwerken um - und bekam schnell eine Antwort. Demnach hat ein großer Schwarm von Schmetterlingen für die bemerkenswerten Radarechos gesorgt. Es soll sich bei den Tieren um Distelfalter handeln. Diese waren zuvor bereits an der sogenannten Front Range gesichtet worden, einem in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bergmassiv in Colorado.

Ein Mehrgenerationen-Projekt

Die orange-schwarz gezeichneten Schmetterlinge haben eine Flügelspannweite von viereinhalb bis sechs Zentimetern und legen mit dem Wind teils lange Wanderungen zurück. In Europa erreichen sie dabei sogar Skandinavien - bei einem Start in Nordafrika. Eine Generation wird jeweils zwei bis vier Wochen alt.

Ebenfalls mit Hilfe eines Radars hatten Forscher der britischen Agrarforschungsanstalt Rothamsted Research vor einigen Jahren herausbekommen, dass aufeinanderfolgende Generationen der Schmetterlinge tatsächlich Hin- und Rückreisen unternehmen.Im Fachmagazin "Ecography" hatten sie ihre Erkenntnisse veröffentlicht.

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Fotostrecke: Die Invasion der Monarchfalter

Die Tiere sind demnach in Höhen von teils mehr als einem Kilometer unterwegs. Einige Schmetterlinge hätten - verteilt über sechs Generationen - mehr als 14.000 Kilometer absolviert. Das ist mehr als doppelt so viel wie die berühmten Monarchfalter zwischen Kanada und Mexiko schaffen.

chs



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