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Radikaler Plan: Schweden will sich bis 2020 vom Öl befreien

Schweden will als erstes industrialisiertes Land seine Energieversorgung komplett vom Öl unabhängig machen. Schon im Jahr 2020 will die Regierung in Stockholm das ehrgeizige Ziel erreichen - ohne neue Atomkraftwerke zu bauen.

Erst vergangene Woche hat US-Präsident George W. Bush mit der Feststellung für Schlagzeilen gesorgt, die USA seien "süchtig nach Öl" und müssten ihre Abhängigkeit von Ölimporten aus dem Nahen Osten verringern. Insgesamt ging es da aber nur um eine Reduzierung der gesamten US-Öleinfuhr um etwa 15 Prozent, und diese Lücke will Bush mit einem Ausbau der Kernkraft stopfen.

Windräder in Schweden: Befreiung aus der Öl-Abhängigkeit geplant
AFP

Windräder in Schweden: Befreiung aus der Öl-Abhängigkeit geplant

Schweden plant bei weitem Radikaleres: Das Land will das Öl vollständig aus seiner Wirtschaft verbannen - und zwar binnen 14 Jahren und ohne zusätzliche Atomkraftwerke. Wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtet, wird ein Komitee aus Vertretern der Energie- und Autoindustrie sowie der öffentlichen Verwaltung, Wissenschaftlern und Landwirten in einigen Monaten dem schwedischen Parlament einen Bericht vorlegen.

Das Ziel ist nach Angaben der Regierung in Stockholm, alle fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energien zu ersetzen, ehe der Klimawandel verheerende wirtschaftliche Konsequenzen habe und der zunehmende Mangel an Öl die Preise in schwindelerregende Höhen treibe.

"Unsere Abhängigkeit vom Öl sollte bis 2020 gebrochen sein", sagte Mona Sahlin vom Ministerium für nachhaltige Entwicklung dem "Guardian". "Kein Haus sollte dann noch mit Öl geheizt werden und kein Autofahrer ausschließlich Benzin tanken müssen."

Die Abhängigkeit vom Öl sei eines der größten zukünftigen Probleme der Welt. "Ein von fossilen Brennstoffen freies Schweden würde uns enorme Vorteile bringen, nicht zuletzt weil es die Auswirkungen der Ölpreis-Schwankungen dämpfen würde." Seit 1996 habe sich der Weltmarktpreis für Öl verdreifacht.

Die Zeitung zitiert einen Regierungsbeamten mit der Aussage, man wolle "sowohl mental als auch technisch auf eine Welt ohne Öl vorbereitet" sein. Der Plan sei eine Reaktion auf den Klimawandel, die steigenden Rohölpreise und die Warnungen, dass die Ölreserven der Erde schon bald erschöpft sein könnten.

In Schweden hätte ein Ausstieg aus der Ölwirtschaft für den Verkehrssektor die größten Folgen, denn in dem Land werden fossile Brennstoffe vor allem in Transportmitteln eingesetzt. Seine Elektrizität produziert Schweden hauptsächlich mit Atom- und Wasserkraftwerken. Öl macht insgesamt rund 34 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs des Neun-Millionen-Volks aus. 1970 waren es noch 77 Prozent.

Nach Informationen des "Guardian" erwartet das schwedische Energieministerium, dass das Öl-Komitee die verstärkte Produktion von Bio-Kraftstoffen mit Hilfe der riesigen Wald- und Landwirtschaftsflächen des Landes empfehlen wird. Auch die Nutzung von Wind- und Wasserkraft könne noch ausgebaut werden.

mbe

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